Etzelskirchen

Mit Wohnungen Pflegekräfte gewinnen

Der BRK-Kreisverband Erlangen-Höchstadt baut in der Nachbarschaft seiner Einrichtung in Etzelskirchen.
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BRK-Kreisvorsitzender Stefan Müller (rechts) begrüßte zum Spatenstich Adam Hofmann von der Baufirma, BRK-Kreisgeschäftsführerin Beate Ulonska, ihren Stellvertreter Jan Pyschny, Architekt Stefan Quandt und Bürgermeister Gerald Brehm (von links).  Foto: Andreas Dorsch
BRK-Kreisvorsitzender Stefan Müller (rechts) begrüßte zum Spatenstich Adam Hofmann von der Baufirma, BRK-Kreisgeschäftsführerin Beate Ulonska, ihren Stellvertreter Jan Pyschny, Architekt Stefan Quandt und Bürgermeister Gerald Brehm (von links). Foto: Andreas Dorsch
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Es soll bei einem Feierabendgespräch gewesen sein, als die BRK-Kreisgeschäftsführerin Beate Ulonska auf die Idee kam, mit dem Bau von eigenen Wohnungen den Pflegeberuf im Etzelskirchener BRK-Altenheim attraktiver zu machen. Und es habe nicht viel Überzeugungskraft gebraucht, um den Vorstand auf ihre Seite zu bringen, sagte am Freitag Stefan Müller, Vorsitzender des BRK-Kreisverbands Erlangen-Höchstadt und CSU-Bundestagsabgeordneter.

Müller und das BRK hatten zu einem "besonderen Spatenstich" ins Neubaugebiet nach Etzelskirchen geladen. Der Vorsitzende sah sich auf der Baustelle allerdings schon "in der Phase zwischen Baubeginn und Richtfest", hatte der Keller doch bereits Formen angenommen.

60 bis 90 Quadratmeter

2,3 Millionen Euro investiert das BRK hier in ein Gebäude, in dem zehn Wohnungen entstehen, teilte Architekt Stefan Quandt mit. Die einzelnen Wohnungen werden 60 bis 90 Quadratmeter groß.

"Sie sind ein einzigartiger Beitrag, um unseren Bedarf an Pflegekräften zu sichern", sagte Stefan Müller. Fachkräfte zu gewinnen sei besonders im personalintensiven Pflegebereich die Herausforderung. Fachkräftemangel habe man auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Junge Leute würden weniger, die älteren, die gepflegt werden müssen, mehr. Bezahlbarer Wohnraum sei ein wesentlicher Faktor, um Personal im Pflegebereich zu bekommen. Vor diesem Hintergrund habe man das Projekt angepackt.

Schnell und unbürokratisch

Müller bedankte sich besonders bei der Stadt Höchstadt und Bürgermeister Gerald Brehm (JL) für den Grundstücksverkauf und die außerordentlich schnellen, effizienten und unbürokratischen Antrags- und Genehmigungsprozesse. Seit der ersten Idee Anfang April sei man damit in Höchstadt auf große Unterstützung gestoßen.

Um ein sicheres Fundament zu schaffen, mussten 574 drei- bis sechs Meter tiefe Stabilisierungssäulen im Boden versenkt werden. Im kommenden Herbst soll das Wohnheim fertig sein, im Oktober die ersten Pflegekräfte einziehen.

Als das BRK mit seinem Ansinnen kam, habe man unverzüglich gehandelt, sagte Höchstadts Bürgermeister Brehm. Im Genehmigungsfreistellungsverfahren sei das Projekt durchgegangen. Brehm lobte aus Höchstadter Sicht die "wunderbare Zusammenarbeit mit dem BRK".

Kreisgeschäftsführerin Ulonska freut sich jetzt schon auf die neuen Möglichkeiten, Personal in der Nachbarschaft des Heimes unterbringen zu können. Schließlich brauche man dieses an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden.

Vitanas sichtet Wohnungen

Dass das Angebot von Wohnraum in der Nähe der Arbeitsstätte beim Werben um Pflegekräfte ein gutes Argument ist, weiß längst auch Johanna Auerbeck, Leiterin des Vitanas-Seniorenzentrums in der Höchstadter Innenstadt. "Wir sind schon dabei, Wohnungen zu sichten", verriet sie dem FT auf Anfrage.

Selbst bauen möchte man im Gegensatz zum BRK bei dem privaten Träger Vitanas aber nicht. Auerbeck will Wohnungen mieten. Auch für sie ist es schwierig, Pflegepersonal zu finden, "obwohl die Gehälter schon deutlich angehoben wurden". Auch mit Sachen wie einer 2000-Euro-Willkommensprämie habe man es probiert, sagt Auerbeck.

Uniklinik hat 385 Wohnheimplätze

Am Uniklinikum Erlangen kennt man das Problem der Altenheime schon lange. Um für Pflegepersonal attraktiver zu werden, habe man bereits in den 1960er Jahren eigene Wohnheime errichtet und Wohnungen angemietet, sagt Uniklinik-Pressesprecher Johannes Eissing. Aktuell verfüge man über 385 Wohnheimplätze, wobei aber weitere schon in Bau sind. Je nach Ausstattung und Qualität der Unterkunft zahlen die Mitarbeiter zwischen acht und knapp zwölf Euro Miete pro Quadratmeter. Genutzt werden diese Wohnheimplätze laut Pressesprecher Eissing von Mitarbeitern, deren Wohnsitz in der Regel weiter als 50 Kilometer entfernt liegt.

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