Mehrfach proben der Pilot (Dennis, 17 Jahre) und die 13-jährige Katrin als der kleine Prinz die erste Szene. Sie werden jäh unterbrochen von einem laut auf den Bretterboden stampfenden Markus Bedruna, Lehrer an der Realschule und Leiter der Theater-AG. "Keine Scheu vor dem Bühnenrand", ruft er den beiden Akteuren zu. Zudem ist ihm Dennis zu wenig genervt vom Prinzen, der mit keinem der gezeichneten Schafe einverstanden ist.
Zum Leidwesen des Schülers wird die Szene immer und immer wieder neu begonnen, bis der Jugendliche wirklich genervt ist. Aber wenigstens Bedruna ist jetzt zufrieden.

Das sind Szenen der Probentage, die ein buntes Grüppchen Schüler aller Jahrgangsstufen der Realschule im Don-Bosco-Haus in Forchheim erlebt. Der kleine Prinz steht auf dem Programm, Aufführungen sind vom 18. bis zum 20. Mai.


"Zeichne mir ein Schaf", das sind die ersten Worte des kleinen Prinzen, die er an den in der Wüste abgestürzten Piloten richtet. Verwirrt durch diese absurde Aufforderung in der schier aussichtslosen Situation lässt sich der Pilot sogar darauf ein. Es entwickelt sich eine phantastische Freundschaft zu dem außerirdischen Adligen, der im Verlauf des Stückes "Der kleine Prinz" von Antoine De Saint-Exupéry von seinen Reisen zu fremden Planeten und wundersamen Bewohnern berichtet.

Letztlich aber führte alle Kritik des Theaterleiters zu einem erfolgreichen Durchlauf der ersten beiden Szenen, der Pilot sprach die Sätze zielorientierter und Bedruna war sichtlich ergriffen vom Monolog des kleinen Prinzen: "Wir müssen das Publikum emotional mitnehmen!"

Jamie, eine 18-jährige frühere Schülerin, besucht ihre Freunde in Forchheim. Sie schmunzelt. Nur zu gut kennt sie die Situation, wenn gut nicht mehr gut genug ist und ihr Bühnenpartner der letzten zwei Jahre genervt reagiert: "Im letzten Stück spielten wir ein gräfliches Ehepaar, da musste er mich auch laut anschreien."


Grönemeyer am Klo


Auch der 17-jährige Fabian bleibt von Kritik nicht verschont. Als Erzähler spielt Dennis Freund aus Kindergartentagen den alten Piloten und regt sich schrecklich über jeden Texthänger auf, worauf hin er ins Stottern kommt und die Worte zu sehr presst. Doch Bedruna geht das Problem anders an: "Du verbesserst Dich zu oft, wenn du dich verhaspelst. Geh souveräner damit um und leg dir ein scheißegal Gefühl zu, sonst hörst du dich an wie Grönemeyer am Klo."

Hart und direkt kommen Lob und Tadel von dem erfahrenen Lehrer, doch bleiben den jungen Schauspieler solche Worte eher im Ohr und helfen auch, sich herzhaft lachend zu entspannen. Unterstützt wird die Truppe von der Referendarin Claudia Reuther, die Fabian noch erleichternd auf seinen vorteilhaften Status hinweist: "Du gibst kein Stichwort, da kannst du gut Wörter tauschen."

Stichwörter geben ist auch Sache der Souffleuse. Julie nimmt auch an den Probentagen teil, auch wenn sie sich überflüssig fühlt: "Den Text kenne ich mittlerweile schon recht gut, habe aber das Gefühl, dass die Schauspieler mich gar nicht brauchen, weil sie ihre Rollen schon total gut können." Die 16-jährige Schülerin freut sich, wie alle, auf die Premiere und wird ihre Freunde natürlich sofort unterstützen, falls bei den drei Vorstellungen doch einmal ein Texthänger vorkommen sollte.


Rosige Choreographie


Reuther übt mit den Mädchen und einem Jungen den Tanz der Rosen ein. Zu von Bedruna komponierter Musik wird das Erwachen und Erblühen der Rosen choreographisch dargestellt. Von ihrem Lehrer erhält die Gruppe noch den Hinweis, auch ohne Sprechrolle, emotional immer in der Rolle zu sein. Am Ende der Szene treffen die Rosen auf den kleinen Prinzen, der enttäuscht feststellen muss, dass er nicht reich durch eine einzigartige Blume ist, sondern nur eine gewöhnliche Rose besitzt.

Ergreifend auch die nächste Szene, in der sich der Prinz von dem durch ihn gezähmten Fuchs verabschieden muss. "In der Zähmungsszene muss während das Orchester spielt, eine emotionale Brücke zum Publikum geschlagen werden", erklärt Bedruna. "Es soll die Zuschauer zum Nachdenken anregen." Dementsprechend gefühlsbetont spielen die beiden Mädchen.

Kassandra (13 Jahre) strahlt mit ihrem rötlich getönten Haarschopf schon sehr Fuchs ähnlich von der Bühne. Mit großen, scheuen Augen legt sie viel Ausdruck in ihre Mimik und erklärt dem Prinz den Akt des Zähmens. "Ich denke in dem Moment an etwas trauriges und versuche so, die richtigen Gefühle reinzubringen", erklärt sie.
Schließlich outet sich Bedruna als großer Rosen-Fan und die erst elfjährige Franzi ist trotz ihres jungen Alters sichtlich geschmeichelt. Erst vor kurzem wurde die Rolle der einzigartigen Rose des kleinen Prinzen umbesetzt und so probt Franzi erst seit rund drei Wochen. Sie bekommt dickes Lob vom Theaterchef.

Am frühen Abend ist es dann wieder so weit. Das große alljährliche Ritual, das Stück wird zum ersten Mal komplett und ohne Unterbrechung durchgespielt. Der große Moment, dem alle entgegen fiebern und kaum zu unterscheiden ist, wer aufgeregter an den Start geht - Schüler oder Lehrer. Entgegen dem Komplettdurchlauf am nächsten Vormittag verläuft der Abend sehr erfolgreich, aber auch das ist nach inzwischen sieben Jahren schon Tradition und kaum verwunderlich nach einer langen Partynacht. Trotzdem alle miteinander am späten Abend noch "Mord in Palermo" spielen, reicht die Energie der meisten Schüler noch für heimliche Partys und Spaßaktionen. Immerhin gilt es noch, Fabians Geburtstag der letzten Woche nachzufeiern und in Saskias Geburtstag am Sonntag hineinzufeiern.

Dieses Jahr ist Bedruna nur von der Sorge geplagt, ob sich das Erarbeitete denn auch mehrere Wochen lang konservieren lässt. Herausfinden wird er es bei den Aufführungen in der Aula der Realschule Herzogenaurach, am 18., 19. und 20. Mai.