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Beutelsdorf
Verkehr

Nach tödlichem Radunfall bei Herzogenaurach: Fall vor Erlanger Amtsgericht verhandelt

Bei einem schweren Fahrradunfall nahe des Flugplatzes ist im vergangenen Mai ein Mann tödlich verunglückt. Der 84-jährige Unfallverursacher musste sich jetzt vor dem Erlanger Amtsgericht verantworten.
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Der Zusammenstoß zwischen zwei Radfahrern in der Nähe des Herzogenauracher Flugplatzes endete im Mai 2019 für einen 28-Jährigen tödlich. Foto: Bernhard Panzer
Der Zusammenstoß zwischen zwei Radfahrern in der Nähe des Herzogenauracher Flugplatzes endete im Mai 2019 für einen 28-Jährigen tödlich. Foto: Bernhard Panzer

Es war nur ein kurzer Augenblick im vergangenen Mai, der für einen 28-Jährigen tödlich endete: Am 7. Mai 2019 sind zwei Fahrradfahrer auf dem Radweg Richtung Beutelsdorf zusammengestoßen, der parallel zur Kreisstraße verläuft. Auf Höhe des Flugplatzes fuhr der damals 83-Jährige vor dem 28-Jährigen in Richtung Beutelsdorf, teilte die Polizei in einer Erstmeldung mit.

Als der 83-jährige Herzogenauracher nach links in einen Feldweg abbiegen wollte, wollte ihn der jüngere Fahrer links überholen, es kam zum Zusammenstoß. Das Opfer erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Wenige Tage später starb der junge Mann.

Handzeichen, kein Schulterblick

In dieser Woche musste sich der heute 84-Jährige wegen fahrlässiger Tötung vor dem Erlanger Amtsgericht verantworten. "Es wäre besser gewesen, mich hätte es zerbröselt", sagt er. Vor dem Abbiegen habe er das rechtzeitig und deutlich mit der linken Hand angezeigt, sagt der Angeklagte. Wie genau, lässt ihn Richter Christian Kretschmar gleich im Saal vormachen. Weil auf dem Radweg so viele Fußgänger, Radfahrer und Jogger unterwegs gewesen seien, habe er vor dem Abbiegen nicht nach hinten schauen können.

Warum das spätere Opfer sein Handzeichen nicht gesehen habe, könne er sich aber nicht erklären. "Da ist der Flugplatz in der Nähe. Der hat vielleicht einen Flieger angeschaut." Beim Abbiegen habe er beide Hände am Lenker gehabt, ebenso habe er - im Gegensatz zum Opfer - einen Helm getragen. "Ich habe mich vorschriftsmäßig verhalten", betont der Angeklagte, der auf einem Pedelec, einem sogenannten E-Bike, unterwegs war.

Etwas anders schildert die Situation eine Zeugin, die damals zur Unfallstelle kam. Zum Unfallzeitpunkt seien keine anderen Verkehrsteilnehmer in der Nähe gewesen. "Ich habe nur die beiden gesehen." Später seien dann Ersthelfer dazugekommen.

Einspruch gegen Strafbefehl

Eine Geldstrafe von 75 Tagessätzen war für den Angeklagten im Strafbefehl vorgesehen. Der Anwalt des Angeklagten, hatte Einspruch eingelegt, es kam zum Verfahren. Richter Kretschmar gab dem Einspruch nicht statt. Es bleibt bei den 75 Tagessätzen. Die Höhe eines Tagessatzes berechnet sich nach dem Nettoeinkommen des Verurteilten. Bis zu 90 Tagessätze seien bei solchen Fällen üblich, erklärt Richter Kretschmar auf Nachfrage. Damit liege das Urteil am unteren Limit.

Anzahl der Unfälle mit Radfahrern steigt

Als Radfahrer lebt es sich gefährlich - so scheint es zumindest. "Ein echtes Problem stellt die nicht schnell genug mitwachsende Infrastruktur für den zunehmenden Radverkehr dar", sagt Laura Ganswindt, Pressesprecherin beim ADFC Bayern. Die häufigste Unfallursachen seien Kollisionen mit Kraftfahrzeugen beim Einbiegen, Kreuzen oder Abbiegen.

Um die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen, brauche es vom Kfz-Verkehr getrennte Radwege auf allen Straßen über Tempo-30 und Kreuzungen mit guten Sichtbeziehungen. An Kreuzungen vorgezogene Aufstellflächen für den Radverkehr und getrennte Grünphasen für Abbiegende und Geradeausfahrende würden die Sicherheit weiter erhöhen.

"Der verpflichtende Einbau von elektronischen Abbiegeassistenten für Lkw würde viele Abbiegeunfälle mit Radfahrern verhindern."

Ganswindt betont: Radfahrer können selbst ihre Sicherheit erhöhen, indem sie auf der richtigen Seite fahren, sich beim Abbiegen umschauen und Handzeichen geben, bei schlechter Sicht das Licht einschalten, rücksichtsvoll und angepasst fahren und immer mit den Fehlern anderer rechnen. Eine gesetzliche Regelung für eine Helmpflicht brauche es aber nicht: "Wir setzen beim Helmtragen auf Freiwilligkeit."

Das sagt die Statistik der Polizei aus

Ähnliches teilt Wolfgang Prehl, Pressesprecher am Polizeipräsidium Mittelfranken, mit: "Die Anzahl schwerer Kopfverletzungen ließe sich durch eine Helmpflicht sicherlich reduzieren." Eine sanktionierbare Helmpflicht sei jedoch nicht der Ansatz der Polizei. Viel mehr appelliere die Polizei an die Vernunft und dringende Empfehlung, einen Fahrradhelm zu tragen.

Aus der Unfallstatistik des Polizeipräsidiums geht hervor: Im Landkreis Erlangen-Höchstadt waren im Jahr 2018 bei 130 Verkehrsunfällen (Vorjahr: 138) 149 Radfahrer beteiligt (Vorjahr: 145). Kein Radfahrer wurde dabei getötet (Vorjahr: einer), 123 Radfahrer wurden verletzt (Vorjahr: 122). Von den 130 Verkehrsunfällen waren bei 79 Unfällen Radfahrer Hauptverursacher (Vorjahr: 86).

"Für das Jahr 2019 kann derzeit lediglich gesagt werden, dass eine steigende Tendenz bei den Verkehrsunfällen festzustellen war." Die Hauptunfallursachen: Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren sowie beim Ein- und Anfahren.fr

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