Höchstadt a. d. Aisch
Konzert

Musikalische Landschaften im Gewölbe

Eine Combo um den Vibraphonisten Martin Fabricius eröffnete die diesjährige Jazz!3-Reihe im Höchstadter Schloss.
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Perfektes Zusammenspiel: Martin Fabricius am Vibraphon, Bassist Andreas Markus und Gitarrist Neff Irizcerry Rudolf Görtler
Perfektes Zusammenspiel: Martin Fabricius am Vibraphon, Bassist Andreas Markus und Gitarrist Neff Irizcerry Rudolf Görtler
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Diese Dänen. Zuerst werfen sie sich scheinbar mühelos ins Finale der Handball-WM, und dann werden sie ebenso cool mit allerlei Reise-Fährnissen fertig. Nun, natürlich nicht dieselben Dänen. Am Freitagabend kurz vor acht tauchten nicht Ball-, sondern Tonkünstler vor dem Schloss auf. Gerade rechtzeitig vor Beginn des Konzerts mit Martin Fabricius und seiner Band. Ein gravierender Schaden am Leih-Kleinbus hatte sie stundenlang aufgehalten. Kein Grund zur Panik für die Fünf. Cool bauten sie zunächst Instrumente und Equipment auf, stärkten sich unaufgeregt mit Pizza und lieferten dann einen hervorragenden Auftritt ab.

Zwei Special Guests

Dabei hatte Ariane Ranger, deren Jazz!3-Reihe nun schon ins achte Jahr geht, eigentlich nur drei Musiker engagiert. Doch der Vibraphonist Martin Fabricius brachte außer seinem Bassisten Andreas Markus und dem Schlagzeuger Jacob Hatholt auch noch zwei Special Guests mit: den Mundharmonikaspieler Mathias Heise und den Gitarristen Neff Irizcerry. Alles Dänen trotz der deutsch klingenden Namen - bis auf Irizcerry, US-Amerikaner mit puerto-ricanischen Wurzeln. Und bei den allermeisten der 16 Stücke spielte die Gruppe auch in Fünferbesetzung.

Es wurde ein eher elegischer Abend mit durchaus heftigeren Einschüben. Dem Vibraphon - im Jazz durch Stars wie Lionel Hampton oder den Deutschen Gunther Hampel populär geworden - haftet zu Unrecht das Image des kalten, etwas seelenlosen Klangs an. Ganz falsch! Das zeigte der am Berklee College of Music (so wie Gitarrist Irizcerry) ausgebildete Fabricius gleich zu Beginn mit dem Titel "Ascension Day" (Christi Himmelfahrt), in dem er die Röhren mit den Klöppeln sanft streichelte, Glissandi erzeugte und durch den gestrichenen Bass Markus" melancholische Moll-Stimmungen erzeugte. Das gab den Grundton des gesamten Konzerts vor. Der Däne ist kein Brachial-Musiker, manchmal (in "Tak 4", tak für danke) tendierte seine Musik gar zum Easy Listening, noch unterstrichen durch die wehenden Töne der chromatischen Mundharmonika Mathias Heises und die eher diskreten Einsprengsel des Gitarristen.

Erst die Musik, dann die Story

Doch das waren Einzelfälle. Meist wurde die Melancholie konterkariert durch eine solide Rhythmik, durchaus nahe dem Rockjazz wie in "When Sharks Bite" von der ersten der mittlerweile drei CDs des Trios. Dazu erzählte der sympathische Bandleader eine lustige Geschichte, wobei er gestand, dass zuerst die Musik da war, dann ihm erst die Story dazu eingefallen sei. Wie er überhaupt zu jedem Stück eine launige Einführung präsentierte; oft lässt er sich offenbar von Landschaften und Reiseeindrücken inspirieren; nicht umsonst hat er einen Abschluss in Filmkomposition. Mit seiner Musik will er Menschen jeder Herkunft verbinden, wie im afrikanisch angehauchten "Spirit Song". "Spanish Winter" wiederum beginnt mit einem typischen Salsa-Motiv, gibt Mitspielern wie dem Mundharmonika-Meister Heise, aber auch seinem Bassisten genügend Raum zu glänzen und endet mit einem Schlagzeugsolo. Also - sie können auch schneller und wuchtiger.

Ob so oder so: Dem Publikum im fast überfüllten Schlossgewölbe gefielen die coolen Dänen. Über 70 Abonnements ihrer Jazz-Reihe hat Ariane Ranger gesammelt. Es ist ihr und den Höchstadtern zu wünschen, dass die für eine Kleinstadt ganz erstaunliche Konzertserie noch lange fortgeführt werden kann.

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