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Obermembach
Gastronomie

Mit "Memba" geht eine Idylle verloren

Das Gasthaus in Obermembach hat seinen regelmäßigen Betrieb eingestellt. Der Biergarten wird nicht mehr bewirtschaftet.
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Peter Hildel sinniert ein letztes Mal bei einem Bier in Obermembach.
Peter Hildel sinniert ein letztes Mal bei einem Bier in Obermembach.
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Viele Gäste werden es schmerzlich vermissen, das Gasthaus in Obermembach. Vor allem die Herzogenauracher und hier vor allem die "Hernbicher" um den Hirtenbuck und die Bamberger Straße. Nach dem gestrigen Sonntag reduziert das Gasthaus seine Öffnungszeiten, der allseits beliebte Biergarten kann dadurch nicht mehr genutzt werden. Weithin bekannt ist es unter der Bezeichnung "Waldkrankenhaus", offiziell heißt es "Jägersruh".

Das sonnige Wetter Ende März verschaffte dem Biergarten am Weiher noch mal einen großen Andrang. Viele nutzten die Zeit, um sich nochmals dort mit Freunden zu treffen, sich vielleicht auch von einer liebgewordenen Anlaufstelle zu verabschieden.

Erwin "Heiner" Ploner wird Obermembach schmerzlich vermissen. Seit seinem 16. Lebensjahr, also nunmehr seit 62 Jahren, war Obermembach quasi seine zweite Heimat. "Für die Hernbicher war Memba ihr Ein und Alles!", stellt er im Rückblick fest. Als Posterer hatte er einen frühen Dienstbeginn, dafür aber am Nachmittag frei und konnte dadurch zwei bis drei Mal durch den Wald dorthin laufen. So hatten verschiedene Fußballvereine dort ihr Stammlokal, wie er sich erinnert.

Der Name Waldkrankenhaus

Auch die Titulierung "Waldkrankenhaus" wurde am Hirtenbuck kreiert. In den 1920er Jahren befanden sich zwei Herzogenauracher im Krankenstand. Um sich von ihrer Krankheit auszukurieren, waren sie nach Obermembach ins "Waldkrankenhaus" gelaufen. Während sie dort so saßen, kam ein städtisch gekleideter Mann mit seinem Motorrad dorthin und setzte sich zu ihnen an den Tisch. Da er nach eigener Aussage zwei Stunden Zeit hatte, fragte er die zwei, ob sie mit ihm eine Runde karteln würden. Die zwei willigten ein und als die Zeit vorüber war, sagte er, dass er Krankenkassenkontrolleur sei und er in Herzogenaurach noch zwei Krankgeschriebene überprüfen müsse. Den Weg könne er sich sparen, meinten die zwei nur, er könne sie gleich hier überprüfen.

Loblied

Eine Lobeshymne auf Obermembach haben Andreas "Andy" Kraus und Erwin "Heiner" Ploner vor Jahren zusammengestellt.

Ned weid vo Herziaura, im Wald so middndrin,

lichd is glaane Obermemba, do gehn mir gerne hin.

Sieben Häuser und sieben Städel, a Werdshaus a dabei,

bei unsern Gumbrechts Reser, da kehrn wir gerne ei.

Und als Refrain:

A Waldläufer, der musd du sei,

sunsd derfsd du ned nach Memba nei!

Ploner gerät bei seiner Rückschau ins Schwärmen: "Obermembach hat eine so schöne Lage mit den Weihern und dem Wald, das ist ein Traum!" Das war natürlich der Grund für die vielen Besucher, die aber nicht mehr wie die Hernbicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin kamen, vielmehr ihr Auto an der Straße entlang parkten, um den Biergarten zu frequentieren. Dadurch ging es in Obermembach natürlich nicht mehr so familiär zu, wie in seiner Jugendzeit. Ploner hegt die Hoffnung, dass es in einiger Zeit wieder möglich ist, den Biergarten in kleinem Rahmen zu nutzen, wenn sich dieser Andrang von Besuchern, die mit dem Auto kommen, verlaufen hat.

