Erlangen
Interview

Papst Franziskus warnt vor dem Teufel: Gibt es ihn?

Der Teufel mit Hörnern und Schwefelgeruch ist ein Klischee. Der moderne Satan ist subtil, sagt Hans Markus Horst, Fachmann für Weltanschauungsfragen.
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Der deutsche Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant Gustaf Gründgens als Mephisto in einer Szene von Goethes Faust II in einer von ihm im Jahr 1959 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg inszenierten AufführungArchiv, dpa
Der deutsche Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant Gustaf Gründgens als Mephisto in einer Szene von Goethes Faust II in einer von ihm im Jahr 1959 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg inszenierten AufführungArchiv, dpa
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Papst Franziskus warnte vor dem Teufel. Er sei intelligenter als wir Menschen und er sei vornehm. Wie der Teufel arbeitet, schilderte auch der bekannteste Exorzist Gabriele Amorth in seinen Büchern. Besonders fasziniert von dem Thema Okkultismus sind wohl auch die Schüler. Das Thema wird deshalb oft bei Vorträgen in Schulen nachgefragt. Diese Vorträge hält Hans Markus Horst. Er ist Leiter der Abteilung für Weltanschauungsfragen des Erzbistums Bamberg.

Die Weltanschauungsabteilung ist in Erlangen und für alle Landkreise im Bistum zuständig. "Weil wir gefragt werden" heißt die 32-seitige Broschüre, die das Erzbistum Bamberg mit dem Bistum Regensburg und evangelisch-lutherischen Dekanaten 2017 herausgebracht hat und umfassend über das neo-charismatische Christentum und deren Großveranstaltungen informiert.

Wie viele Anfragen gehen zum Thema Teufel und Exorzismus bei Ihnen ein?
Hans Markus Horst: Konkrete Anfragen nach einem Exorzisten sind eher selten. Das kommt ein bis zwei Mal pro Jahr vor. Häufiger sind die Anfragen von Medienvertretern oder Schulen. Denn mit dem Thema Teufel wird die Neugier aufs Okkulte befriedigt. Auch bei meinen Vorträgen in Schulen wird häufig das Thema Okkultismus nachgefragt, weil es die Schüler in einem gewissen Alter besonders fasziniert. Durch die verstärkt auftretenden Freikirchen und deren Praktiken in Form von Befreiungsgebeten gibt es manchmal Anfragen Betroffener, weil bei sensiblen Menschen dadurch psychische Probleme ausgelöst werden können.

Was ist der Grund dafür, dass die Menschen und/oder die Kirche das Thema Teufel belächeln oder gar aus dem Bewusstsein streichen?
Die Kirche ist weit davon entfernt, das Thema Teufel zu belächeln oder aus dem Bewusstsein zu streichen. Es wäre naiv, das Wirken des Bösen in der Welt zu leugnen. Es gibt allerdings eine theologische Diskussion, die sich differenziert um ein ausgewogenes Urteil über die Wirklichkeit des Satanischen bemüht. Das Ergebnis ist, dass das Satanische eine Wirklichkeit bezeichnet, die rein begrifflich rationalistisch nicht aufgezeigt werden kann.
Satan und das Dämonische sind in der Sprache der Bibel zwar fest verankert, viele Theologen warnen aber vor einem naiven Teufelsverständnis. Andererseits ist es schwierig, anders als in einer mythologischen Sprache vom Bösen zu sprechen.

Gibt es den Teufel?
Die Vorstellung und Erfahrung des Teufels ist religionsgeschichtlich zum ersten Mal bei Zarathustra (628 bis 551 v. Chr.) nachweisbar. Die Hauptlehre ist die Existenz zweier Prinzipien, eines ist die Ursache alles Guten, repräsentiert durch das Licht, das andere, das Dunkle, verursacht alles Böse. Beide liegen in ewigem Streit, schließlich besiegt das Gute das Böse, jeder regiert sein Reich.
Später entwickelt sich in dieser Lehre aus dem Hauptprinzip der "Magier" (christlich gesprochen: Gott), der als übergeordnetes Prinzip beide erschaffen hat.
Auch in den frühen Texten des Alten Testaments sind sowohl der Teufel als auch Hexen ein Werkzeug Gottes, nicht seine Gegenspieler (Beispiel: Saul und die Hexe von EnDor).

Wie muss man sich den Teufel vorstellen? Welche Eigenschaften hat er und wie macht er sich bemerkbar?
Unser heutiges Bild vom Teufel ist vor allem geprägt durch die Künste wie zum Beispiel die Darstellungen in den Bildern von Hieronymus Bosch. Der Teufel war nicht nur zentrales Thema der christlichen Religion, sondern immer auch Lieblingsthema der Künstler. Da der Teufel so vielgestaltig war, das Thema Hölle und Jüngstes Gericht so bildreich und ergiebig, ist die Liste der Werke, die den Teufel zum Mittelpunkt haben, endlos.
Doch auch in heutiger Zeit erfreut sich der Satan größter Beliebtheit. Jedes Jahr erscheint ein neuer Film mit ihm als Hauptperson, und die zeitgenössische Musikszene huldigt ihm. Der Teufel lebt, könnte man sagen, zumindest in der Kunst.
Der Teufel mit Hörnern, Pferdefuß und Schwefelgeruch ist dennoch nur eine Klischeevorstellung. Der moderne Satan ist subtil und nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Biblische Autoren richten den Blick aber nicht in erster Linie auf die Gestalt, sondern eher auf die Wirkung des Bösen und auf die Befreiung daraus durch Gottes Hilfe. Besonders Jesus ist gekommen, um die Macht des Bösen zu brechen: "Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen" (Lk 11,20).

Woher weiß der Mensch, dass er vom Teufel versucht wird?
Das Böse ist vergleichbar mit einer schicksalhaften, ja übermenschlichen Macht, die auf den reflektierenden geistbegabten Menschen einwirkt und ihn verwirrt, verdummt (vgl. die Schlauheit der Bosheit in der Bibel zum Beispiel dargestellt in der Symbolgestalt der Schlange). Sogar Jesus begegnet in der Wüste dem Versucher (Mk 1,13).
Wenn wir darüber sprechen, woher das Böse kommt, gibt es zwei mögliche Ansätze: Das Böse kann auf einer individuellen Ebene der freien Entscheidung des Menschen zum Bösen entspringen. Dieser Ansatz greift aber zu kurz, wenn man zum Beispiel fragt: Wie war Ausschwitz möglich? Daneben gibt es eine universalgeschichtliche Dimension böser Mächte, Systeme und Konstellationen, die den Menschen beeinflussen.

Was sagt das Bistum zur Aussage von Papst Franziskus?
Das Bistum verweist bezüglich der Fragen zum Teufel auf den katholischen Erwachsenenkatechismus: "Sicherlich ist die Sprache der Heiligen Schrift wie der kirchlichen Glaubensüberlieferung gerade hier zeit- und weltbildbedingt. Auf der anderen Seite ist die Existenz des Üblen, des Bösen, Destruktiven, Perversen, Monströsen, Absurden und nicht zuletzt des Diabolischen eine menschliche Erfahrungswirklichkeit wie der Eindruck, dass dieses Böse nicht nur Ausdruck und Folge menschlicher Freiheit ist, sondern eine kosmische Dimension besitzt. (...) Das biblische Zeugnis deutet diese Situation in mythischer Bildersprache, will damit aber eine Realität bezeichnen, die rein begrifflich kaum zu fassen ist." (Katholischer Erwachsenenkatechismus, Band 1, Deutsche Bischofskonferenz, Hrsg., 5. Aufl., Bonn 2013, S. 111)

Papst Franziskus warnte, mit dem Teufel in Kontakt zu treten. Wie geschieht es und was passiert dann, dass der Papst davor warnt?
Es ist nicht ungefährlich, aus Neugier mit okkulten Praktiken zu spielen. Das kann zu großen Ängsten und handfesten psychischen Problemen führen.

Wie kann sich der Mensch vor dem Teufel schützen?
Durch den Glauben an die Macht Gottes, der das Böse besiegt. Diese Großmut Gottes verlangt aber auch von uns Verzeihen und Versöhnungsbereitschaft, um das Böse zu besiegen, dadurch geben wir dem "Teufel" keinen Raum in uns und in der Welt. Die Basis ist ein Urvertrauen in Gott, wie Jesus es uns vorgelebt hat.

Angesichts der Aussage, dass der Mensch vor dem Teufel achtgeben muss, wäre es da wieder notwendig, Exorzisten auszubilden?
In Deutschland ist die Haltung zum Thema Exorzismus seit dem Tod von Anneliese Michel 1976 sehr von Zurückhaltung geprägt. In Fällen, in denen sich Menschen vom Bösen "besessen" fühlen, ist man seitdem eher geneigt, zuerst einmal psychotherapeutische Unterstützung hinzuzuziehen, bevor man einen Exorzismus überhaupt in Betracht zieht.

Warum wurden keine Exorzisten mehr ausgebildet?
In Rom werden an der päpstlichen Hochschule nach wie vor Exorzisten ausgebildet. In den meisten Bistümern in Deutschland werden aber keine Exorzisten ernannt, die im Auftrag des Bischofs berechtigt wären, Exorzismen durchzuführen.

Die Fragen stellte Petra Malbrich.
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