Oberreichenbach
Entscheidung

Oberreichenbach hat das Nachsehen

Ein privater Investor ersteigert das Seeland-Gelände in Oberreichenbach. Bürgermeister Hacker hätte darauf gerne Wohnungen gebaut, wurde aber überboten.
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Das 2,3 Hektar große Seeland-Fabrikgelände in Oberreichenbach ist mittlerweile von Wohnhäusern umgeben.  Fotos: Andreas Dorsch
Das 2,3 Hektar große Seeland-Fabrikgelände in Oberreichenbach ist mittlerweile von Wohnhäusern umgeben. Fotos: Andreas Dorsch
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Die am Rande des Ballungsraums Nürnberg/Erlangen in idyllischer Landschaft liegende Gemeinde Oberreichenbach ist als Wohnort überaus beliebt. "Die Nachfrage nach Grundstücken ist riesengroß", sagt Bürgermeister Klaus Hacker (FWG). Für Entspannung auf dem Oberreichenbacher Wohnungsmarkt hätte das Seeland-Areal sorgen sollen, doch diese Pläne der Gemeinde sind erst einmal geplatzt.

Am vergangenen Donnerstag wurde das 23 000 Quadratmeter große Firmengelände, auf dem eine ganze Reihe unterschiedlicher Fabrikgebäude und Lagerhallen stehen, am Amtsgericht Fürth zwangsversteigert. Bürgermeister Hacker war mit Vertretern seiner Gemeinderatsfraktionen und voller Zuversicht nach Fürth gefahren, um dann wider Erwarten eine herbe Niederlage einstecken zu müssen.

Neben den Vertretern aus Oberreichenbach war nur noch ein weiterer Bieter erschienen. Bei 985 000 Euro stieg die Gemeinde aus. Wie Amtsgericht-Pressesprecher und Richter Jürgen Wolf auf Anfrage des FT erklärte, gingen die 2,3 Hektar Firmengelände zu einem Ersteherpreis von 986 000 Euro an den Höchstbieter. Das war Florian Kesselring aus Langenzenn.

"Er kam wie Phönix aus der Asche", sagt Bürgermeister Hacker. Der Oberreichenbacher hatte ein vom Gemeinderat abgesegnetes Höchstgebot im Gepäck, das aber nicht ausreichte. Hacker: "Wir sind bis an unsere Grenzen gegangen."

Einschließlich der Grunderwerbssteuer und der Nebenkosten ist für das Areal jetzt über eine Million Euro fällig. Die Gemeinde hatte zusätzlich für den Abbruch aller Gebäude weitere 1,8 Millionen Euro einkalkuliert. "Wir hätten den Abbruch über die Städtebauförderung auch bezuschusst bekommen", sagt Hacker. Für betreutes Wohnen hatte man auch schon Pläne mit einem Investor geschmiedet.

Das alles ist jetzt erst einmal hinfällig. Das inzwischen mitten im Wohngebiet liegende und zu 80 Prozent überbaute Firmengelände bleibt wie es ist. Die Gemeinde hat das Areal mit einer Veränderungssperre belegt. "Der Ist-Stand ist eingefroren", so der Bürgermeister. Dem neuen Eigentümer sind damit die Hände gebunden.

Hacker rätselt noch, was der Geschäftsmann aus Langenzenn mit den Seeland-Gebäuden anstellen will. Florian Kesselring ist unter anderem Geschäftsführer der Firma NCC-Licht und handelt mit Leuchtmitteln. Dem FT gelang es am Montag nicht, den Unternehmer zu erreichen. "Der Ersteigerer hat sich noch nicht gemeldet", sagt auch der Oberreichenbacher Bürgermeister.

In der unmittelbaren Nachbarschaft des Firmengeländes kursiert das Gerücht, der neue Eigentümer will die Gebäude als Lager nützen. Anwohner befürchten bereits, dass dann auch wieder ein reger Lkw-Verkehr auf die Gemeinde zukommt.

Die Firma Seeland war ursprünglich eine Weberei. Die ersten Gebäude in Oberreichenbach wurden Anfang der 1950er Jahre errichtet. 1981 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, Maschinen und alles mobile Inventar wurden versteigert. In den Folgejahren nutzten verschiedene Unternehmen aus der Region die Räumlichkeiten, seit 2013 stehen sie fast komplett leer. Nur die Firma Pololo, ein Hersteller von ökologischen Kinderschuhen, hat noch einen kleinen Teil belegt.



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