Höchstadt a. d. Aisch
Leserwanderung

Leser sind im Mohrhofgebiet auf den Spuren des Karpfens unterwegs

Der Fränkische Tag hatte eingeladen, die Karpfenteichwirtschaft kennenzulernen. Gästeführer Leonhard Thomann kennt das Naturschutzgebiet Mohrhof wie seine Westentasche.
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Gästeführer Leonhard Thomann (rechts) zeigt den FT-Lesern ein Netz für den Fischfang. Fotos: Waltraud Enkert
Gästeführer Leonhard Thomann (rechts) zeigt den FT-Lesern ein Netz für den Fischfang. Fotos: Waltraud Enkert
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Die Teichlandschaft im Naturschutzgebiet Mohrhof bei Poppenwind ist einzigartig. Bei der Leserwanderung durften einige Wege zum Schutz der brütenden Vögel nicht genutzt werden. Rund 200 Vogelarten sind hier heimisch, darunter auch der seltene Kiebitz.

An die 7000 Teiche gibt es in der Region mit zusammen 2800 Hektar Fläche. Damit ist im Durchschnitt jeder Teich kleiner als 500 Quadratmeter, weiß Gästeführer Leonhard Thomann. Ein Problem für die Wirtschaftlichkeit. Besonders schwierig sei die Situation im Mohrhofgebiet - weil die Weiher Himmelsweiher sind. Das heißt, sie werden allein vom Regen gespeist. Die Wanderung führt an einen von Thomanns Weihern vorbei, der nur mit einer Pfütze Wasser gefüllt ist, zur Hälfte schaut der Sand heraus. "Wenn wir die Weiherlandschaft hier längerfristig erhalten wollen, müssen wir uns mit dem Wasser was einfallen lassen", sagt er.

Der Gästeführer hat noch Gerätschaften, wie sie früher in der Karpfenzucht verwendet wurden. Zeigt Schlegel, Fischhammer, Netze, und eine lange Stange mit einem Haken aus Eisen dran. Die war bei Kindern gefürchtet - denn angeblich hat sie der "Häkelmoo" verwendet. Wenn die Kinder allein ans Wasser wollten, hieß es, dass sie der Häkelmoo hineinziehen könnte.

Gummistiefel gab es dagegen früher nicht, höchstens Lederstiefel. Der Gästeführer hat einen Tipp, sollte mal jemand im Schlamm steckenbleiben: "Nicht senkrecht nach oben ziehen, sondern die Ferse heben und schräg raussteigen."

Ob es noch Sackfischer gibt, will einer der Gäste wissen. Man nannte sie so, weil sie einen Sack dabei hatten und nach dem Abfischen in den Weiherlachen verbliebene Fische gefangen haben. Die durften sie mit nach Hause nehmen. Sie heißen bis heute so und es gibt sie auch noch, obwohl heute eher ein Kunststoffeimer zum Einsatz kommt als ein Sack.

Der Name Mohrhof hat nichts mit Moor zu tun, obwohl es den Moorfrosch hier gibt. Das Männchen färbt sich in der Laichzeit blau, sagt Thomann. Mohrhof kommt vom Adelsgeschlecht Winkler von Mohrenfels aus Hemhofen. Das Mohrhofgebiet sei früher wohl eine Außenstation gewesen.

Gerda Schmiedel aus Fetzelhofen ist mit ihrem Mann dabei. Viel gelernt hat sie heute, sagt sie. "Für Karpfen habe ich mich bislang nicht so interessiert. Ich hab' mir gedacht, jetzt wird es Zeit." Aus Strullendorf ist Silke Herrmann hergefahren, um die Landschaft mit ihren Teichen kennenzulernen. Enttäuscht wurde sie nicht. "Ich würde ein solches Angebot gerne wieder annehmen." Da stimmt ihr Rita Dehmel aus Hetzles bei Neunkirchen am Brand zu: "Gerne wieder."

Die Kapelle: Erbaut wurde die Kapelle in Poppenwind im Jahr 1937. Leonhard Thomann weiß über die Glocken eine interessante Gesichte: Im Krieg wurden sie eingezogen, weil man das Material für die Herstellung von Waffen brauchte. Sie wurden zu einer Sammelstelle nach Höchstadt gebracht. Zwei Bauern, die nicht im Krieg waren, haben die Glocken heimlich von der Sammelstelle geholt und im Wald versteckt. Aufgefallen ist das wohl niemandem. Nach dem Krieg wurden die Originalglocken wieder an die Kapelle angebracht. Der Aischgründer Karpfen: Seit rund fünf Jahren ist der Aischgründer Karpfen geschützt. Leonhard Thomann ist selbst Teichwirt und erläutert, was das Gütesiegel bedeutet. Maximal 800 Karpfen dürfen pro Hektar im Weiher gehalten werden. "Bei anderen Arten haben Sie locker das 100- bis 200-fache an Fischen drin", sagt Thomann. Und maximal zehn Prozent Fett darf der original Aischgründer haben. Das wird immer wieder kontrolliert. Sollte der Fettgehalt beim Abfischen zu hoch sein, darf der Fisch nicht als Aischgründer Karpfen verkauft werden. Thomann weiß: Viele Gast- und Teichwirte scheuen den Aufwand. Ihr Karpfen heißt dann einfach Karpfen aus der Region. Das Schilf: Schilf am Rand von Weihern ist gut für die Vogelwelt", sagt Leonhard Thomann. Vögel können hier brüten. Wenn im Weiher selbst zu viel Schilf steht, baggern Naturschützer Gräben durch - für die Vögel, damit sie die Brutgelegenheiten besser annehmen. Und Wildschweine verstecken sich gern im Schilf. Früher wurde es in der Landwirtschaft zur Einstreu verwendet. Da blieb kaum etwas stehen. Vor wenigen Jahren gab es im Schilf im Mohrhofgebiet noch viele Lachmöwennester. Allerdings - sie fressen auch Fische.

Die Aufzeichnung: Günther Wüst kommt aus Bamberg. Die Route, die Gästeführer Thomann in den knapp drei Stunden gegangen ist, hat er am Smart-Phone aufgezeichnet. Knapp vier Kilometer waren es, die reine Gehzeit betrug dabei eine Stunde und 47 Minuten.

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