Herzogenaurach
Appell

Praktiker Herzogenaurach: Ausverkauf bis 30. November

Die Betriebsratsvorsitzende des Herzogenauracher Praktiker-Markts, Manuela Birkicht, wendet sich an die Firmen in der Umgebung, Mitarbeiter aufzunehmen. 23 Beschäftigte sind am Standort Herzogenaurach betroffen. Kommende Woche beginnt der Ausverkkauf.
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Betriebsratsvorsitzende Manuela Birkicht spricht mit dem Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker.  Foto: Bernhard Panzer
Betriebsratsvorsitzende Manuela Birkicht spricht mit dem Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker. Foto: Bernhard Panzer
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"Unser Markt wird definitiv geschlossen!" Diese schlechte Kunde brachte Manuela Birkicht am Mittwoch von einer Versammlung in Göttingen mit nach Hause. Die Betriebsratsvorsitzende des Praktiker-Baumarkts wurde da wie ihre Kollegen deutschlandweit auch über das Aus für viele Märkte informiert. Auch Herzogenaurach werde leer verkauft, wie es der Insolvenzverwalter formuliert habe. Spätestens am 30. November drohe den 23 Mitarbeitern der Gang in die Arbeitslosigkeit, sagte Birkicht.

Die Herzogenauracherin hatte sich an Bürgermeister German Hacker gewandt, um ihrem Herzen Luft zu verschaffen. "Ich lass mir das Wort nicht verbieten", sagte sie. "Ich muss doch für meine Kollegen kämpfen." Hacker stellte einen Raum im Rathaus zur Verfügung, wo die 43-Jährige ihr Anliegen der Presse schildern konnte.

Ihr gehe es vor allem darum, einen Appell an die Firmen aus der Umgebung zu richten. Sie hofft nun auf Unterstützung, denn "wir haben doch genug starke Firmen." Birkicht schreibt: "Wir wären froh und dankbar, wenn wenigstens ein paar Kolleginnen und Kollegen direkt eine neue Anstellung finden würden." Ob in Lager oder Verkauf, Kasse oder Verwaltung - vielleicht gebe es ja freie Stellen. Sogar der Marktleiter sei auf der Suche.

Denn dass eine Transfergesellschaft zustande kommt, die die Praktiker-Belegschaft auffängt, daran will sie nicht glauben. "Wäre das denn finanzierbar?", fragt sie mehr als zweifelnd. Man müsse stattdessen mit dem Schlimmsten rechnen. Eine kleine Hoffnung sei es noch, dass sich ein Interessent finden möge, der den Herzogenauracher Markt übernimmt, einschließlich einiger Mitarbeiter. Wieder ein Baumarkt, "das wäre das tollste. Die Kollegen vor Ort kennen sich ja aus."


Gebiet für einen Baumarkt reserviert

In diesem Punkt stützt Bürgermeister Hacker die Hoffnung. Herzogenaurach vertrage auf jeden Fall einen Baumarkt. Und das Gebiet sei auch als Sondergebiet für diesen Zweck reserviert. Hacker: "Ein Baumarkt gehört da auch wieder hin." Umso überraschender sei es für ihn, dass der Herzogenauracher Praktikermarkt nun aufgegeben werden soll.

Manuela Birkicht zählt zu den Mitarbeitern, die vor 15 Jahren den Markt in Herzogenaurach mit aufgebaut haben. Viele Kollegen seien von der ersten Stunde an dabei. Und jetzt "leeren sie die Regale wieder aus", stellt die Betriebsratsvorsitzende resignierend fest. Das sei auch eine hohe psychische Belastung. Birkicht nennt eine Kollegin, die von Schlecker kam. "Die macht das nun zum zweiten Mal mit, wirklich keine angenehme Situation."

Bis zum 30. November müsse der Leerverkauf beendet sein, sagte die Verwaltungskraft weiter, die in Herzogenaurach die Marktsekretärin war, wie sie sich bezeichnet. In der kommenden Woche bereits beginne der Ausverkauf. Birkicht: "Wir stehen vor der kompletten Stillegung."

Bundesweit seien von den Leerverkäufen 7000 Mitarbeiter betroffen. Unter den 23 Herzogenauracher Kollegen befinden sich nach Birkichts Angaben auch eine Kollegin in Elternzeit, ein Auszubildender im dritten Lehrjahr und vier geringfügig Beschäftigte.

"Niemand muss sich Sorgen machen"

Noch im Mai habe der Vorstandsvorsitzende Burger vollmundig verkündet, dass sich niemand Sorgen um seine Zukunft zu machen brauche. Keine acht Wochen später folgte der Insolvenzantrag. Manuela Birkicht, die auch im Gesamtbetriebsrat sitzt, habe mit ihren Kollegen schon vor Jahren gewarnt, man möge doch bei einem Konzept bleiben. Doch "Nachhaltigkeit war ein Pfuiwort, und die Berater kosteten Millionen."

Am Mittwoch nun kam der Doppelschlag. In Göttingen wurden die Betriebsräte informiert (Birkicht: "Wir sind zu unserer eigenen Beerdigung gefahren") und zeitgleich klärte der Marktleiter vor Ort die Mitarbeiter auf. Für gestern Abend war eine Betriebsversammlung anberaumt.

Wenn ein Unternehmen ein Angebot machen kann, so Birkicht abschließend, dann möge er sich an den Betriebsrat wenden. "Wir können das dann intern aushängen."

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