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Höchstadt
Dauerbaustelle

Leben in der Baustelle: Höchstadter Mieter weiter in großer Sorge

Nach der Insolvenz der Eigentümer-Gesellschaft tut sich an den drei halb sanierten Wohnblocks in der Höchstadter St.-Georg- Straße seit Monaten gar nichts mehr. Nur die Ungewissheit für die Mieter bleibt.
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Die Mieter dreier solcher Wohnblocks in der Höchstadter St.-Georg-Straße leben seit bald zwei Jahren auf einer Baustelle. Foto: Andreas Dorsch
Die Mieter dreier solcher Wohnblocks in der Höchstadter St.-Georg-Straße leben seit bald zwei Jahren auf einer Baustelle. Foto: Andreas Dorsch
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Vor den Haustüren ragen halb fertige Torsos in den Himmel, die einmal Aufzugsschächte werden sollten. An den Fassaden beginnen die angeklebten Styroporplatten wieder abzubröckeln. Von den Dächern stürzt der Regen wasserfallartig in den Garten - beziehungsweise dorthin, wo einmal gepflegtes Grün war. Denn rings um die drei Wohnblocks in der St.-Georg-Straße stehen inzwischen Unkräuter und wilde Sträucher teilweise schon meterhoch.

Seit November 2012 leben die 36 Parteien in den drei Häusern auf einer Baustelle - und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Nur die Zahl der Mieter geht zurück. Acht Parteien sollen in jüngster Zeit schon ausgezogen sein.

Die drei vor über 50 Jahren gebauten Wohnblocks wechselten in der Vergangenheit mehrmals den Eigentümer. Im Juli 2012 kaufte sie die "Simons- und Stark Bau- und Verwaltungs-GmbH" in Heroldsberg.
Ihre Rechnung, Häuser und Wohnungen zu sanieren, Penthäuser auf die Dächer zu setzen und die Einheiten als Eigentumswohnungen zu verkaufen, ging nicht auf. Die von rumänischen Bauarbeitern begonnenen Sanierungen zogen sich hin, bis die Eigentümer Anfang dieses Jahres Insolvenz anmeldeten.

Waren die Sanierungsarbeiten auf dem Areal vorher schon sehr schleppend gelaufen, tut sich seit dem Insolvenzantrag gar nichts mehr. Für die Mieter bedeutet das weiterhin Leben auf der Baustelle. Im Garten lagern Bauschutt und noch auf ihre Verwendung wartende Baumaterialien. Über provisorisch verlegte Platten geht es zu den Hauseingängen.

Die überwiegend älteren Mieter sorgen sich mehr denn je, wie es mit ihren Wohnungen weiter geht. Werden sie ausziehen müssen? Drohen Mieterhöhungen?

Noch keine Reaktion

Zum Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Fürth im Februar den Rechtsanwalt Joachim Exner von der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck und Partner. Die Hoffnungen der Bewohner, von ihm Aufklärung darüber zu bekommen, wie es weiter geht, haben sich bisher nicht erfüllt. Auf mehrere Anfragen unserer Zeitung bei Joachim Exner und in seiner Nürnberger Kanzlei gab es ebenfalls noch keine Reaktion. "Eine untragbare Situation", klagten einige Mieter.

Gerüchte gibt es allerdings. So sollen die angefangenen Aufzugsschächte wieder abgerissen werden, die Penthäuser im Dachgeschoss sind auch kein Thema mehr. Was aus den Häusern und ihren Mietern werden soll, steht in den Sternen.

Eine Lösung könnte von der Stadt Höchstadt kommen. "Viele Städte haben kommunale Wohnungsbaugesellschaften", sagt Bürgermeister Gerald Brehm (JL), bringt aber auch den Landkreis ins Spiel, der sich ebenfalls im sozialen Wohnungsbau engagieren könnte.

Brehm hielte eine Gesellschaft für möglich, an der sich Mieter, Stadt und Landkreis beteiligen. Allerdings dürfe kein Risiko zu Lasten der Steuerzahler eingegangen werden, "und wir fangen auch nicht das Desaster von Unternehmern auf". Der Preis müsse stimmen und der Staat durch Förderung des sozialen Wohnungsbaus mitmachen.
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