Adelsdorf
Tiere

Leinenpflicht bei Hunden im Landkreis Erlangen-Höchstadt: Was zum Hunde-Knigge gehört

Wenn nicht angeleinte Hunde auf Passanten treffen, endet das oftmals gefährlich. Obwohl in den Verordnungen der Gemeinden geregelt ist, wo Hunde an die Leine müssen, halten sich nicht alle Halter daran. Das stört auch die verantwortungsvollen Hundebesitzer.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hündin Cleo schaut ihrer Halterin Sabine Karl-Kraus entgegen. Sie weiß genau, wann Hunde an die Leine müssen. Foto: Franziska Rieger
Hündin Cleo schaut ihrer Halterin Sabine Karl-Kraus entgegen. Sie weiß genau, wann Hunde an die Leine müssen. Foto: Franziska Rieger

Ein Hund ist einem Radfahrer in Höchstadt auf der Zufahrt zum Parkplatz Aischwiesen ins Vorderrad gelaufen. In Erlangen kam es zwischen einer Hundehalterin und einem Jogger zum Streit, weil die 26-Jährige ihren Hund nicht an der Leine geführt hat. In Diespeck wurde am Dienstag eine Hundehalterin beim Gassigehen verletzt, weil ihr Hund nicht angeleint war und plötzlich die andere Hundehalterin angriff. Als die Besitzerin eingriff, wurde sie in die rechte Hand gebissen. Die Polizeimeldungen der vergangenen Tage zeigen: Wenn in der Öffentlichkeit freilaufende Hunde auf andere Passanten treffen, führt das oft zu Problemen.

Auch im Amtsblatt der VG Höchstadt wird auf das Thema aufmerksam gemacht: "Immer wieder gehen Beschwerden ein, dass Spaziergänger, Radfahrer und Jogger durch frei herumlaufende Hunde belästigt werden. Eine Vielzahl der Hundehalter lässt ihre Hunde frei herumlaufen, auch wenn sich ihnen Personen oder andere Hunde nähern."

Die VG weist deshalb darauf hin, dass Kampfhunde und große Hunde (Schulterhöhe mindestens 50 Zentimeter) nicht ohne Aufsicht frei herumlaufen dürfen. Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen und in Anlagen sind diese Hunde grundsätzlich an der Leine zu führen. Weiter verweist die VG auf die Hundehaltungsverordnungen der jeweiligen Gemeinden.

Machtlose Gemeinden

An ihre Grenzen kommen solche Verordnungen jedoch, wenn Hundehalter ihre Hunde auf privaten Flächen frei laufen lassen, erklärt Norbert Stoll, Leiter der VG Höchstadt. "Dort sind uns als Gemeinde die Hände gebunden", sagt er. Kleine Hunde seien außerdem ohnehin von der Verordnung ausgenommen.

Nicht alle Hundehalter verhalten sich so rücksichtslos. Meist sind es einzelne Fälle, die alle Hundehalter in ein negatives Licht rücken. Das weiß auch Sabine Karl-Kraus, Hundetrainerin aus Adelsdorf. Seit 2014 betreibt sie ihr eigenes Hundezentrum, sie selbst hat vier amerikanische Bulldoggen. Ihre Erfahrung: Alle Hundehalter versuchen zumindest, ihren Hund zu erziehen.Oft mangele es dann aber an Zeit, Verständnis oder Durchhaltevermögen. "Das A und O ist, dass der Hund durch meine Erziehung kontrollierbar ist", sagt Karl-Kraus.

Rücksicht auf andere nehmen

Hundehalter müssen gegenüber anderen Menschen und Tieren Rücksicht nehmen, betont sie. "Auch wenn man seinen Hund liebt, muss der andere ihn nicht auch toll finden." Dass ihr Hund andere anspringt oder anschnüffelt, würde Karl-Kraus nie erlauben. "Das gehört zum guten Hunde-Knigge." Wenn zwei Hunde aufeinander treffen, sollten beide erst einmal an die Leine genommen werden. Ebenso in Parks, in Innenstädten und bei größeren Menschenmengen. "Bei spielenden Kindern immer den Hund ranrufen und anleinen", sagt die Hundetrainerin.

Nicht nur Hundehalter sind verpflichtet, auf ihren Hund zu achten. Auch für Fußgänger, Jogger oder Radfahrer gibt es Benimmregeln. "Fremde Hunde immer ignorieren", sagt Karl-Kraus. Also nicht ansprechen und nicht anschauen. Vor allem kleinere Hunde können sich schnell bedroht fühlen, wenn ein Mensch sie von oben anstarrt. Die wichtigste Regel: Nie einen Hund ungefragt anfassen, auch wenn er noch so putzig aussieht.

Radfahrer und Jogger, die sich einem Hund von hinten nähern, sollten ihr Tempo drosseln und sich bemerkbar machen, etwa mit der Fahrradklingel. "Damit ich eine Möglichkeit habe zu reagieren", sagt Karl-Kraus. "Zum guten Ton" würde dann gehören, dass der Hundehalter seinen Hund zu sich holt und ihn Sitz oder Platz machen lässt.

Blickkontakt vermeiden

Passanten, die Angst vor Hunden haben, sollten die Hände nach unten hängen lassen, also nicht in Abwehrhaltung gehen, Blickkontakt vermeiden, nicht frontal auf den Hund zugehen und einen Bogen um das Tier laufen.

Freilich würde es Hunden besser gefallen, wenn es für sie mehr Orte gäbe, an denen sie frei herumlaufen dürfen. Eine Alternative dafür sind Freiflächen, wie es sie beispielsweise in Adelsdorf gibt. Die Wege, meist Flurbereinigungswege, auf denen Hunde ohne Leine laufen dürfen, sind deutlich mit einem Schild gekennzeichnet, erklärt Jutta Köhler (FW), Zweite Bürgermeisterin.

Hunde permanent an der Leine zu führen, sei nicht tiergerecht, sagt sie. 2007 wurden deshalb Freiflächen in fast allen Ortsteilen der Gemeinde eingeführt. Köhler betont aber: "Die Freilauffläche heißt nicht, dass der Hund alles darf."

Die jeweiligen Hundehaltungsverordnungen ausgewählter Gemeinden und Städte:

Gesetz Das steht in den jeweiligen Hundehaltungsverordnungen der Gemeinden:

Höchstadt Kampfhunde sind jederzeit auf allen Straßen, Wegen und Plätzen im gesamten Stadtgebiet an der Leine zu führen. Das gleiche gilt für große Hunde (Schulterhöhe min. 50 Zentimeter) in ausgewiesenen Fußgängerzonen, verkehrsberuhigten Bereichen und im näheren Umkreis von Schulen, Kindergärten und Spielplätzen. Die Leine darf eine Länge von 120 cm nicht überschreiten.

Adelsdorf Kampfhunde und große Hunde sind in allen öffentlichen Anlagen und auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im gesamten Gemeindegebiet, sowie auf den Wegen in Waldgebieten ständig an der Leine zu führen. Auf Kinderspielplätzen und in Kindergärten und deren näheren Umgriff ist das Mitführen von Kampfhunden und großen Hunden grundsätzlich untersagt.

Gremsdorf/Lonnerstadt Auf Kinderspielplätzen und in Kindergärten und deren näherem Umgriff ist das Mitführen von Kampfhunden und großen Hunden ganz untersagt. Kampfhunde und große Hunde sind in allen öffentlichen Anlagen und auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen innerhalb der bebauten Ortschaften an der Leine zu führen. Die Leine darf eine Länge von drei Metern nicht überschreiten.fr

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren