Höchstadt a. d. Aisch
Verkehr

Landwirtschaftliche Fahrzeuge sorgen für Konflikte

Landwirtschaftliche Fahrzeuge und Maschinen sind in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Sie brauchen mehr Platz - auch auf Straßen und Feldwegen. Das führt zu Konfrontationen.
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Die meisten landwirtschaftlichen Fahrzeuge werden für Fahrten auf der Straße durch Zusammenklappen verkleinert. Ihre Größe kann dennoch ein Problem werden.  Foto: Jens Wolf/dpa
Die meisten landwirtschaftlichen Fahrzeuge werden für Fahrten auf der Straße durch Zusammenklappen verkleinert. Ihre Größe kann dennoch ein Problem werden. Foto: Jens Wolf/dpa

Nicht vieles lässt die Nerven von Autofahrern so schnell blank liegen, wie ein vorausfahrender Traktor auf der Landstraße. Aber nicht nur dort fühlen sich die Menschen immer häufiger von landwirtschaftlichen Fahrzeugen gestört. Die Landwirte fordern mehr Verständnis, doch die Vorbehalte sind wohl nicht völlig unbegründet.

Norbert Bleisteiner, Leiter der Landmaschinenschule in Triesdorf, weiß über die Problematik bestens Bescheid: "Das Kernthema ist der zunehmende landwirtschaftliche Transport, der zu einer höheren Belastung der Straßen führt." Besonders der Boom im Biogasbereich habe die Wege für die Landwirte weiter und die landwirtschaftlichen Fahrzeuge gleichzeitig immer größer werden lassen. Besonders auf schmaleren Ortsdurchfahrten und Landstraßen führe das dazu, dass sich Bürger und Bauern häufiger in die Quere kommen. "Die Leute sehen oft nicht ein, warum sie kurz warten oder zur Seite gehen sollen."

Ähnliches auf Feldwegen: "Es kommt häufiger zu Konflikten mit Menschen im Freizeitbereich", sagt Bleisteiner. Immer mehr Bürger hätten den ländlichen Raum für sich als Naherholungsgebiet entdeckt - zum Beispiel mit ihren E-Bikes. "Die Größe der landwirtschaftlichen Geräte macht den Leuten Angst. Wenn ein Mähdrescher auf einen zufährt, dann ist das schon bedrohlich." Trotzdem bittet er um mehr Verständnis für Landwirte, die ihre Arbeit tun.

Dass dieses oft fehlt, wissen auch die Höchstadter Bauern: "Wenn man mit 25 über eine trockene Straße fährt, dann staubt es eben. Manche Leute glauben aber, das wären ihre Straßen", sagt einer. "Es gibt aber solche und solche. Viele sind freundlich und grüßen." Klar sei aber auch, dass die Ängste und Beschwerden der Bevölkerung nicht aus der Luft gegriffen sind: Unter den Landwirten gibt es schwarze Schafe. Das sagt auch Norbert Bleisteiner: "Manche sind zu schnell unterwegs und fahren rücksichtslos." So entstehe ein schlechter Ruf. Deswegen werde an der Landmaschinenschule versucht, eine Art "Fahrerknigge" mit Verhaltensregeln zu vermitteln. Hinzu kommen Themenabende für Landwirte, wie kürzlich in Lonnerstadt. "Es gibt aber natürlich Hardliner, die dafür keinen Bedarf sehen. Doch die werden weniger."

Ausnahmegenehmigung nötig

Weniger würden auch Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung. Wer mit einem Gerät, das breiter als drei Meter ist, auf der Straße fährt, der braucht eine Ausnahmegenehmigung. Das gilt auch für Fahrzeuge mit mehr als zwölf Metern Länge oder vier Metern Höhe. Züge aus Zugmaschine und Anhänger dürfen maximal 18,75 Meter lang sein. "Dass sich jemand erlaubt, ohne Genehmigung zu fahren, das nimmt signifikant ab", sagt Bleisteiner. "Wer unsere Gesellschaft kennt, der weiß: Es gibt ein dichtes Netz von Leuten, das sich akribisch darum bemüht, dass so etwas direkt gemeldet werden würde."

Bleibt noch der Aspekt Unfälle: "Das ist immer ein Thema", sagt Bleisteiner, "aber es gibt immer weniger dramatische Unfälle, weil die neueren Fahrzeuge sehr hohe Sicherheitsstandards haben." Wenn etwas passiere, dann seien meist ältere Modelle beteiligt.

Insgesamt sind landwirtschaftliche Fahrzeuge aber selten in Unfällen verwickelt, teilt das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. 168 Unfälle mit Traktoren oder Mähdreschern habe es im Jahr 2018 bisher gegeben - ein verschwindend geringer Anteil der rund 50 000 Verkehrsunfälle jährlich. Trotzdem sei gegenseitige Rücksichtnahme extrem wichtig, gerade im ländlichen Bereich.

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