LKR Erlangen-Höchstadt
Umweltschutz

Ölheizungen: Verunsicherung wird angeheizt

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt reagieren Hauseigentümer mit alten Ölheizungen auf das angedrohte Verbot ab 2026 abwartend.
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Wolfgang Junggunst an einem Brennwertkessel, mit dem 25 und mehr Prozent Heizöl gespart werden können.   Foto: Andreas Dorsch
Wolfgang Junggunst an einem Brennwertkessel, mit dem 25 und mehr Prozent Heizöl gespart werden können. Foto: Andreas Dorsch
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Unter Hauseigentümern, die noch eine ältere Ölheizung im Keller laufen haben, ist die Verunsicherung derzeit groß. Wie geht's weiter, wenn Brenner oder Kessel ihren Geist aufgeben?

Nach dem von der Bundesregierung beschlossenen - aber noch nicht in Gesetzesform gegossenen - Klimapaket soll ab dem Jahr 2026 der Einbau von reinen neuen Ölheizungen verboten werden. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt könnten davon einige Hausbesitzer betroffen sein, heizen hier doch noch 80 Prozent aller Haushalte mit Öl.

Simon Rebitzer, der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Erlangen-Höchstadt, hat diese Zahl 80 sofort parat, ebenso wie die nur 12 Prozent der Hauseigner, die ausschließlich mit regenerativer Energie ihr warmes Wasser und warme Räume erzeugen.

Nicht nachvollziehen kann Rebitzer die aktuelle Situation. Nach wie vor gebe es vom Staat Zuschüsse für den Einbau neuer Öl-Brennwertkessel. "Diese Gelder werden immer noch stark abgerufen", sagt der Experte vom Landratsamt. Im nächsten Jahr winken dann Investitionskostenzuschüsse von bis zu 40 Prozent, wenn man vom Öl weggeht.

Rebitzer macht auch deutlich, dass kein absolutes Verbot von Ölheizungen geplant ist. Wo es kein Gas gibt, oder andere Alternativen zu unrentabel wären, sollen Ölheizungen weiterhin möglich sein.

Gas hält Rebitzer nicht für die Brückentechnologie auf dem Weg weg vom Öl: "Die Klimabilanz von Gas ist fast noch schlechter als die von Öl." Bei Neubauten sollte regenerative Energie mit dabei sein, eine Gastherme gekoppelt mit Solartechnik. Oder eine Wärmepumpe, die sollte aber die Erdwärme anzapfen. Rebitzers Devise ist ein hoher Energiestandard, Energie einzusparen und mit einem Energieberater prüfen, was machbar ist. Man sollte immer bedenken, "die Sonne stellt keine Rechnung".

"Die Leute sind derzeit total verunsichert, es herrscht Verwirrung", sagt Wolfgang Junggunst, Inhaber des gleichnamigen Heizungs-Fachbetriebs in Gremsdorf. Kunden warten erst mal ab oder ersetzen ihre alte Ölheizung durch moderne Öl-Brennwertkessel. Vom Anschaffungspreis noch die günstigste Lösung. Junggunst hält das auch für einen Schritt in die richtige Richtung und vergleicht einen Brennwertkessel mit einem Formel-1-Fahrzeug, das höchste Anforderungen erfüllt. Der Ölverbrauch lasse sich damit um 25 und mehr Prozent senken. Den "Schnellschüssen der Politik" kann er nichts abgewinnen. Holz-Pellets wären für ihn eine Alternative, Wärmepumpen als Ersatz für alte Ölheizungen eher weniger, weil ältere Häuser schlechter gedämmt sind.

Zusätzlich Solartherme

Dass viele mit der Erneuerung ihrer Heizung erst mal abwarten, stellt auch Rainer Hofmann fest, Meister im Heizungs-Fachbetrieb Faatz in Pommersfelden. Ohne groß umzubauen gebe es aber oft keine andere Möglichkeit als Öl, stellt Hofmann fest, der auf die Erneuerung alter Heizungen spezialisiert ist. Er ist gegen ein generelles Verbot von Ölheizungen, rät aber auch zu anderen Heizquellen. Zusätzlich eine thermische Solaranlage wäre für ihn ebenso eine Alternative wie Pellets oder Flüssiggas mit einem Tank im Garten.

"Öl wird einfach schlecht geredet", stellt Wolfgang Köberlein fest, Juniorchef der Höchstadter Firma Heizöl-Ringelmann. Er kritisiert, dass in den Medien immer wieder der Eindruck vermittelt werde, Ölheizungen würden nach 2026 generell verboten. Dem sei nicht so. Brennwerttechnik, beispielsweise gekoppelt mit einer Solartherme, sei auch darüber hinaus noch möglich.

Öl als Brennstoff sei für ihn in der Umweltbilanz nicht schädlicher als Gas. Schlimmer sei die Feinstaubbelastung durch Kamin- und Kachelöfen. Dunkle Wolken am Horizont für den Heizölhandel sieht Köberlein nicht. Im Gegenteil: Für ihn liege die Zukunft in den so genannten E-Fuels, synthetischen Kraftstoffen, die mittels Strom aus Wasser und hergestellt werden. "Die ersten Heizungsanlagen laufen damit schon", sagt Köberlein.

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