Herzogenaurach
Tödliches Unglück

Open Beatz Festival: Sturz aus dem Riesenrad war bei Facebook-Livestream zu sehen

Ein Festivalbesucher bei Herzogenaurach stürzt aus mehr als 20 Metern Höhe und stirbt an seinen Verletzungen. Die Polizei wertet Videomaterial aus.
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Die Polizei hat das Riesenrad auf dem Gelände des Open Beatz Festivals bei Herzogenaurach,  auf dem am Samstag ein Gast tödlich verunglückt war, gesperrt.  Momentan sei weder von technischem Versagen  noch von Einwirkungen Dritter auszugehen.  Foto: Christian Bauriedel
Die Polizei hat das Riesenrad auf dem Gelände des Open Beatz Festivals bei Herzogenaurach, auf dem am Samstag ein Gast tödlich verunglückt war, gesperrt. Momentan sei weder von technischem Versagen noch von Einwirkungen Dritter auszugehen. Foto: Christian Bauriedel
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Auf dem Festivalgelände herrscht am Sonntagvormittag Katerstimmung. Besucher packen ihre Zelte zusammen, Sicherheitskräfte regeln den Abreiseverkehr, Arbeiter haben mit dem Abbau der Hauptbühne begonnen. Doch über dem Gelände des Open-Beatz-Festivals, das Freitag und Samstag auf einem Feld zwischen Herzogenaurach und Puschendorf stattfand, liegt eine gedrückte Stimmung.

Denn am Samstagabend, kurz nach 18 Uhr, ereignete sich auf dem Festivalgelände ein tragischer Unfall im Riesenrad, das eine unter zahlreichen Attraktionen des Festivals ist. Wie die Polizei mitteilt, stürzte ein 31-jähriger Festivalbesucher bei der Fahrt mit dem Riesenrad aus der Gondel. Er zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu und wurde in eine Klinik gebracht. Dort erlag der Mann dann gegen 0 Uhr seinen schweren Verletzungen.

Sturz aus mehr als 20 Metern Höhe

Wie Michael Hetzner, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, mitteilt, habe sich der Sturz aus einer Höhe von 20 bis 30 Metern ereignet. Das Riesenrad selbst ist laut Veranstalter 33 Meter hoch. Nach Polizeiangaben handelt es sich beim Opfer um einen Kolumbianer, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin, ebenfalls aus Kolumbien, wohl als Tourist in Deutschland war. Seine Freundin befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks mit in der Gondel. Sie stand unter Schock und wurde von den Einsatzkräften versorgt.

Ein Video, das den Sturz zeigt, liegt vor

"Wir gehen im Moment von einem tragischen Unglück aus", sagt Polizeisprecher Hetzner. Ein technischer Defekt oder ein Einwirken Dritter könne zum derzeitigen Ermittlungsstand ausgeschlossen werden. Das Riesenrad sei nach dem Unglück abgesperrt worden und werde nun eingehend geprüft. Auch ob der Mann Alkohol oder Drogen konsumiert hat, sei nun Teil der Ermittlungen. Es liege eine Videoaufnahme vor. Ein anderer Festivalbesucher hatte zum Zeitpunkt des Sturzes gefilmt.

Veranstalter spricht Angehörigen Mitgefühl aus

Gedrückte Stimmung herrscht bei Florian Gebauer, Veranstalter des Open-Beatz. Er befindet sich am Sonntag im Container der Festivalleitung und koordiniert den Abbau. Das schlimme Unglück hat ihn sichtlich mitgenommen. "Unsere Trauer und unser Mitgefühl liegt bei der Familie und den Angehörigen", heißt es in einem Post, der auf der Facebook-Seite des Festivals veröffentlicht wurde.

Bis zum Sonntagvormittag, als die Polizei den Tod des jungen Mannes bekannt gab, bestand noch Hoffnung, dass er überleben könnte - trotz seiner lebensgefährlichen Verletzungen. Dass es sehr ernst sein würde, angesichts der Höhe von etwa 30 Metern, sei ihm schnell bewusst gewesen, sagt Gebauer. Die Rettungskräfte vor Ort hätten minutenschnell reagiert und Erste Hilfe geleistet.

Das Lazarett des Festivals ist nicht weit vom Unfallort entfernt. Ein Notarzt kümmerte sich um den Mann, auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz.

Sturz war live auf Facebook zu sehen

Besonders tragisch sei, dass eine Webcam, die auf die Hauptbühne gerichtet war, den Sturz am Rande mit filmte und in einen Live-Stream auf Facebook übertrug. "Wir haben das natürlich sofort gelöscht", sagt Veranstalter Gebauer. Er habe Videoaufnahmen gesehen. Der 31-Jährige sei vor dem Sturz in der Gondel "förmlich herumgeturnt" und auch auf das Geländer gestiegen, so Gebauer. Doch genaueres müsse nun die Polizei aufklären. Ein technischer Mangel am Riesenrad, das in diesem Jahr von einem Betreiber aus Frankreich zugemietet worden sei, sei auszuschließen, sagt Gebauer. Der TÜV habe es, wie gewohnt, vor Betrieb abgenommen. Der 27-jährige Gebauer organisiert das Open-Beatz seit mehreren Jahren. Es findet zum siebten Mal am Standort bei Herzogenaurach statt.

Die Polizei Herzogenaurach, die die Einsatzleitung beim Open-Beatz hatte, wollte am Sonntag zur allgemeinen Sicherheitslage am Festivalwochenende noch keine Aussage treffen. Dies werde, wie üblich, in den kommenden Tagen die Dienststellenleitung übernehmen. Wie vom Polizeipräsidium zu erfahren war, sei jedoch von einem normalen und friedlichen Festivalverlauf auszugehen. Laut Veranstalter waren am Samstag rund 18.000 Menschen auf dem Gelände.

Bürgermeister: professionelle Organisation

"Das ist ein Unfall, der an Tragik kaum zu überbieten ist", sagt Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) gegenüber dem Fränkischen Tag. Er sei durch Zufall Zeuge der Rettungsmaßnahmen geworden, da er am Samstagabend mit dem Kommandanten der Feuerwehr zu einer routinemäßigen Sicherheitsbesprechung auf das Gelände gekommen war. "Da muss das Unglück gerade vor zwei Minuten passiert sein." An der Organisation des Festivals gebe es keine Zweifel. "Das war gut vorbereitet. Die Betreiber sind erfahren und machen das gut", sagt Hacker. Er schätze sie als absolut professionell ein. Feuerwehr, Polizei und Stadtverwaltung stünden Monate im Voraus im Kontakt mit dem Festivalbetreiber. Aber es gebe Unfälle, die auch mit einem Sicherheitskonzept nicht zu verhindern seien.

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