Schon als Kind kam Peter Hildel, aufgewachsen am "Plätzla" in Herzogenaurach, dem Zusammenstoß der Hinteren Gasse mit der Bamberger Straße, nach Obermembach. Natürlich zu Fuß mit dem Vater, sie kehrten damals noch in der alten Gastwirtschaft ein. Seit seinem Ruhestand vor 15 Monaten wanderte er gerne am Donnerstag und am Samstag dorthin.

Im Vergleich zu seiner Jugendzeit sind die Herzogenauracher inzwischen in der Minderheit. Das Publikum kommt in großer Zahl mit dem Automobil dorthin, konnte er beobachten. Der Platz auf der Wiese glich schon fast Wallensteins Heerlager.

Gesprächsthema in der Stadt

Als durchsickerte, dass Obermembach seine Öffnungszeiten stark reduziert, war es allgemeines Gesprächsthema im "Schdeedla". Ob beim Einkaufen oder auf der Straße, jeder war schockiert und äußerte seine Überlegungen dazu. Seitdem klar ist, dass es Realität ist, wird überall die Frage diskutiert, was nach Obermembach kommt. "So wie in Obermembach wird es kaum eine andere Gaststätte haben, was hier geboten wird", sagt er überzeugt und verbindet damit sein Lob für die Gastwirtsfamilie Gumbrecht.

Ära geht zu Ende

Das Gasthaus war ein beliebter Anlaufpunkt am Herrentag, an Christi Himmelfahrt. "Es fehlt ein wichtiger Treffpunkt für Herzogenauracher Wanderer", sagt Hildel. Es gebe keinen Anlaufpunkt, der zu Fuß so gut zu erreichen ist und auch noch vergleichbare Öffnungszeiten hat. Es geht auf jeden Fall eine Ära zu Ende, die 1872 begonnen hatte.

Ein Jäger gab den Namen

Eröffnet wurde die Gastwirtschaft 1872 durch Christoph Gumbmann, es folgten Georg Gumbmann, dann dessen Sohn Valentin Gumbmann. Der war ein großer Jünger Nimrods vor dem Herrn. Dieser Jagdleidenschaft verdankt das Gasthaus auch seinen Namen "Jägersruh". Die Gastwirtschaft ziert ein Schild mit einem durstigen Jäger, der sich an einem Bier labt.

Gumbmann hatte vier Töchter. Eine davon, Katharina, heiratete Hans Gumbrecht aus Untermembach und beide führten das Wirtshaus lange Jahre. Von Anfang an lieferte die Herzogenauracher Brauerei Hubmann ihr Bier nach Obermembach.

Scheune brannte ab

Das Gasthaus wurde 1955 und 1960 umgebaut. Durch Blitzschlag brannte am 29. Juni 1969 die angrenzende Scheune ab. Da der Sohn Hans Gumbrecht gelernter Metzger ist, wurden bei einem Umbau 1991/1992 die Küche und der Kühlraum den modernen Anforderungen angepasst und der Gastraum erweitert. Gemeinsam mit seiner Frau Elfriede sorgte er dafür, dass es zum Bier eine gute fränkische Brotzeit gab.

Legendäre Schlachtschüssel

Sämtliche Wurstwaren waren hausgemacht. Außerdem war am Mittwoch Schlachtschüssel, am Donnerstag standen frische Köstlichkeiten wie Ripple, Schäuferle und Bratwürste auf dem Speiseplan.

Dies zog viele Interessenten nach Obermembach. Unterstützt wurde Hans Gumbrecht dabei von Sohn Stefan, der als gelernter Koch für die Küche gemeinsam mit seiner Mutter Elfriede verantwortlich zeichnete. Sohn Christian am Ausschank sorgte dafür dass niemand durstig blieb. Bis 1974 wurde hier Anfang September sogar eine eigene Kirchweih gefeiert.

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