Adelsdorf
Generalüberholung

Orgel erklingt im Juli neu

Das Instrument der Adelsdorfer Stephanskirche wurde in den letzten Monaten gründlich repariert und überarbeitet. Derzeit wird sie wieder eingebaut.
Artikel drucken Artikel einbetten
Johannes Vleugels und Azubi Hermann Büchsel begutachten eine alte, restaurierte Pfeife.Johanna Blum
Johannes Vleugels und Azubi Hermann Büchsel begutachten eine alte, restaurierte Pfeife.Johanna Blum
+2 Bilder
Seit zwei Wochen wird in der Stephanskirche in Adelsdorf wieder eifrig gearbeitet. Der Orgelbaumeister Johannes Vleugels ist mit einigen Gesellen und Azubis dabei, die im Januar 2017 ausgebaute und von der Orgelbaufirma Vleugels in Hardheim im Odenwald auf den neuesten Stand gebrachte Orgel wieder einzubauen.

Der auch von unten sichtbare Prospekt mit den großen Pfeifen aus Metall wird wieder so aussehen, wie vorher. Er ist das Gegenstück zum Altarbogen und bringt die Orgel in einen architektonischen Gleichklang mit der Gesamtkirche.


"Gelungenes Meiterwerk"

Die alte "Strebel-Orgel" ist Baujahr 1910 und in einem Gutachten von Valentin Höller, Domorganist und Orgelrevisor zum neuen Orgelwerk aus diesem Jahr ist zu lesen: "Unterzeichneter hat das von der Orgelbau-Anstalt Strebel in Nürnberg stammende neue Orgelbauwerk am 15. April 1910 einer eingehenden Prüfung unterzogen: Das Werk zählt, auf zwei Manuale und Pedal verteilt, 15 klingende Register, fünf Koppeln, vier pneumatische Collectiv-Druckknöpfe und ein automatisches Pianopedal für das II. Manual. Bei Besichtigung des Orgelinneren konnte sofort wahrgenommen werden, dass der vorhandene Raum in zweckmäßiger Weise ausgenützt wurde. Alle Teile der Orgel sind in bequemster Weise zugänglich", freut sich der Domorganist.

Und weiter: "Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass die neue Orgel in Adelsdorf als in jeder Hinsicht gelungenes Meisterwerk und als ein des herrlichen Gotteshauses würdiger Schmuck bezeichnet werden muss, zu dem man sowohl dem Erbauer als auch der Pfarrgemeinde Adelsdorf aufrichtig gratulieren kann." So geschrieben 1910.

Ende der 50er wurde die Elektrifizierung des Gebläses und eine Erneuerung der Pneumatik durch elektrische Traktur, sowie die Versetzung des Spieltisches von der Mitte vor dem großen Orgelprospekt auf die Seite vorgenommen. Ebenso baute man eine elektrische Nummernanzeige und eine Telefonverbindung zur Sakristei.

1984 beschloss die Kirchenverwaltung eine Generalrenovierung des Instrumentes. Die Firma Stellmacher in Nürnberg übernahm die Generalüberholung, die Kosten beliefen sich damals auf 69 000 DM.


Holzwurm war am Werk

Schon vor über zehn Jahren drängten vor allem die Organisten, aber auch der damalige Ortspfarrer und selbst Organist Holger Fiedler auf eine Generalüberholung der Orgel. Sie sei vom Holzwurm befallen, der Spieltisch sei in schlechtem Zustand , die Orgelelektrik entspreche nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards und schließlich sei das Orgelgebläse sehr alt und besitze einen ungekapselten Motor und mehr.

Bereits im Jahr 2010 holte man von mehreren Firmen Kostenvoranschläge zur Erneuerung der Orgel ein. Die Firmal Vleugels bekam den Zuschlag, die geschätzten Kosten der Generalsanierung belaufen sich auf 250 000 Euro. Bereits Ende 2017 waren die Renovierungsarbeiten in Hardheim vollendet. Zu den 15 Registern kamen weitere neun dazu.


1300 Pfeifen müssen gestimmt werden

Doch mit dem Transport und dem Einbau der Orgel musste gewartet werden, bis die Deckenrenovierung in der Kirche vollendet war. "Wir werden insgesamt etwa sechs Wochen mit dem Auf- und Einbau brauchen", so der junge Orgelbaumeister. Wenn alle Pfeifen eingebaut sind, dann geht es an die Feinarbeit. Jede der 1300 Pfeifen muss nach Gehör gestimmt und so der Raumakustik angepasst werden, dass es perfekt klingt.

"Die alte Technik haben wir mit einer neuen Netzwerktechnik überarbeitet", so Vleugels, der im Jahr 2003 mit der Ausbildung zum Orgelbauer begonnen hatte und heute Meister seines Faches ist. Orgel spielt er selber nicht, aber dafür sein junger Azubi Hermann Büchsel. Übrigens ist der Spieltisch jetzt fahrbar und er kann bei Bedarf auch auf seinen originalen Standort in die Mitte der Empore geschoben werden.

Die Firma Elektro Amon hat ebenfalls viel zu tun. Sie ist für den elektrischen Anschluss der Orgel zuständig.

Sicherlich bekommt das Instrument nach Abschluss aller Arbeiten wieder ein hervorragendes Zeugnis. "Die Orgel hat jetzt einen anderen, aber wunderschönen Klang", schwärmt der Orgelbaumeister. Auch die Adelsdorfer Organisten freuen sich schon auf das runderneuerte Instrument, das dann wieder im Laufe des Monats Juli erklingen wird.

Rudolf Kießling, einer der Organisten, verriet dem FT: "Im November wird Edgar Krapp, der namhafte Orgelvirtuose, ein geborener Bamberger, das Instrument voraussichtlich mit einem Konzert musikalisch einweihen!" Die Weihe der Kirche und der Orgel wird auch im Herbst stattfinden.


Name auf der Orgel?

Die Orgelbaufreunde ließen sich in den letzten Jahren viel einfallen und jeder Interessierte kann weiterhin Orgelpate werden. "Bis die Gesamtkosten gedeckt sind.", so Altbürgermeitser Armin Goß. "Wer allerdings seinen Namen auf einer Pfeife eingraviert haben möchte, müsste bis zum Ende dieser Woche mindestens 300 Euro spenden, denn die Pfeifen werden dann eingebaut."


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren