Kairlindach
Protest

Mastanlage für 480 Tiere macht den Weisendorfern Sorgen

Vertreter der Grünen diskutierten mit interessierten Bürgern über ein Bauvorhaben bei Kairlindach. Ein Bürgerbegehren könnte das Vorhaben noch stoppen.
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Rund 60 interessierte Bürger diskutierten mit Vertretern der Grünen vor dem Gelände der geplanten Mastanlage.        Foto: Tina Meier
Rund 60 interessierte Bürger diskutierten mit Vertretern der Grünen vor dem Gelände der geplanten Mastanlage. Foto: Tina Meier
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"Auch wenn wir schon ziemlich am Ende des Verfahrens sind, haben wir es noch in der Hand", sagt Norbert Maier von den Weisendorfer Grünen. Im vergangenen September hatte er als einziges Mitglied des Bauausschusses gegen den Antrag zur Errichtung einer Rindermastanlage westlich neben der Biogasanlage zwischen Kairlindach und Oberlindach gestimmt. Seitdem bewegt das Thema die Marktgemeinde Weisendorf. Es wurde unter anderem in der Bürgerversammlung diskutiert, eine Onlinepetition hat rund 3500 Gegenstimmen gesammelt. Der Ortsverband der Grünen möchte noch mehr Bürger informieren und mobilisieren und organisierte deshalb am Donnerstag eine Diskussionsrunde vor Ort.

Mehr als 60 Anwohner waren der Einladung gefolgt. Die Mitglieder des Gemeinderats und der Bürgermeister kamen jedoch nicht. Auch der Träger des Vorhabens, der Landwirt Jürgen Schenk, ließ sich entschuldigen, schickte aber im Voraus per Einschreiben ein Betretungsverbot für den geplanten Standort und das sich anschließende Grundstück mit den Biogasanlagen.

Viele offene Fragen

"Der Dialog ist uns wichtig und ich hätte ihm gerne einige Fragen gestellt", bedauert Christan Zwanziger, Landtagsabgeordneter der Grünen. Die Dimensionen des geplanten Mastbetriebs mit 480 Rindern seien zwar "überlegt gewählt", erst ab 500 Tieren wäre zum Beispiel eine Prüfung zur Umweltverträglichkeit nötig, aber schlichtweg zu groß und mit zu vielen negativen Auswirkungen verbunden. Diese beschäftigen auch die Bürger vor Ort. "Ist das mögliche Abwasser, das in den Brückleinsgraben geleitet werden soll, wirklich sauber? Warum müssen landwirtschaftliche Anlagen immer größer werden? Stecken Investoren dahinter und wer sagt uns, dass die Anlage nicht noch ausgeweitet wird?" Fragen wie diese waren aus der Versammlung zu hören.

"Anfangs war von drei Kuppeln der Biogasanlage die Rede. Jetzt sind es fünf, und wir Bürger bekommen von den Entscheidungen einfach nichts mit", berichtet Elke Wirth aus Kairlindach. Sie klagt über starke Geruchsbelästigungen und befürchtet, dass diese durch die Mastanlage zunehmen und von weiteren Lärmbelastungen aufgrund der landwirtschaftlichen Maschinen begleitet werden.

Nicht zuletzt bezweifelten die Anwesenden das Wohl der Tiere, die zwar in Gruppen und auf Stroh leben sollen, aber jeweils kaum mehr als drei Quadratmeter zur Verfügung haben werden. Und woher soll überhaupt das Futter kommen? "Vereinfacht gerechnet bräuchte man 240 Hektar, um die Rinder zu versorgen", erklärt Zwanziger, der bezweifelt, dass die nötige Menge vor Ort produziert werden kann. Es sei geplant, Grünschnitt von gepachteten Flächen aus der Region zu verwenden, doch diese Flächen könnten dann nicht mehr von kleineren ortsansässigen Landwirten gepachtet werden, die vermutlich nur weniger als der Betreiber der Mastanlage zahlen können.

Kolbet wirbt um Rückhalt

Aber ist der Bau der Anlage überhaupt noch zu verhindern? "Auch wenn der Bauausschuss dem Antrag zugestimmt hat, fehlt bisher noch die rechtliche Grundlage für den tatsächlichen Bau", erläutert Maier. Diese sei erst gegeben, wenn das Grundstück im Flächennutzungsplan zur landwirtschaftlichen Nutzung freigegeben wird. Im Februar werde dieser Plan erneut durchgearbeitet. Wann er aber tatsächlich beschlossen wird, sei noch offen. "Unsere einzige Chance ist, dass die Art der Nutzung nicht umgeschrieben wird, und dazu brauchen wir Rückhalt in der Bürgerschaft", sagt Gemeinderätin Christiane Kolbet.

So bald wie möglich werde deshalb ein Bürgerbegehren gestartet, das zehn Prozent aller Einwohner der Marktgemeinde Weisendorf unterzeichnen müssen. Eine Bürgerinitiative (BI) "Mastanlage" trifft sich am Dienstag, 15. Januar, um 20 Uhr im Gasthaus "Jägerhof" in Weisendorf, um das Bürgerbegehren in Gang zu bringen. Der Gemeinderat prüft dann, ob das Begehren zulässig ist, und binnen drei Monaten würde der Bürgerentscheid folgen. Stimmt die Mehrheit dann gegen eine Änderung des Flächennutzungsplans für das Grundstück, kann sie den Bau der Mastviehanlage noch verhindern.

Am Freitag erreichte der FT Landwirt Jürgen Schenk am Telefon. Er bat um Verständnis, dass er sich aktuell nicht zur Kritik an seiner geplanten Mastanlage äußern wolle.



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