LKR Erlangen-Höchstadt
Themenwoche: Gleichberechtigung

Richter Pelzl schaut hinter die Fassaden

Vom professionellen Betrüger in Nadelstreifen darf sich der Erlanger Amtsrichter ebenso wenig beeindrucken lassen wie von dem mit Migrationshintergrund.
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Wolfgang Pelzl ist Richter am Amtsgericht. Er kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Foto: Andreas Dorsch
Wolfgang Pelzl ist Richter am Amtsgericht. Er kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Foto: Andreas Dorsch

Vor Gericht ist kein Fall mit dem anderen hundertprozentig vergleichbar. Auch die Richter sind andere und die Gerichte liegen in unterschiedlichen Landstrichen. "Wir müssen verschiedenen Dingen gerecht werden: dem Opfer, dem Fall und allen Beteiligten", sagt Wolfgang Pelzl.

Werden die Menschen, die vor Gericht stehen, alle gleich behandelt? Pelzl ist Richter am Amtsgericht Erlangen und kann schon auf eine längere Erfahrung zurückblicken. Nach dreijährigem Wirken als Anwalt wurde er 2001 Staatsanwalt und 2005 Richter. Als solcher hat er bereits alle Abteilungen durchlaufen, vom Straf- bis zum Jugendgericht. Richter ist für ihn übrigens der schönste Beruf, den er sich vorstellen kann.

Pelzl stellt sich in jeder Verhandlung der Herausforderung, alle gleich zu behandeln. Und er weiß, dass er und seinen Kollegen sich größte Mühe geben, dem gerecht zu werden. "Man muss sich an der einen oder anderen Stelle immer wieder mal sagen, prüfe dich selbst", sagt der Richter. Vor ihm stehen eloquente Angeklagte ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund. Der Richter dürfe nicht nur darauf achten, wie Menschen auftreten, sondern müsse auch hinter die Fassade schauen.

Pelzl fühlt sich gewarnt, wenn beispielsweise der Angeklagte Kaugummi kaut oder mit einer Baseball-Cap vor Gericht erscheint. Dadurch dürfe man sich ebenso wenig beeindrucken lassen wie von professionellen Betrügern, denen es gelingt, vor Gericht auch professionell aufzutreten. Der eine müsse ebenso hinterfragt werden wie der andere, sagt der Richter. Sein Motto ist es, Gleiches möglichst gleich und Ungleiches möglichst ungleich zu behandeln.

Um den Gleichbehandlungsgrundsatz auch bei den von Gerichten verhängten Strafen gelten zu lassen, hat der Gesetzgeber Mechanismen geschaffen. "Wenn es um Geldstrafen geht, wird der Wohlhabende anders behandelt als der mit weniger Geld", sagt Richter Pelzl. Geldstrafen werden in Form von Tagessätzen verhängt. Ein Tagessatz entspricht dabei der Summe, die der Verurteilte an einem Tag netto verdient. Diesen Betrag festzustellen, ist bei Angestellten relativ einfach. Bei prominenten Straftätern geht es aber los. Um deren Einkommen herauszufinden, stehen dem Richter allerdings die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung, wie den Ermittlungsbehörden. Für Pelzl finden sich immer Wege, festzustellen, was jemand verdient. "Wenn es sich nicht aufklären lässt, wird geschätzt."

Für viele Kandidaten, mit denen es der Richter zu tun hat, gibt es feste Tagessätze. Das sind "Menschen, die nicht arbeiten". Werden Sozialhilfeempfänger zu einer Geldstrafe verurteilt, gilt ein Tagessatz von 15 Euro, bei straffälligen Studenten sind es 20 Euro. Gesteht ein Tatverdächtiger, ist es für ihn immer ein Pluspunkt. Macht er aber von seinem Recht Gebrauch und verweigert die Aussage, "darf ich es ihm nicht negativ ankreiden", sagt Pelzl.

Obwohl Richter auch Menschen und keine Computer sind, versuchen sie doch, das Unterbewusstsein auszublenden. Der Strafrahmen ist vom Gesetz vorgegeben. Der Richter suche nach Elementen zu Gunsten und zu Lasten des Angeklagten, wie beispielsweise Geständnis oder Vorstrafenregister. Dann werde abgewogen.

Weil jeder Fall anders ist, könnte da bei dem einen Kollegen mehr rauskommen als bei dem anderen, räumt Pelzl ein. Bei allem Bestreben, vor Gericht alle gleich zu behandeln, berichtet der Erlanger Amtsrichter aber auch von Studien, die ergeben haben, dass im Süden Deutschlands höhere Strafen verhängt werden als an der holländischen Grenze.

Für die gleiche Tat unterschiedliche Strafen gibt es, wenn sich die Gesetze geändert haben. "Der Richter muss immer das Gesetz anwenden, wie es zum Zeitpunkt der Tat galt." Wird heute jemand wegen Missbrauchs von Jugendlichen verurteilt, hängt das Strafmaß davon ab, ob die Tat schon länger zurückliegt oder nicht.

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