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Höchstadt a. d. Aisch
Geschichte

Ritter von Spix: Expedition ins heutige WM-Gastgeberland

Im Juli 1817 traf der Höchstadter Johann Baptist Ritter von Spix in Rio de Janeiro ein. Seine Forschungen im heutigen WM-Gastgeberland Brasilien können im Höchstadter Museum genau nachverfolgt werden.
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Eine Karte zeigt den Weg der Expedition auf. Im Bild Dr. Karl Dieter Reinartz, Vorsitzender des Spix-Fördervereins .  Fotos: Evi Seeger
Eine Karte zeigt den Weg der Expedition auf. Im Bild Dr. Karl Dieter Reinartz, Vorsitzender des Spix-Fördervereins . Fotos: Evi Seeger
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Brasilien ist derzeit in aller Munde. Orte wie Sao Paulo, Salvador, Rio de Janeiro, Manaus haben durch die Fußballweltmeisterschaft einen guten Klang. In einigen Stunden sind sie zu erreichen - sofern man das nötige Kleingeld dazu hat. Doch wie war das vor zweihundert Jahren? Kaum jemand in Deutschland wusste etwas über Brasilien und seine Menschen, geschweige denn von seiner Fauna und Flora. "Nicht einmal die Brasilianer selbst wussten damals etwas über das Landesinnere, ja sie hatten sogar einen Horror davor, dorthin vorzudringen", sagt einer der es wissen muss: Dr. Karl Dieter Reinartz, Vorsitzender des Höchstadter Spix-Vereins.

Was durchaus nicht verwundert: War das ferne Land doch nur mit dem Schiff zu erreichen - und das konnte dauern. Im Falle des gebürtigen Höchstadters Johann Baptist Ritter von Spix, der zusammen mit dem Erlanger Botaniker Martius die Brasilien-Reise antrat, beanspruchte die Überfahrt "nur" gut drei Monate.
Der Forschungsreise der beiden Wissenschaftler und ihrer Arbeit ist es zu danken, dass der Nachwelt das Land am Amazonas, das artenreichste auf der ganzen Welt, wesentlich näher rückte.

Ihrem großen Sohn und Zoologen hat Höchstadt ein Museum eingerichtet. Die grün-gelbe Fahne Brasiliens, die heute jedes Kind kennt, "weht" auch gleich an der Eingangstüre in der Badgasse Nummer 7, das Haus in dem Johann Baptist Spix geboren wurde. Fast wäre es abgerissen worden, wäre da nicht ein Häuflein geschichts- und heimatbewusster Höchstadter gewesen, die sich für den Erhalt des maroden Gebäudes stark machten. Einer von ihnen ist Karl Dieter Reinartz, ehemals an der Uni Erlangen tätiger Naturwissenschaftler, der bis heute den Vorsitz im Spix-Förderverein inne hat.

Land und Leute kennenlernen

Im Oktober begeht der Verein sein 20-jähriges Bestehen. Gleichzeitig kann die Eröffnung des Museums vor zehn Jahren gefeiert werden. Durch das Höchstadter Gymnasium auf Spix aufmerksam geworden, vertiefte sich Reinartz in die Vita des 1781 als Sohn des Höchstadter Baders geborenen Zoologen und Brasilienforschers Spix.
Spix, der zunächst Theologie, dann Medizin studiert hatte, wandte sich nach einigen Stationen seines jungen Forscherlebens den Naturwissenschaften. 1811 wurde er als "Adjunkt" der mathematisch-physikalischen Abteilung an die Königlich-Bayerische Akademie der Wissenschaften nach München berufen. 1817 beschloss diese, eine wissenschaftliche Expedition nach Südamerika zu entsenden.

Die bevorstehende Heirat der österreichischen Prinzessin Leopoldine mit dem späteren Kaiser Dom Pedro I. bot Gelegenheit, sich dieser - mit zwei Schiffen reisenden - Gesellschaft anzuschließen. Von Triest aus stachen die beiden Fregatten am 10. April 1817 in See. Die "Austria" mit der Forschertruppe traf am 14. Juli in Rio de Janeiro ein. Selbstredend harrten die Forscher in Rio de Janeiro aus, bis die königliche Braut an Land ging - vier Monate später. Das hatte auch seine Vorteile: Sie hatten Zeit, sich umzusehen und etwas von Land und Leuten und der Sprache kennenzulernen. Dass er "ganz gut" Latein konnte, mag Spix sicherlich dabei geholfen haben, das in Brasilien gesprochene Portugiesisch zu verstehen.

"Unser aller Augen weideten sich an einer Gegend, deren Lieblichkeit, bunte Mannigfaltigkeit und Pracht alle Naturschönheiten weit übertraf, welche wir noch je gesehen hatten", schildert Spix seinen ersten Eindruck von Brasilien. Im Dezember 1917 bricht er ins Landesinnere auf. Zum ersten Male wurde damit ein größerer Teil von Inner-Brasilien einer wissenschaftlichen Forschung unterzogen, was dem Unternehmen bis heute ungeschmälerte Bedeutung verleiht.

6500 Pflanzenarten entdeckt

Gesundheitliche Probleme waren dafür verantwortlich, dass Spix und Martius im April 1820 die Heimreise antraten. 6500 Pflanzenarten, 85 Arten von Säugetieren, 350 Vögel, 130 Amphibien, 2700 Insekten und viele andere Tiere mehr, betrug die Ausbeute der Expedition von Spix und Martius. Nach ihnen wurde eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen benannt. Spix wurde der erste Leiter der Zoologischen Staatssammlung München.

Allen, die mehr über Brasilien erfahren möchten, sei das Spix-Museum empfohlen. Der Schaukasten mit der überaus perspektivisch wirkenden Urwaldszene fasziniere vor allem Kinder und Schulklassen, erzählt Reinartz. Die dazu eingespielten Aufnahmen von Tierlauten sind Originalaufnahmen aus dem Amazonasgebiet. Von der eigenen Brasilienreise hat Reinartz eine Maske vom Stamme der Tikuna mitgebracht, die mit echten Piranha-Zähnen ausgestattet ist. In Vitrinen finden sich Exponate, die der ehemalige Leiter der Zoologischen Staatssammlung München, Professor Ernst Josef Fittkau, dem Museum überlassen hat. Auch Mineralien, die zum Teil noch Spix selbst ausgezeichnet hat, finden sich im Museum. Leihgaben einer Journalistin aus Berlin, die die ersten Jahre ihres Lebens am Unterlauf des Amazonas verbracht hat, geben Einblicke in das Leben der Indianer. see


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