Gremsdorf
Unglück

Nach dem Großbrand in Gremsdorf: Nach dem Brand ist vor dem Nichts

Bei dem Hausbrand in Gremsdorf vor vier Wochen haben drei Wohnparteien ihr Zuhause verloren. Besonders schlimm traf es eine junge Mutter und deren Tochter.
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Anfang Mai hat ein Feuer in Gremsdorf ein Wohnhaus zerstört, in dem drei Wohnparteien lebten. Foto: Andreas Dorsch/Archiv
Anfang Mai hat ein Feuer in Gremsdorf ein Wohnhaus zerstört, in dem drei Wohnparteien lebten. Foto: Andreas Dorsch/Archiv
Manuela Schmitt (Name von der Redaktion geändert) erinnert sich noch genau an den Moment, in dem sie ihrer siebenjährigen Tochter erzählen musste, dass ihr Zuhause abgebrannt ist. Das Kinderzimmer, die geliebten Kuscheltiere, das vertraute Bett - alles verbrannt. "Die erste Nacht war schlimm. Sie hat nur geweint", erzählt die 31-Jährige, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte.
Bei dem großen Hausbrand Anfang Mai haben Schmitt und ihre Tochter ihre Drei-Zimmer-Wohnung verloren. Drei Mietparteien haben in dem Haus in Gremsdorf gewohnt.

Das Feuer war in der Nacht zum Samstag in einem Carport ausgebrochen und hatte auf den Dachstuhl des angrenzenden Hauses übergegriffen. Zufällig hatte ein Passant die Flammen bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Drei Bewohner und ein Passant wurden verletzt. Die Brandursache stehe noch nicht fest, berichtet die Kriminalpolizei auf Nachfrage. Man ermittle in alle Richtungen.


In der Brandnacht nicht zuhause

Als es brannte war Schmitt nicht in der Wohnung, sie verbrachte den Abend bei ihrem Lebensgefährten. Die siebenjährige Tochter war übers Wochenende bei ihrem Vater. Durch Arbeitskollegen hat Schmitt früh gegen halb sieben von dem Brand erfahren. Ein Schockmoment für die Frau.

Als sie am Samstagmorgen zu ihrer Wohnung kam, erwartete sie ein Bild des Schreckens. Die Löscharbeiten waren bereits beendet. Als sie die Ruinen ihrer Wohnung sieht, ist die Frau fassungslos. "Wir haben alles verloren. Alles ist weg. Wir sind obdachlos", sind die ersten Gedanken, die der 31-Jährigen durch den Kopf gehen.

Schmitt ist sich sicher, dass ihre Tochter jetzt nicht mehr leben würde, wenn sie in der Brandnacht zuhause gewesen wären. Das Kinderzimmer grenzt an den Carport, in dem der Brand ausgebrochen ist. Ihre Wohnung im Erdgeschoss hat es am schlimmsten getroffen. Die Rollladen sind geschmolzen, vom Rest steht nur noch eine Ruine. "Die komplette Wohnung ist schwarz", sagt sie bedrückt.

Wie hoch der entstandene Schaden für die Familie tatsächlich ist, weiß die 31-Jährige noch nicht. "Ich schreibe im Moment noch alles zusammen", sagt sie. In welchem Umfang ihre Hausrat-Versicherung den Schaden übernimmt, darauf wartet Schmitt noch. Brandmelder seien in der Wohnung nicht angebracht gewesen. Nach dem Brand gebe es wenig Kontakt zwischen dem Vermieter und den anderen Wohnparteien, erklärt Schmitt.


Erinnerungen sind verbrannt

Der materielle Schaden, der entstanden ist, ist schlimm - schlimmer sind die Erinnerungsstücke, die verbrannt sind: Baby-Bilder, Kindheitserinnerungen, Fotoalben. Retten konnte Schmitt aus der Wohnung nichts mehr. Ihren Geldbeutel mit Ausweis hatte sie in der Brandnacht bei sich, zumindest um dieses Dokument muss sie sich nicht kümmern. "Aber das war es dann auch schon", sagt die Verkäuferin.

Eine Verwandte aus Baden (Baden-Württemberg) hat in einer Höchstadter Facebook-Gruppe einen Spendenaufruf gestartet. Das Deutsche-Rote-Kreuz (DRK) in Baden habe Kleidung und Spielsachen gesammelt, berichtet Gremsdorfs Bürgermeister Norbert Walter (Bürgerblock Gremsdorf). Die Sammlung sollte nun zu einem hiesigen BRK transportiert werden. Allerdings gebe es ein Platzproblem, das BRK könne die Sachen nicht zwischenlagern.

Vom Kindergarten Gremsdorf und von Verwandten haben Schmitt und ihre Tochter Sachspenden bekommen. Am wichtigsten ist für die Familie jetzt eine neue Wohnung zu finden. Deshalb hat sich die Mutter an den Bürgermeister gewandt. Die Gemeinde möchte natürlich gerne helfen, aber: "Wir haben einfach keine freien Wohnungen", sagt Walter auf Nachfrage.


Wie geht es mit dem Haus weiter?

Schmitt möchte gerne weiterhin in Gremsdorf oder im Landkreis wohnen. Wie es mit dem abgebrannten Haus weiter geht, darüber weiß sie nichts. Angeblich soll das Haus saniert werden, wie Schmitt von Einheimischen gehört hat. Ob sie jemals zurück in ihre alte Wohnung ziehen wird, weiß sie noch nicht. Zu frisch sind die Erinnerungen an das verkohlte Zimmer. "Ich weiß nicht, ob ich das von der Psyche her kann", sagt sie.
Dass das Haus saniert werden soll bestätigt auch Agnes Ruß, die Vermieterin des Hauses. "Das Haus wird wieder bewohnbar gemacht", sagt sie. Abreißen wäre die schlechteste Lösung, so laute die Meinung von Brandexperten. Noch sei man in dem Haus am Ausräumen.

Wer hat eine Wohnung?
Hilfe Die junge Frau und ihre Tochter sind dringend auf der der Suche nach einer Wohnung. Wer eine freie Drei-Zimmer-Wohnung hat oder Kontakte zu Vermietern besitzt, kann sich über die E-Mail Adresse brandopfer-gremsdorf@gmx.de direkt an die Familie wenden. fr
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