Höchstadt a. d. Aisch
Kriegsopfer

Maroder "Heldenfriedhof" für einen Euro? Stadt Höchstadt lehnt dankend ab

Die Gedenkstätte für die Gefallenen ist stark renovierungsbedürftig. So richtig zuständig fühlt sich aber weder die Stadt noch die Kirche.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die marode  Kapelle auf dem "Heldenfriedhof" in Höchstadt  ist  abgesperrt, das Innenleben mit Planen abgedeckt. Risse zeigen sich an  Wänden, Ziegel sind vom Dach gestürzt.  Foto: Christian  Bauriedel
Die marode Kapelle auf dem "Heldenfriedhof" in Höchstadt ist abgesperrt, das Innenleben mit Planen abgedeckt. Risse zeigen sich an Wänden, Ziegel sind vom Dach gestürzt. Foto: Christian Bauriedel
+8 Bilder

Tiefe Risse durchziehen das Gemäuer. Das Dach ist hinüber. Sie macht nicht den besten Eindruck, die Gedächtniskapelle St. Ottilie auf dem "Heldenfriedhof" in der Spitalstraße, dem Ort, an dem die Höchstadter den Gefallenen der Kriege gedenken.

Doch trotz des desolaten Zustands fühlt sich weder die Stadt noch die katholische Kirche so recht zuständig. Denn kurioserweise war lange unklar, wem die Kapelle überhaupt gehört. Das fiel auf, als es vor rund zwei Jahren um eine Renovierung ging. Angesichts der geschätzten Sanierungskosten in sechsstelliger Höhe scheint sich keine der beiden Parteien darum zu reißen.

Schnäppchenpreis: ein Euro

Das zeigt auch die Tatsache, dass die Kirche zuletzt bereit war, der Stadt den Heldenfriedhof für einen symbolischen Euro zu überlassen. Die Kommune hat jedoch dankend abgelehnt.

"Die Stadt ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Nichtsdestotrotz: Der Bürgermeister und der Stadtrat können nicht einfach die Übernahme einer sechsstelligen Sanierung beschließen", sagt Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Es gehe schließlich um Steuergeld. Zuständig sei die Kirche. Auch wenn man bei der Stadt bis vor kurzem anderes annahm, weshalb jahrzehntelang das Areal von städtischen Mitarbeitern gepflegt wurde.

Ein Fund im Kirchenarchiv

Auf Seiten der Kirche hat der Fall umfangreiche Archivrecherchen ausgelöst. Im Grundbuch steht: Grund und Boden gehören der Kirche. Die Kapelle offensichtlich auch. Das haben Nachforschungen im Kirchenarchiv ergeben, wie Stadtpfarrer Kilian Kemmer mitteilt.

Demnach ist die kircheneigene Scharold'sche Stiftung Eigentümerin. Bereits vor rund hundert Jahren habe es einen Rechtsstreit zwischen Stadt und Kirche gegeben. Damals riss man sich noch darum, wer das Gelände betreuen darf. Danach hat sich wohl erstmal die Kirche gekümmert. Doch Kemmer betont: "Die Recherchen sind noch nicht ganz abgeschlossen." Irgendwann zwischen den 50er und 80er Jahren müsse es eine Vereinbarung zwischen Kirche und Stadt gegeben haben. Denn ab einem bestimmten Zeitpunkt hat sich dann plötzlich die Stadt um das Areal gekümmert. Wurde gar die Kapelle einmal ganz an die Stadt überschrieben? Nach einer solchen Übereinkunft sucht man derzeit noch in den Tiefen der erzbistümlichen Archive.

Drückt sich die Kirche?

Versucht die Kirche hier, sich um die Sanierungskosten zu drücken? "Nein. Ich habe immer gesagt: Eigentum verpflichtet. Wenn die Kapelle, so wie der Grund und Boden, uns gehört, werden wir sofort was machen. Das ist eine Selbstverständlichkeit", sagt der Stadtpfarrer.

Am Dienstag gab es ein Treffen zwischen Kemmer, dem Bürgermeister und den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats, um eine Lösung zu finden. Diese könnte laut Brehm so aussehen, dass die Stadt das Areal von der Kirche übernimmt, allerdings erst, wenn diese die Kapelle saniert hat.

Zuschuss von der Stadt?

Ein Vorschlag, der etwas weiter geht, kommt von Alexander Schulz, CSU-Vorsitzender in Höchstadt. Eine Übernahme der maroden Kapelle für einen Euro lehnt er auch ab. Der Bauausschuss habe richtig entschieden.

Aber er könne sich vorstellen, dass die Stadt einen Zuschuss zur Instandsetzung gibt, beziehungsweise hilft, "Fördertöpfe aufzumachen, um die Sanierung gemeinsam zu stemmen". Es handle sich schließlich um "ein erhaltenswertes Kulturgut", dessen Bewahrung im Interesse der Stadt liege, so Schulz.

Einige Höchstadter hätten ihn angesprochen, dass endlich etwas passieren müsse. Auch dass vor längerem schon vereinzelt Spenden eingegangen seien, zeige, dass der "Heldenfriedhof" und die Kapelle St. Ottilie den Bürgern am Herzen liegt.

Einen Kommentar dazu lesen Sie hier.

Sollte der "Heldenfriedhof" umbenannt werden? Lesen Sie hierzu mehr in diesem Artikel.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren