Höchstadt a. d. Aisch
Gedenkstätte

Meinungen zum "Heldenfriedhof" in Höchstadt gehen auseinander

In Höchstadt wird diskutiert darüber, was auf dem Heldenfriedhof in der Innenstadt passieren soll. Ein Stimmenfang.
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79 Gedenksteine erinnern auf dem Höchstadter "Heldenfriedhof" an Opfer des Ersten  Weltkriegs. Seit 1961 wird mit  einer Engelsfigur und   Tafeln mit 227 Namen   Gefallenen und Vermissten des   Zweiten Weltkriegs gedacht. Foto: Christian Bauriedel/Archiv
79 Gedenksteine erinnern auf dem Höchstadter "Heldenfriedhof" an Opfer des Ersten Weltkriegs. Seit 1961 wird mit einer Engelsfigur und Tafeln mit 227 Namen Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs gedacht. Foto: Christian Bauriedel/Archiv

Georg Schockel, ehemaliger CSU-Stadtrat und passionierter Denkmalschützer, findet, das Areal soll so bleiben wie es ist. Der Zustand der Kapelle St. Ottilie sei aber nicht mehr tragbar. Sie müsse schnellstmöglich wieder auf Vordermann gebracht werden. Das höre er auch von vielen Höchstadtern. Etliche seien vermutlich bereit, privat einen Beitrag dazu zu leisten, schätzt Schockel.

Er kennt die Spendenbereitschaft der Bürger gut. Denn er richtet ehrenamtlich zahlreiche Denkmäler wie Marterl, Wegkreuze oder die historische Mauer auf dem Lauberberg her. Immer wieder würden Menschen Geld zuschießen, denen die steinerne Geschichte am Herzen liegt. Der Name "Heldenfriedhof" solle bleiben, findet Schockel.

Der Höchstadter Klaus Strienz, ehemaliger Lehrer und Aktiver in Sachen Städtepartnerschaft nach Russland, hatte eine Debatte angestoßen, ob der Begriff des "Helden" angesichts der Kriegsgräuel noch zeitgemäß ist. Strienz wünscht sich eine Umbenennung und eine Einordnung, etwa auf Schautafeln. Höchstadt sei nicht der einzige Ort, der damit zu tun hat. Andernorts sei man beim Umgang mit Kriegerdenkmälern weiter, etwa in Pommersfelden.

Strienz hat sich bei der Deutschen Bischofskonferenz erkundigt. Dort erfuhr er, es gebe "noch keine Überlegungen für Empfehlungen an die Bistümer und Pfarreien zum (praktischen) Umgang mit dem Gedenken an die Gefallenen des I. Weltkriegs."

"Es ist gar nicht schlecht, sich heute damit mal zu beschäftigen", sagt der Höchstadter Frank Greif, aktiver Reservist und Stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Soldatenbundes in Mittelfranken, der alleine in ERH mehr als 1300 Mitglieder hat.

Gegen Glorifizierung des Krieges

"Keine Frage: Der Begriff des Helden wird heute kontrovers gesehen", sagt Greif. Er würde ihn in Zusammenhang mit Soldaten auch nicht als erstes benutzten. Eine Glorifizierung des Krieges liege ihm fern. Und er habe auch nicht den Eindruck, dass die Masse der Höchstadter das anders sieht. Aber er könne verstehen, dass sich der normale Bürger am Begriff "Heldenfriedhof" als simple Ortsbeschreibung nicht störe. Doch wenn man länger darüber nachdenkt, würde eine Einordnung, wie es etwa Pommersfelden mit einer Infotafel an seinem umstrittenen Kriegerdenkmal gemacht hat, Sinn machen. Die Tafel dort bezieht sich auf die Inschrift "Lernt Glauben, lernt Kämpfen, lernt Sterben".

Der "Heldenfriedhof" sei im Zeitgeist kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. Greif findet, es lohne sich, darüber nachzudenken, wie man heute darauf schaut. Nicht alleine auf den Begriff "Held", sondern auch allgemein darauf, dass unser Leben in Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und die Leiden des Krieges den älteren Generationen noch bekannt war und ist. "Meine Beobachtung ist, dass bei jungen Leuten der Bezug fast nicht mehr da ist", sagt Greif.

"Beim Heimatverein wären wir interessiert daran, dass der Heldenfriedhof so erhalten bleibt, wie er ist", sagt Georg Römer, Vorsitzender des Heimatvereins Höchstadt. Auch er hofft auf Spenden von Bürgern. Römer findet es übertrieben, am Namen "Heldenfriedhof" etwas zu ändern. Ja, er könne theoretisch mit einem "Ehrenfriedhof" schon auch leben. Aber er sagt: "Das verschiebt unsere Geschichte."

Römer ist seit langem bei der Stadtkapelle aktiv. Seit 54 Jahren sei er beim Volkstrauertag auf dem "Heldenfriedhof" dabei. Hat sich das Gedenken verändert? "Die Leute früher waren näher dran", sagt Römer. "Unsere Gesellschaft heute verändert sich. Es ist den Leuten vieles wurscht. Heute sind die Sonderangebote beim Aldi wichtiger, als dem Frieden zu gedenken, in dem wir leben."

Er könne gut verstehen, dass die Kirchengemeinde die Kapellenrenovierung nicht aus der Portokasse bezahlen kann, sagt Römer. Schließlich habe sie gerade viel investiert, wie etwa in die Renovierung der Stadtpfarrkirche.

Pfarrer Kilian Kemmer hatte zuletzt betont, er stehe zu dem historischen Begriff des "Heldenfriedhofs". Eventuell könne man das mit einer Informationstafel einordnen, beziehungsweise darauf verweisen, dass das Areal einmal so hieß. Auch ein Friedensdenkmal hatte er ins Gespräch gebracht. Doch, so Kemmer, man müsse nun erst einmal klären, wer in welcher Form für die Renovierung der Kapelle aufkommt. Denn eine schnelle Instandsetzung habe Vorrang.

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