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Burghaslach
Landwirtschaft

Neue Technik: Gülle muss nicht stinken

Norbert Dietsch und Dieter Jäckel aus Burghaslach gehören zum "Agrar Service Steigerwald", der Gülle mittels einer Hightech-Maschine auf die Äcker ausbringt. Den Böden tut das gut, und die Anwohner freut es auch.
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Das Fahrzeug hat eine Arbeitsbreite von 12,30 Metern. Foto: Evi Seeger
Das Fahrzeug hat eine Arbeitsbreite von 12,30 Metern. Foto: Evi Seeger
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"Wir arbeiten in seinem sehr sensiblen Bereich", sagt Dieter Jäckel. Leicht zu erraten, was der Landwirt aus Burghaslach damit meint. Unweit der Wiese, die gerade mit Gülle gedüngt wird, grüßen die ersten Häuser der Dachsbacher Siedlung herüber. Und Nasen sind sensibel, wenngleich es in der Geruchswahrnehmung große Unterschiede gibt. "Bisher hat sich noch niemand beschwert", sagt Norbert Dietsch. Sicher wird das auch dieses Mal so sein. Denn Hightech sorgt dafür, dass beim Düngen kaum Geruch entsteht.

Die beiden Burghaslacher Vollerwerbslandwirte gehören zu einer "Maschinengemeinschaft", zu der sich acht Landwirte aus dem Steigerwald zusammengeschlossen haben. Gemeinsam haben sie die neueste Technik zur effizienten Gülleausbringung angeschafft. Das Gerät schaut aus wie eine riesige Krake, nur mit viel mehr Tentakeln.
"Gülleausbringung mit System" steht auf dem 620 PS starken Fahrzeug, das für den "Agrar Service Steigerwald" unterwegs ist. Denn die Gemeinschaft arbeitet auch für "Kunden". Nur so kann sich eine Anschaffung, die alles in allem rund 500.000 Euro kostet, amortisieren.

Gülle landet direkt im Boden

Das System ist einfach: In einem Schritt wird die Gülle ausgebracht und in den Boden eingearbeitet. "Eingeschlitzt", sagt der Fachmann, denn die Maschine reißt mit spitzen Zähnen schmale Schlitze in den Boden, die die Gülle aufnehmen. Klar, dass kaum noch etwas zu riechen ist, wenn die Brühe gleich im Erdreich verschwindet. Die beiden Landwirte haben durchaus Verständnis für die Anwohner in der Nachbarschaft: Die Bevölkerung solle nicht mehr als unbedingt nötig durch den Geruch belastet werden, finden sie.

Der eigentliche Grund für die Anschaffung war aber ein anderer: "Wir wollten den Stickstoff besser ausnutzen", sagt Jäckel. Was an der Gülle rieche, sei Ammoniumstickstoff. Den wolle man zur Düngung im Boden und nicht in der Luft haben. Als zweiten Grund nennt Jäckel die durch die moderne Technik verbesserte Schlagkraft. Arbeitskräfte in der Landwirtschaft seien knapp. Die Gülle eines Betriebes müsse an einem Tag "weggeräumt sein".
Im Steigerwald sei dieses Güllefahrzeug das erste seiner Art. Damit kein Leerlauf entsteht, wird mit mindestens zwei Jauchefässern angeliefert. Mit seiner Breite von 12,30 Metern bleibt das Fahrzeug zum Ausbringen auf der Wiese oder auf dem Feld. Mit dem Riesengerät könne man nicht ständig auf den Hof und wieder aufs Feld fahren. 16 Kubikmeter Gülle hat Jäckel hinter seinem Traktor im Fass.

Der "Holmer", so genannt nach dem Hersteller, fährt nahe an das Güllefass heran. Eine Saugpumpe schwenkt aus und sehr schnell wechselt die Brühe das Fahrzeug. Norbert Dietsch muss nur die erste Strecke eigenhändig lenken. Dann besorgt das der über GPS gesteuerte Bordcomputer für ihn. Immer genau parallel zu der ersten Strecke. Fehlstellen, die keine Gülle abbekommen, aber auch Überlappungen, an denen doppelt ausgebracht wird, werden so vermieden. Für die Bodenbearbeitung auf dem Feld gibt es die Kurzscheibenegge als weiteres Gerät.

Bestellen kann sich den Service jeder Landwirt. Im Frühjahr und Herbst sei die Auftragslage sehr gut, sagt Dietsch. Robert Schaffer aus Dachsbach hat sich dafür entschieden. Alles in allem, also mit Zubringen, Fahrer und Sprit, rechnet Schaffer mit knapp fünf Euro pro Kubikmeter Gülle. Der Service ist unter Tel. 0151/70837442 oder unter www.agrar-service-steigerwald.de zu erreichen.
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