Lonnerstadt
Mobilität

Modernes Trampen mit Zielvorgabe

Die Lonnerstadter Freien Wähler stellen in Höchstadt, Sterpersdorf und Ailsbach Mitfahrbänke auf und hoffen auf Zuspruch.
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Die Lonnerstadter Gerrit Hoppe, Friedhelm Burgheim und Jens Loeser (von links) vom gemeindlichen Bauhof installierten gestern die erste Mitfahrbank in der Höchstadter Bahnhofstraße. Wer mitgenommen werden möchte, muss nur den Zielort aufklappen und warten.  Foto: Andreas Dorsch
Die Lonnerstadter Gerrit Hoppe, Friedhelm Burgheim und Jens Loeser (von links) vom gemeindlichen Bauhof installierten gestern die erste Mitfahrbank in der Höchstadter Bahnhofstraße. Wer mitgenommen werden möchte, muss nur den Zielort aufklappen und warten. Foto: Andreas Dorsch

Wer heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Höchstadt nach Erlangen fahren möchte, kann zu Stoßzeiten alle Viertelstunde in einen Bus einsteigen. Wer aber von Höchstadt weiter nach Lonnerstadt, Sterpersdorf oder Ailsbach muss, stößt bei den öffentlichen Linien schnell an Grenzen.

Eine Initiative der Freien Wähler Lonnerstadt und Ailsbach will da jetzt Abhilfe schaffen: Mitfahrbänke sollen die Mobilität von Menschen erhöhen, denen in den kleineren Orten kein eigenes Auto zur Verfügung steht.

Die Initiatoren haben dabei in erster Linie Senioren und Jugendliche im Blick, die beispielsweise zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Weiterfahrt mit dem Bus nach Höchstadt möchten. Die beiden Freien Wähler Friedhelm Burgheim und Gerrit Hoppe installierten am Freitag mit Unterstützung von Jens Loeser vom Lonnerstadter Bauhof die ersten Mitfahrbänke in Höchstadt.

Eine Bank steht jetzt neben der ÖPNV-Haltestelle Bahnhof in Höchstadt-Süd, eine zweite in der Rothenburger Straße auf Höhe Dänisches Bettenlager. In Lonnerstadt wird die Mitfahrbank an der Bushaltestelle in der Hauptstraße aufgestellt, in Ailsbach eine am Ortsausgang und auch Sterpersdorf bekommt eine solche Bank.

Früher hieß es Trampen. Da standen Menschen an der Straße, hielten den Daumen raus und hofften, von einem Autofahrer mitgenommen zu werden. Profis hatten noch Pappschilder in der Hand, auf denen das Ziel stand. Die Mitfahrbänke, die sich in vielen Orten schon bewähren, sind nichts anderes - nur deutlich bequemer. Die Lonnerstadter Initiative hat dank der Unterstützung des Metallbauers Claudio Gallo neben jeder Bank einen Metallständer installiert, an dem Schilder für die Zielorte hängen. Wer mitgenommen werden möchte, braucht nur seinen Wunschziel aufzuklappen und sich auf die Bank zu setzen. Dann heißt es nur noch warten, bis ein Autofahrer anhält.

Walter Zwingel und Friedhelm Burgheim hatten ursprünglich die Idee, dieses flexible Mobilitätsangebot für nicht mobile Bürger auch in Lonnerstadt einzuführen. Unterstützt wurden sie dabei von Zweiter Bürgermeisterin Regina Bruckmann (FW). Der Wunsch der Stadt Höchstadt, auch deren Ortsteil Sterpersdorf mit aufzunehmen, wurde erfüllt.

Regina Bruckmann und der von Bürgermeister Stefan Himpel (FW) beauftragte Gemeinderat Gerrit Hoppe sind überzeugt, dass es meist nicht lange dauern wird, bis jemand kommt, der die "Tramper" kennt und mitnimmt, oder der auch mal einem Fremden einen Gefallen tun will. "Nächste Woche wollen wir mal testen, wie lange man sitzt", kündigt Burgheim an.

Rechtlich abgesichert

Wer als Autofahrer einen Tramper mitnimmt, muss im Falle eines Unfalls übrigens ebenso wenig rechtliche Konsequenzen fürchten wie der Fahrgast. Wie Karin Benning, Sprecherin des Versicherungsunternehmens HUK-Coburg, in einer Pressemitteilung zum Thema Mitfahrbänke verlauten lässt, sind eventuelle Schadenersatzansprüche des Trampers gegen den Fahrer über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers gedeckt. Einer gelegentlichen Mitnahme Fremder stehe laut der HUK-Sprecherin nichts im Wege.

Jetzt muss für die Lonnerstadter Initiative nur noch kräftig geworben werden.



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