LKR Erlangen-Höchstadt

Landwirte aus ERH protestieren in Berlin

An der Großdemonstration in Berlin nahmen auch zehn Bauern aus dem Großraum Höchstadt teil. Sie sehen sich von der Politik gegängelt.
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Tausende Traktoren reihten sich vor dem Brandenburger Tor auf. Foto: privat
Tausende Traktoren reihten sich vor dem Brandenburger Tor auf. Foto: privat
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Die Mahnfeuer lodern! Im Landkreis, in Bayern und in der ganzen Republik sind sie ein Aufschrei, ein Abbild, wie es derzeit im Herzen der deutschen Bauern aussieht: Es brennt. Das zeigte die Großdemonstration in Berlin, "die größte Bauerndemo in der Geschichte der deutschen Landwirtschaft", wie Alfred Winkler aus Kleinweisach feststellt. Er war dabei, wie viele fränkische Bauern. Die, die sich nicht auf den Weg in die Hauptstadt machen konnten, verliehen ihren Forderungen mit Mahnfeuern Nachdruck. Wie in vielen Orten brannten auch in Hermersdorf und in Mailach diese Zeichen des Protestes.

"Da ist wirklich Feuer unterm Dach", sagt Matthias Hofmann aus Obersteinbach (Markt Taschendorf). "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", bestätigt Alfred Winkler. Die beiden Landwirte waren zwei unter den zehn aus der näheren Umgebung, die am Mittwoch gegen 19 Uhr aus Berlin zurückkamen. Den Kleinweisacher Landwirt ärgert am meisten, "dass man in den Medien von der Protestkundgebung so gut wie nichts gehört hat". Der Protest werde "runtergespielt". Die Politik habe Angst vor der großen Masse.

Wiederholung ist geplant

Genau deshalb könne und werde man jetzt nicht aufhören. "Wir kommen wieder", versichern die Landwirte unisono. Und sie werden wiederkommen. So wie sich die Bewegung unter dem Motto "Land schafft Verbindung" deutschlandweit ganz von allein - ausschließlich über die sozialen Medien formiert hat.

Um einen riesigen Berg an Auflagen und Gesetzen geht es den Landwirten. Die Vergiftung der Umwelt, Insektensterben und nitratbelastetes Wasser werden ihnen angelastet. Dabei versucht die Politik ihrer Meinung nach nur, eigene Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Fehler, die nicht den Bauern in die Schuhe zu schieben seien. Daraus entstand ein Wust von Vorschriften, die für die Landwirte nicht mehr zu erfüllen sind, wie Ralf Geyer aus Schirnsdorf erklärt. Das gehe nicht mehr in den Kopf, das könne niemand mehr umsetzen. "Wir müssen uns schließlich auch noch um unsere Landwirtschaft kümmern."

Hat es denn etwas gebracht, dass sich - nach Schätzung der Teilnehmer - rund 15 000 Schlepper (nicht 8000, wie die offizielle Meldung lautete) und 40 000 Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet auf den Weg nach Berlin gemacht haben? Nach bis zu 15 Stunden Fahrt für die einfache Strecke und nur wenigen Stunden Schlaf, die sie in einer Kaserne, einem Reiterhof oder einem Hotel verbracht haben, kamen die Landwirte aus der Region wieder zu Hause an. Als sie sich am frühen Montagmorgen aus dem Aisch- und Ebrachgrund, aus dem Steigerwald, aus Adelsdorf und Forchheim in Ebermannstadt trafen, zählten sie schon 60 Trecker. Ab Triptis in Thüringen durften sie die Autobahn A9 benutzen. Da waren es schon 600 Traktoren aus der Region Franken.

Gutes Feedback von den Bürgern

Die Bevölkerung, so glauben sie, hätten sie mit ihren Problemen wohl erreicht. Ein tolles Feedback und viel Akzeptanz haben sie erfahren. Menschen mit Transparenten hätten ihnen von Autobahnbrücken zugejubelt. Bei persönlichen Kontakten in Berlin sei sehr viel Verständnis für die Probleme der Landwirtschaft aufgebracht worden.

Von der Politik sind sie jedoch enttäuscht: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die in Berlin zu den Landwirten sprach, stelle sich quer und "will keinen Millimeter von ihrem Kurs abweichen". Über Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die am Ende (bis zum Tränenausbruch) ausgebuht wurde, sind die Landwirte noch mehr verärgert. Sie habe den Bauern vorgehalten, dass jeder deutsche Steuerzahler für ihre Subventionen 114 Euro berappen müsse.

Die Einnahmen im Sinkflug

Dabei seien die nach der Agrarreform (Mac-Sherry-Reform) Anfang der 1990er Jahre eingeführten Subventionen der Ausgleich dafür, dass die Bauern für all ihre Produkte bis zu 50 Prozent weniger Geld bekamen. Dies alles nur dazu, damit die Verbraucher billige Lebensmittel bekommen. Trotz der Ausgleichszahlungen sei man jedoch nicht mehr auf den Stand von zuvor gekommen. Die Bauern hätten nach der Reform im Vergleich zu vorher wesentlich weniger Einnahmen gehabt. Hinzu komme, dass die Ausgleichszahlungen bis heute ständig gekürzt wurden.

Wie wird es weiter gehen? An seiner "Milchtankstelle" in Hermersdorf hatte sich Johannes Brandt durch ein "Mahnfeuer" mit seinen Berufskollegen solidarisch erklärt. "Immer mehr Lebensmittel kommen aus dem Ausland und machen den deutschen Markt kaputt. Mit den Preisen aus dem Ausland können wir nicht mithalten", sagt Brandt im Telefongespräch. Die Produkte der deutschen Bauern hätten einen sehr hohen Qualitätsstandard, der honoriert werden müsse.

Alfred Winkler fordert, dass künftig alle Unternehmen im Umfeld der landwirtschaftlichen Produktion "sich zu unserer Sache bekennen". Das bedeute, "dass Landmaschinen- und Futtermittelhersteller, Getreidehändler, Metzger, Bäcker und Gastwirte jetzt mal die Hosen runterlassen und sich hinter uns stellen".

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