Horbach
Abenteuer

Mittelfränkin reist in 365 Tagen um die Welt

Die gebürtige Horbacherin Lisa Kachler hat in einem Jahr 22 Länder bereist und dabei von knisternden Gletschern bis zu übervollen "chicken busses" viel gesehen. Besonders beeindruckt haben sie die Menschen in Indien.
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Die riesigen Iguazu-Wasserfälle an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien beeindruckten Lisa Kachler. Foto: privat
Die riesigen Iguazu-Wasserfälle an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien beeindruckten Lisa Kachler. Foto: privat
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"Das Stärkste war, dass ich aus einem Rucksack leben kann", sagt Lisa Kachler. Auf die fünf Shampoos, die bei ihr früher im Bad standen, kann die 37-Jährige, die in Bamberg Russistik studiert hat, inzwischen verzichten. Die im Wachenrother Ortsteil Horbach aufgewachsene Tochter von Franz und Bärbel Kachler hat die Welt umrundet. Zwar nicht in 80 Tagen wie in Jules Vernes berühmtem Buch, sondern in exakt 365 Tagen.

Dabei hat sie 22 Länder gesehen. Auf eigene Faust, ohne festen Zeitplan und ohne im Voraus zu buchen. "Ja, die Reise war ein Traum, aber ich habe nicht darauf hingearbeitet", sagt die junge Frau, als sie bei ihren Eltern zu Besuch ist. Es habe sich so ergeben. Die in Hamburg lebende Horbacherin hatte ihren Marketingjob in der Lebensmittelindustrie gekündigt und wollte die Pause bis zu etwas Neuem nutzen.

"Geld hatte ich auf dem Konto, so dass ich mir das leisten konnte." Etwa 20 000 Euro dürfte die Reise gekostet haben. Man könne es aber auch für weniger Geld machen. Übernachtet hat sie in Hostels, mitunter auch in privaten Unterkünften. Lisas Reisegepäck bestand aus einem großen und einem kleinen Rucksack. Wichtigste Utensilien waren ein Taschenmesser und - ihr eigener Schäler. Obst mit der Schale zu essen, gehe überhaupt nicht. Warme Kleidung hatte die Reisende nicht im Rucksack: "Ich habe mir die Länder so ausgesucht, dass immer Sommer war."

Als Single fuhr Lisa los. Nach Horbach kam sie mit Christian an der Seite. Er ist in Peru geboren und lebt in Kanada. Christian habe schon mehr als 80 Länder bereist. Die beiden trafen sich in Japan. Aber nach zwei Tagen trennten sich ihre Reisewege. Erst vier Monate später sahen sie sich in Neuseeland wieder.

Ohne einen Flieger zu nehmen, kam Lisa bis nach Tokio. Mit der Fähre schiffte sie von Lübeck nach Sankt Petersburg. Von dort führte ihr Weg mit der transsibirischen Eisenbahn vier Wochen quer durch Russland bis nach Wladiwostok. Dann wieder per Schiff nach Südkorea und Japan. Drei Wochen Japan - "das war beeindruckend", erzählt sie. Aber auch teuer!


Silvester im Flugzeug

In Tokio habe sie ihren ersten Flug gebucht - nach Hongkong. "Ich habe nie im Leben einen Ort gesehen, an dem es so wenig Platz gibt." Die Stadt sei laut, mit schlechter Luft, "aber es ist echt was los". Der nächste Flug ging nach Indonesien. In acht Wochen habe sie 24 Inseln "und die schönsten Strände" gesehen. Das Naturerlebnis sei faszinierend. Es folgten Malaysia und dann Indien, wo die junge Deutsche sieben Wochen blieb. Weihnachten und Silvester fanden im Flieger statt.

Am 1. Januar 2018 traf sie in Auckland/Neuseeland ein. Nach all den anderen Ländern war Neuseeland für sie "eine Zäsur". "Alles ruhig und geordnet, wie bei uns", stellte Lisa bei ihrer Tour vom Norden bis Süden per Mietwagen fest. Dafür habe Neuseeland eine faszinierende Natur zu bieten.

Wieder wurde ein Flug gebucht: Nach Südamerika. In Buenos Aires leistete sich Lisa, die bis dahin kein Wort Spanisch sprach, einen Sprachkurs. Dann steuerte sie "das Ende der Welt", Patagonien, den südlichsten Zipfel Südamerikas an. Sich bewegende, knisternde Gletscher, Delfine, atemberaubende Naturerlebnisse - Lisa war von den Eindrücken begeistert.


Mit dem Bus über die Anden

Von Santiago de Chile, wohin sie der Flieger brachte, ging es mit dem Bus über die Anden nach Argentinien. In Mendoza probierte sie den berühmten argentinischen Wein. Stark beeindruckt hat sie das Naturschauspiel der riesigen Iguazu-Wasserfälle an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Über den Fluss ging es mit der Fähre nach Paraguay und weiter mit dem Bus nach Bolivien. In der auf 3600 Metern liegenden Hauptstadt La Paz spürte sie, was "dünne Luft" ist.

Die Strecke nach Bogota in Kolumbien legte die Weltreisende wieder mit dem Flugzeug zurück. Drei Wochen blieb sie in Kolumbien, "das touristisch sehr auf dem Vormarsch ist". Dort traf sie nicht nur Christian wieder, sondern auch eine schon aus Bamberg bekannte Figur des Künstlers Botero.
Zentralamerika mit Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador waren ihre nächsten Stationen. Sie fuhr mit öffentlichen Bussen, auch "Chicken busses" genannt, weil damit von Menschen bis zu Hühnern alles transportiert wird. Als letztes Ziel hängte sie noch Kuba an und war verblüfft: "Dass es das auf der Welt noch gibt. Voll das alte sozialistische System!" Von Havanna aus ging es zurück nach Frankfurt.

"Es ist schön, wieder in meiner Welt zu sein", zieht Lisa Fazit. Ja, die Reise habe sie verändert. "Der Drang, neue Klamotten zu kaufen", sei nicht mehr da. "Man lernt, dass man den ganzen Schnickschnack nicht braucht." Die Frage, nach den schönsten Plätzen ist für sie kaum zu beantworten. Am stärksten berührt hätten sie Indien und seine Menschen. "Die besitzen so wenig und sind trotzdem so freundlich und entgegenkommend." Freundliche Menschen hat sie überall auf der Welt getroffen. Eine alte Dame in Sankt Petersburg zum Beispiel, von der sie ins Ballett eingeladen wurde. Oder ein Paar in Singapur, das sie aufnahm wie die eigene Tochter.


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