Höchstadt a. d. Aisch
Adrenalinjunkie

"Weil es geil ist": Bestatter aus Mittelfranken ist trotz Unfall leidenschaftlicher Rennfahrer

Seit Jahren riskiert Johannes Riegler auf der Rennstrecke Kopf und Kragen. Zwei Unfälle hatte er, zwei Mal hatte er dabei Glück und kam ungeschoren davon.
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Johannes Riegler mit seinem BMW, mit dem er seit 1995 Rennen fährt.Yannick Hupfer
Johannes Riegler mit seinem BMW, mit dem er seit 1995 Rennen fährt.Yannick Hupfer
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"Das ist meine Lieblings-Kurve." Johannes Riegler zeigt auf den Bildschirm seines Computers, auf dem gerade ein Video vom Hockenheimring läuft. Er kennt die Rennstrecke in- und auswendig - so wie viele Strecken in ganz Deutschland und Europa. Bereits seit 32 Jahren fährt der Bestatter aus Höchstadt mit seinen Autos Rennen.

"Mittlerweile liegt das Hauptaugenmerk auf der Rundstrecke", sagt Riegler. Früher war das anders. Angefangen hat er mit dem Rallye-Fahren. Bereits in seinem ersten Jahr als Fahrer räumte Riegler Platz drei beim deutschen Rallye-Mobil-Pokal ab. Es folgten unter anderem ein zweiter Platz bei den nordbayerischen und ein vierter bei den bayerischen Meisterschaften.

Bestatter als Rennfahrer: mit 330 PS um die Kurve

Doch das Hobby des Höchstadters ist nicht ungefährlich, denn was für andere der Fußball ist, ist für ihn ein 330 PS starker Motor. 1992 hat er seinen BMW M3 E30 gekauft, anschließend restauriert, bevor der Wagen 1995 zum ersten Mal auf der Strecke stand.

Mittlerweile zählen zum "Team Riegler" elf Fahrer, die zusammen durch Europa touren und Rennen absolvieren. Johannes Rieglers Tochter Corinna wurde auch von Papas Hobby "infiziert" und fährt regelmäßig Rennen mit. Rund zehn fährt das "Team Riegler" pro Jahr.

"Es ist eine ganz große Familie", sagt Riegler über die Fahrer, die er regelmäßig an den Rennstrecken trifft: Man unterhält sich, verbringt viel Zeit miteinander - und erlebt auch mal Rückschläge.

Zwei Unfälle ändern nichts an der Leidenschaft

Johannes Riegler hatte in seiner Karriere zwei Unfälle. In Luxemburg ist das eingetreten, was jedem Autofahrer Schweißperlen auf die Stirn treibt: Die Bremse ist ausgefallen. "Ich habe das Pedal einfach durchgetreten - doch ohne Wirkung." Die Bremse versagte, das Durchdrücken des Pedals war nutzlos. Riegler fuhr mit rund 60 Stundenkilometern in einen anderen Teilnehmer.

Rieglers zweiter Unfall geschah beim Tuner-Grand-Prix auf dem Hockenheimring. Nach der ersten Kurve stieß er mit einem Mitstreiter bei 160 Stundenkilometern zusammen. Passiert ist Riegler bei beiden Unfällen nichts.

Nicht mal ein Ziehen im Nacken habe er gemerkt, sagt er: "Du bist sicher in den Autos." Durch die engen Sitzschalen, in denen die Fahrer platznehmen, bleibt kein Millimeter Spielraum. Selbstverständlich ist auch ein Helm Pflicht. "Das schlimmste ist das Feuer", erklärt Riegler.

Denn wenn er mit weit über 200 Stundenkilometern über die Strecke brettert, wird der Motor heiß - sehr heiß. Die Feuergefahr ist erhöht. Deshalb tragen die Fahrer feuerfeste Kleidung, sogar die Unterwäsche hält Flammen stand. Die Sicherheitsvorkehrungen sind laut Riegler enorm hoch.

Eine Liebe fürs Leben

Durch die Unfälle ließ der Rennfahrer sich nicht von seiner Leidenschaft abbringen. Aber warum liebt er den Motorsport so?

"Weil es geil ist", sagt der Bestatter. Vor allem die Präzision begeistert ihn, wenn man mit 150 Stundenkilometern in die Kurve fährt, jeder Zentimeter Strecke ausgenutzt wird.

Es ist das Adrenalin, die Konzentration, das Abschalten aus dem Bestatter-Alltag, das er liebt. Besonderes gefällt es ihm, wenn es regnet. Da brauche es noch mehr Konzentration, noch mehr Gefühl für das Auto.

Wer Jahr für Jahr viele Rennen fährt und Stunden auf dem Asphalt verbringt, hat auch seine favorisierten Strecken. Rieglers Nummer eins ist die Rennstrecke in Schleiz, denn die sei naturbelassen. Gleich danach kommt übrigens die in Hockenheim - trotz seines Unfalls.

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