Weisendorf
Rock-Oratorium

Projektchor reißt in Weisendorf das Publikum mit

Rund 50 Sänger und eine Band aus Weisendorf haben im Rock-Oratorium "Eversmiling Liberty" eine zeitlose Geschichte gekonnt umgesetzt.
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Der ökumenische Projektchor hat sich unter der Leitung von Claus Keller monatelang auf den Auftritt vorbereitet. Foto: Richard Sänger
Der ökumenische Projektchor hat sich unter der Leitung von Claus Keller monatelang auf den Auftritt vorbereitet. Foto: Richard Sänger
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Hört man Oratorium, denkt man sofort an Weihnachten und natürlich an Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Wer hätte gedacht, dass mit Rock, Pop und Jazz aus einem Oratorium ein spritziger Musikabend gestaltet werden kann?
Die ersten Planungen zur Aufführung in Weisendorf liegen bereits über eineinhalb Jahre zurück, am Samstag war es soweit und das Rock-Oratorium der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef Weisendorf wurde vor über 300 Besuchern in Mehrzweckhalle auf die Bühne gebracht. Händel und E-Gitarre: Dass das zusammenpasst, erfuhren die Besucher in der Weisendorfer Mehrzweckhalle.

Wie das Projektteam erklärte, übten der rund 50-köpfige ökumenische Projektchor unter der Leitung des Kirchenmusikers Claus Keller und die Band monatelang für die Aufführung und sorgten für ein Musikerlebnis der Extraklasse mit dem mitreißenden Rock-Oratorium "Eversmiling Liberty". Das Chorwerk spannt dabei einen musikalisch-historischen Bogen ausgehend von den Makkabäer-Aufständen vor Christi Geburt bis ins 18. Jahrhundert, als die Jakobiten in England gegen die neue Herrschaftsordnung und die protestantische Thronfolge kämpften.


Sieg mit Gottes Hilfe

So geht es um das Volk Israel, das um das Jahr 170 vor Christus unter grausamer syrisch-griechischer Fremdherrschaft leidet. Die Menschen werden unterdrückt und sind verzweifelt, sie wünschen sich nichts sehnlicher als Freiheit. Nicht zuletzt wollen sie auch wieder ihren Gott Jahwe verehren dürfen. Die Besatzer verhindern dies mit brutaler Gewalt - aber Israel ist doch Gottes auserwähltes Volk!
Israel bestimmt Judas Makkabäus, den "Hammermann", zum Anführer, der die Freiheit zurückgewinnen soll. Leicht ist das nicht, denn die Feinde sind stark. Dennoch - mit Gottes Hilfe ist Judas am Ende siegreich: Er vertreibt die Besatzer und weiht den Tempel in Jerusalem wieder dem rechten Gottesdienst.

Bei "Eversmiling Liberty" werden Themen rund um Fremdherrschaft, Unterdrückung und das Streben nach Freiheit musikalisch verarbeitet und mit Rock-, Jazz- und Popelementen ausgestaltet. Damit hat sich "Eversmiling Liberty" die lächelnde Freiheit genommen, aus der uralten Geschichte des jüdischen Volksbefreiers Judas Makkabäus eine moderne, swingende Story zu zaubern. Das Stück aus der Feder von Jens Johansen und Erling Kullberg basiert auf dem Stoff des von Georg Friedrich Händel im Jahr 1746 geschriebenen Oratoriums "Judas Makkabäus". Die beiden zeitgenössischen dänischen Komponisten haben aus dem barocken Original ein wunderschönes modernes Rock-Oratorium gemacht.

Die Musik von "Eversmiling Liberty" zeigt dabei in vielen Details Entsprechungen und Verknüpfungen zur Musik Händels, deren Verknüpfung mit Jazz und Rockmusik den Reiz des Stückes ausmacht. Die Geschichte schildert die Verzweiflung des Volkes Israel über die Zerstörungen durch den makedonischen Seleukidenfürsten Antiochos IV. im zweiten Jahrhundert vor Christus und über das Unrecht, das ihnen dabei zugefügt wurde.


Das Rad dreht sich immer weiter

Was vor über 2000 Jahren im Nahen Osten geschah, geschieht seitdem weltweit und immer neu, bis heute. Besetzung, Unterdrückung, Widerstand und Befreiung scheinen eines der Räder der Geschichte zu sein, das niemals aufhört, sich zu drehen. Und da am Ende die Befreiung steht, kann ein Stück, das sich mit diesem Inhalt beschäftigt, auch "Eversmiling Liberty", also "immer lächelnde Freiheit" heißen. Ist der barbarische Zyklus zu Ende gebracht, winkt die Freiheit, von der aber niemand wissen kann, wie lange sie erhalten bleiben wird.

Gerade heute, fast 30 Jahre nach Entstehen des Rockoratoriums, ist die Frage nach dem Erhalt der Freiheit überraschend virulent geworden. Auf jeden Fall viel deutlicher als in der Entstehungszeit des Stücks. So wurden auf der Videowand auch Themen wie der mutmaßliche Giftgasangriff in Duma eingeblendet.

Der Chor stemmte mit seinen Solisten Roland Stark und Alisa Grüner sowie Renate Magerl eine breite und anspruchsvolle Palette an Motiven und Liedarten. Der Vortrag steigerte sich im Verlauf des Konzertes vom Gänsehauteinstieg mit "Mourn" bis zu mitreißenden "Never, Never Bow We Down". Chor, aber auch Solisten und die Band leisteten eine tolle Arbeit, dabei wurden Fragen im Dialog mit Ute-Christine Geiler und Claudia Grüner beantwortet.

Die nächste Aufführung ist am Samstag, 21. April um 19 Uhr in der Aischgrundhalle in Adelsdorf. Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird aber gebeten. Der finanzielle Überschuss geht an die Hilfsaktion Uganda der katholischen Pfarrgemeinden Hannberg und Adelsdorf.
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