So ganz sicher waren sich die Mitarbeiter von Puma nicht. Sie drückten ihre Nasen an die großen Scheiben des Hauptverwaltungsgebäude am Herzogenauracher Puma Way. "Das ist sicher nur eine Übung!" Handykameras wurden gezückt, um die gut ein Dutzend Rettungs-, Kranken- und Notarztwagen auf dem großen Platz vor dem Gebäude im Bild festzuhalten.

Doch für die Rettungskräfte war bereits bei der Alarmierung klar, hier handelt es sich um einen Notfall. Die erste Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle, ließ auf das Schlimmste schließen. "Mehrere Personen hätten sich übergeben, sie klagen über Schwindel und Übelkeit. In dem Gebäude befänden sich in unmittelbarer Umgebung 150 weitere Personen."

Unsicher, was die Kräfte erwarten würde begaben sich diese mit Mundschutz zum Einsatzort in dem so genannten Brand-Center. Einsatzleiter Thomas Heideloff wird in einer späteren Pressekonferenz erklären, dass die Lage nicht sofort klar war. "Wir haben etwa 20 Fahrzeuge am Einsatzort." Bei dieser Art der Alarmierung nicht ungewöhnlich, denn es gilt gegebenenfalls sehr schnell zu reagieren.

Der Leitende Notarzt, Albert Schiele, und der Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Erlangen-Höchstadt, Peter Lederer, begaben sich dann auf die Suche nach dem Grund für die Beschwerden der Gäste des Sportartikelherstellers.

Schiele erklärt, dass das Unternehmen zur Zeit gut 400 Gäste aus 50 Ländern zu Gast habe. "Bereits am Donnerstagabend fühlten sich Personen einer 18-köpfigen Gruppe unwohl." Diese Gruppe sei zusammen unterwegs gewesen. Am Freitagmorgen stand ein weiteres Treffen an. Die Leiterin dieser Veranstaltung sei dann sehr erschrocken, als sich innerhalb weniger Minuten bei den Anwesenden die Symptome verschlimmerten und es zu den Ausfällen kam. "Es wurde richtig reagiert", erklärte der Notarzt. "Die große Menge an Einsatzfahrzeugen musste angesichts der unklaren Lage anrücken."

Lederer erklärte, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit um den Norovirus handeln könnte, der zu dem Krankheitsbild geführt habe. "Eine genaue Diagnose kann ich erst in ein paar Tagen geben, da die biologischen Untersuchungen so lange benötigen." In Hinsicht auf eine Lebensmittelvergiftung werde ebenfalls untersucht.

Eine junge Frau - die Gäste waren im Durchschnittsalter zwischen 30 und 35 Jahren, musste in die Euro-Med-Klinik nach Fürth gebracht werden. Die weiteren 17 Betroffenen wurden zunächst unter Quarantäne gestellt.
Und noch eine gute Nachricht gab es am Abend: die firmeneigene Kantine hatte mit der Erkrankung nichts zu tun. Die Rettungskräfte bewiesen dies, indem sie am Ende des Einsatzes dort erst einmal den Hunger und Durst stillten.