Die Zahl der Asylbewerber, die nach Deutschland drängen, steigt rasant. Die Flüchtlinge werden auf Bundesländer, Bezirke und Landkreise aufgeteilt. Auch der Landkreis Erlangen-Höchstadt ist gezwungen, Asylbewerber unterzubringen. In einem Pressegespräch startete Landrat Eberhard Irlinger (SPD) am Montag einen Hilferuf.

"Wir haben schon ein Problem, wenn wir, wie jetzt, 15 neue zugeteilt bekommen", schilderte Irlinger die aktuelle Situation. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt leben derzeit 94 Asylbewerber in der staatlichen Gemeinschaftsunterkunft in Höchstadt und weitere insgesamt 49 in vom Landkreis angemieteten dezentralen Unterkünften in Möhrendorf und Heßdorf.

Weil es an staatlichen Unterbringungsmöglichkeiten mangelt, müssen Landkreise und kreisfreie Städte in Bayern die Flüchtlinge in den nächsten Monaten vorrangig dezentral unterbringen.
Im Kreis Erlangen-Höchstadt rechnet man "mit monatlichen Zuweisungen zwischen elf und 15 Personen".

Auch wenn die Menschen der Kreisverwaltung willkommen sind, weiß Landrat Irlinger im Augenblick nicht, wo er sie unterbringen soll. Vor diesem Hintergrund bleibt ihm nichts anderes übrig, als an alle Bürgermeister im Kreis zu appellieren, Räume oder Grundstücke in ihren Gemeinden zu melden, die für die Unterbringung von Asylbewerbern geeignet wären.

Jedem Hinweis wird nachgegangen

Irlinger bittet auch die Kirchen, dem Landkreis bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu helfen. Und schließlich geht sein Appell an alle Bürger, dazu beizutragen, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. "Wer Zimmer anbieten kann, sollte sich umgehend ans Landratsamt wenden", sagt Irlinger. Man werde jedem Hinweis nachgehen. Der Kreis müsse die Unterbringungsmöglichkeiten finden, die Bezahlung übernehme der Staat.

Im Landratsamt stellt man fest, dass nach einigen Jahren Ruhe der Strom der Asylbewerber seit 2012 wieder deutlich ansteigt. Die meisten kommen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Iran, Irak und Syrien.

Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sind bereits im ersten Quartal dieses Jahres 19.086 Asylanträge eingegangen. Bundesweit wird in diesem Jahr mit bis zu 100.000 Asylbewerbern gerechnet. Die Regierung von Mittelfranken erwartet 150 bis 200 Personen pro Monat.

Davon muss Erlangen-Höchstadt seinen Teil übernehmen. Irlinger fordert von Bund und Land mehr Engagement und mehr eigene Gebäude. Er vermisst ein Gesamtkonzept. Man könne nicht am Freitag erfahren, dass man ab Montag Zimmer braucht.

Im Landratsamt müsse man für die Betreuung der Asylbewerber wohl auch mehr Personal einstellen. Erfreut ist der Landrat über die vielen ehrenamtlichen Helfer, die in den dezentralen Unterkünften den Asylbewerbern in Alltagssituationen beistehen.