Herzogenaurach
Fällarbeiten

Mit Seilen und Sägen im Baum

Baumkletterer Heinz Draxler hilft gern in Herzogenaurach. Jetzt stand die Beseitigung zweier Laubbäume am Schloss mit der "Seilklettertechnik" an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Baumkletterer Heinz Draxler bei der Arbeit in Herzogenaurach Fotos: Bernhard Panzer.
Baumkletterer Heinz Draxler bei der Arbeit in Herzogenaurach Fotos: Bernhard Panzer.
+10 Bilder
"Heinrich", so ruft es hoch droben aus der Krone der Esche am nördlichen Eingang zum Schlosshof. Zwölf Meter hoch dürfte der Laubbaum sein, auf etwa zwei Dritteln hat sich ein Kletterer mit Seilen befestigt. Von seinem Gürtel baumelt diverses Gerät, vor allem Sägen. "Heinrich", ruft der Mann, "heute gibt's aber Hitzezuschlag."
Für den Baumkletterer Heinz Draxler ist der Einsatz in Herzogenaurach am Freitagvormittag kein besonderer. Er hatte den Auftrag, zwei Laubbäume zu fällen. Oder besser: sie von der Spitze her abzutragen. Denn bei kleineren Bäumen macht der selbständig agierende "Experte für Problemfällungen" von der Seilklettertechnik Gebrauch.


Zweite berufliche Heimat

Der 56-Jährige arbeitet immer wieder mal für die Herzogenauracher Firma Zollhöfer. Die hat den Auftrag, die beiden Bäume zu beseitigen, auch direkt von der Stadt bekommen. Deshalb ist auch der Chef kurz vor Ort. Er sieht sich um, ob alles passt. Und den geforderten Hitzezuschlag des Mannes aus Zwiesel im bayerischen Wald segnet er kopfnickend und schmunzelnd von unten ab. Draxler hatte sich nach Feierabend ein gemeinsames "Flascherl Wein auf'd Nacht" gewünscht.
Der gelernte Forstwirt hat sich inzwischen auf besondere Baumfällungen spezialisiert. Und wird von den Herzogenaurachern gern eingesetzt, weil er "zuverlässig, schnell und unkompliziert arbeitet", wie Zollhöfer berichtet. Das geschieht oft, nicht nur für den Pflasterer. Draxler kennt inzwischen den Dohnwald und die Herzo Base. Und er hat schon geholfen, im Biergarten vom Bistro Kreis'l eine riesige Weide zu entfernen; damals kam ein Autokran zum Einsatz, erinnert er sich.
Er kenne sich in Herzogenaurach schon besser aus als in der Heimat, schmunzelt der Bayerwäldler. Und verrät auch den Grund. Denn vor 27 Jahren habe er gemeinsam mit Walter Nussel aus Burgstall, dem jetzigen Landtagsabgeordneten, die Prüfung zum Forstwirt gemacht. Und so entstanden auch Kontakte zu Franken. Nussel kennt hier schließlich eine Menge Leute. Über ihn sei auch der Kontakt zu Zollhöfer zustande gekommen, wie der Betriebschef sagt.
Wie aber kommt eine Firma, die als Fachbetrieb für Pflastereien und Straßenbau eher das Bodenständige bearbeitet und sich weniger in luftigen Höhen bewegt, zum Auftrag, Bäume zu fällen? "Die Stadt hat uns gefragt", sagt Zollhöfer. Weil er nämlich zurzeit für die Archäologen tätig ist, die rund ums Schloss graben und dabei auch Hilfe benötigen. Und weil eine Pflasterfirma auch mal einen Baum fällen lassen muss, suchte man sich einst Draxler als Mitarbeiter. Und so konnte er jetzt auch mit einem deutlichen Ja auf die Frage antworten: "Könnt Ihr das machen?"
Während Heiner unten am Boden erklärt, gibt's droben auf dem Baum schon wieder Anweisungen. "Position eingenommen", ruft Heinz den Zollhöfer-Mitarbeitern zu und fordert sie auf, das Seil stramm zu halten: "Seid Ihr fertig?"
Schnell sind die beiden Bäume abgetragen, Probleme gab's keine, auch wenn man immer ein wachsames Auge auf Passanten haben musste, die die Sperrungen schon mal ignorieren wollten. Nach getaner Arbeit kommt der 56-Jährige, durchgeschwitzt aber zufrieden, ins Schwärmen. Im Nationalpark in seiner Heimat, so sagt er, darf er die Baumriesen hinauf klettern und auf 35 Metern Höhe sägen. Höhenangst hat er natürlich keine. Jetzt versteht man, weshalb aus seinem Mund schon die Berufsbezeichnung "Forstwirt, spezialisiert auf Problemfällungen" spannend klingt.
Von der Spannung gepackt ist unterdessen auch Heiner Zollhöfer. Er gerät mit einem Seitenblick auf Marco Goldhausen, den Archäologen, den er unterstützt, schon fast ins Schwärmen. Erst habe er nicht verstanden, was die denn da tun. "Das feine Gekratze an den einzelnen Steinen", so Zollhöfer, kannte er bislang eher nicht. Denn "bei uns muss es schnell vorangehen". Aber dann wurde der Heiner fast zum Fan. Letztlich ist es ja auch spannend, was aus dem Mittelalter da so ans Tageslicht gefördert wird.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren