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Gesundheit

Niederndorfer Schulsanitäter sind erst sieben und acht Jahre jung

Zweitklässler sind an der Cunz-Reyther-Grundschule in Niederndorf erstmals zu Schulsanitätern ausgebildet worden.
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Kurzer Blickkontakt, dann ist alles klar: Das bewusstlose Mädchen atmet noch und kann in die stabile Seitenlage gebracht werden. Filiz, Marnie und Emily bewältigen die Aufgabe mit Bravour.
Kurzer Blickkontakt, dann ist alles klar: Das bewusstlose Mädchen atmet noch und kann in die stabile Seitenlage gebracht werden. Filiz, Marnie und Emily bewältigen die Aufgabe mit Bravour.
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Die beiden Kinder sind konzentriert bei der Sache und nehmen ihre Aufgabe sehr ernst: "Was ist denn los?", fragt Johannes. "Tut's sehr weh", fügt Stefan hinzu. Ihre Schulkameradin Pia ist gestürzt und muss versorgt werden. Ein dicker Verband ums Knie, und alles ist gut. Kurz zuvor kollabiert ein anderes Mädchen: Emily liegt offenbar bewusstlos am Boden. Filiz und Marnie bringen sie in die stabile Seitenlage. Vorher haben sie ruhig bis zehn gezählt und festgestellt: "Sie atmet noch."

Jürgen Seiermann vom Arbeiter-Samariter-Bund ist angetan von so viel Ehrgeiz und Sachverstand der Zweitklässler. "Ihr macht das ganz toll", lobt er. Die Kinder handeln wie aus dem Lehrbuch. Auch als sie langsam die Sekunden zählen: Man muss die Atemzüge hören, um zu wissen, ob jemand nur bewusstlos ist oder beatmet werden muss. Keine Frage, dass die 18 Mädchen und Jungs der Klasse 2b ihre Prüfung mit Bravour bestanden. Sie dürfen sich jetzt Schulsanitäter nennen.

Premiere für Niederndorf

Es ist die erste Schulsanitäter-Ausbildung, die an der Cunz-Reyther-Grundschule in Niederndorf absolviert wurde. Insgesamt nehmen 40 Kinder aus zwei Klassen daran teil. Die eine Gruppe hat seit Oktober einmal in der Woche geübt und gelernt, 22 Schüler aus der Klasse 2a sind jetzt im zweiten Halbjahr an der Reihe. Die neue Schulleiterin Heidi Forisch hat die Ausbildung zum Schulsanitäter initiiert.

Groß drängeln musste die engagierte Pädagogin, die als Erste-Hilfe-Beauftragte im Schulamtsbezirk speziell ausgebildet worden ist, die Kinder nicht. Sie waren mit Feuereifer dabei, bescheinigt sie. Bei den wöchentlichen Stunden ebenso wie jetzt bei der Prüfung. Die beiden Klassleiterinnen Elisabeth Welker (2a) und Silvia Eder (2b) unterstützen die Ausbildung zum Juniorhelfer.

Dabei ist es keinesfalls selbstverständlich, dass Kinder bereits mit sieben und acht Jahren Schulsanitäter werden. Normalerweise, sagt die Rektorin, findet das ab etwa 14 Jahren in den weiterführenden Schulen statt. Niederndorf ist eine von nur drei Grundschulen in der Region, die Schulsanitäter hat. Und in allen Schulen war Heidi Forisch die Initiatorin. Zunächst tat sie das 2009 an der Adalbert-Stifter-Schule in Erlangen, und als sie nach Herzogenaurach an die Carl-Platz-Schule wechselte, rief sie auch dort einen Schulsanitäterdienst mit mehr als 40 Aktiven ins Leben. Das war 2016. Jetzt folgte Niederndorf.

Und in allen drei Fällen stand ihr Jürgen Seiermann als Ausbildungsleiter des ASB zur Seite. "Ohne den ASB könnten wir das gar nicht machen", sagt Forisch. Die Kinder lernten im Erste-Hilfe-Unterricht, wie man Verbände anlegt und welches Pflaster das richtige ist. Sie übten die stabile Seitenlage und lernten, wie man den Notruf tätigt und welche Angaben wichtig sind.

So ganz "nebenbei" gelingt es, wie die Rektorin berichtet, auch solche Schüler zu begeistern, die in anderen Gebieten schwächer sind oder vielleicht auch etwas lauter. "Sie haben die Möglichkeit sich zu beweisen", sagt die Ausbilderin, "sie können zeigen, was in ihnen steckt." Außerdem erlangen die Schüler bei der Ausübung ihres Dienstes "ein hohes Maß an Sozialkompetenz", wie Heidi Forisch weiterhin feststellt. Und die Kinder erhalten eine große Anerkennung bei den Lehrern und Eltern.

"Es ist normal, zu helfen"

Auch für Jürgen Seiermann ist die soziale Komponente sehr wichtig. Schon Kinder müssten erkennen, dass es normal ist, jemand zu helfen. "Das ist das oberste Ziel". Ob der Verband dann links oder rechts herum angelegt wird, sei nicht entscheidend.

Die ausgebildeten Schulsanitäter sind an ihren T-Shirts und Rucksäcken zu erkennen, die sie von den Arbeiter-Samaritern spendiert bekamen. Die Sanis werden vor allem in den Pausen eingesetzt. Und sie dürfen ihre Mitschüler auch mal ganz allein verarzten. Für ein Pflaster oder einen Verband muss man keinen Lehrer fragen.

Freilich wurden auch ernste Dinge geübt, wie der Kollaps bei der Prüfung, oder im Unterricht auch das richtige Verhalten bei einem Herzinfarkt. Wie wichtig das ist, weiß Seiermann. Am Gymnasium in Höchstadt hätten Schulsanitäter einem Lehrer geholfen, als der einen Herzinfarkt erlitten habe. Seither gebe es dort einen Defibrillator.

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