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Höchstadt a. d. Aisch
Kommunikation

Kommunalwahl 2020: Die Wahlplakate in Höchstadt hängen wieder

Gut fünf Wochen vor der Kommunalwahl sprießen sie wieder wie Pilze aus dem Boden: Im ganzen Aischgrund reihen sich Wahlplakate aneinander. Besonders selbstironisch fallen die Wahlplakate der SPD Uehlfeld aus.
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Gut fünf Wochen vor der Kommunalwahl sprießen sie wieder wie Pilze aus dem Boden: Im ganzen Aischgrund reihen sich Wahlplakate aneinander. Foto: Franziska Rieger
Gut fünf Wochen vor der Kommunalwahl sprießen sie wieder wie Pilze aus dem Boden: Im ganzen Aischgrund reihen sich Wahlplakate aneinander. Foto: Franziska Rieger

Jetzt strahlen sie wieder von jeder Straßenlaterne: Parteien und Bürgermeister-Kandidaten werben mit Plakaten um die Gunst ihrer Wähler für die Kommunalwahl. In Höchstadt halten sich die Parteien mit ihren Plakaten bisher noch zurück. Seit Sonntag, sechs Wochen vor der Wahl, dürfen in Höchstadt Plakate aufgehängt werden.

Bisher wurden die Plakate von vier Parteien genehmigt, sagt Daniela Mönius, Leiterin des Höchstadter Bürgerbüros. Insgesamt seien es bisher 680 Plakate und acht Großplakate. Wichtige Vorgabe beim Plakatieren: Die Verkehrssicherheit darf nicht beeinträchtig werden.

Im Moment dominieren die Plakate der CSU und der Grünen das Höchstadter Ortsbild. Als erstes waren in Höchstadt und den Ortsteilen die der CSU vertreten. Am Samstag wurde mit dem Plakatieren begonnen, sagt CSU-Bürgermeisterkandidat Alexander Schulz. "Genau pünktlich", sagt er. Dahinter stecke schließlich Strategie: Man wolle möglichst die Stellen bekommen, an denen mehr Verkehr fährt und die Plakate länger gesehen werden.

Plakate zu den Wahlunterlagen

Etwas mehr Zeit lassen sich Junge Liste (JL) und SPD. Wenn Ende Februar die Wahlunterlagen verschickt werden, sollen auch die Plakate hängen, sagt Mechthild Weishaar-Glab, SPD-Bürgermeisterkandidatin. "Bis dahin stehen die Plakate und jeder weiß Bescheid", Die Idee dahinter: "Viele beschäftigen sich erst mit der Wahl, wenn die Wahlkarten da sind."

In Uehlfeld macht die SPD mit besonders selbstironischen Plakaten auf sich aufmerksam: "Rettet vom Aussterben bedrohte Arten", dazu die Gesichter der Listenkandidaten. "Wir wollen weg von diesen bierernsten Plakaten", sagt Bernhard Penz, Listenkandidat der SPD Uehlfeld. Die Leute müssten sich wieder mehr mit Themen auseinandersetzen und das sollte schon bei den Wahlplakaten beginnen.

Penz nennt es "Renaissance der Infoplakate". Bedenken, dass die Aktion mehr schadet als nützt, habe die Partei durchaus gehabt. Bisher seien die Reaktionen aber positiv. "Wir haben schon von Leuten gehört, die das sehr lustig fanden", sagt Penz.

Interview: "Wahlplakaten auf der Straße ist kaum auszuweichen"

Im Wahlkampf können Parteien vieles falsch, aber auch einiges richtig machen. Die Kommunikationswissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha, zwischen 2004 und 2019 Inhaberin des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, berichtet im Gespräch, auf was es bei Wahlplakaten ankommt.

Wie muss ein Wahlplakat gestaltet sein, um bei den Wählern beachtet zu werden?

Christina Holtz-Bacha: Da Wahlplakate im öffentlichen Raum um Aufmerksamkeit kämpfen und meist nur wenige Sekunden lang - im Vorbeifahren oder Vorbeigehen - betrachtet werden, benötigen sie Elemente, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ihre Botschaft muss schnell verständlich sein. Solche Elemente sind Farbe, Größe, emotional ansprechende oder auch ungewöhnliche Elemente.

Welche Wahlplakate sind Ihnen aus der Vergangenheit in Erinnerung geblieben?

Liegt lange zurück: Franz Josef Strauß mit seiner Tochter. Oder Edmund Stoiber mit seiner Frau. Frauke Petry mit ihrem Baby. Das Kandidatinnenplakat von Angela Merkel zur Bundestagswahl 2005.

An welche Negativbeispiele erinnern Sie sich?

Ein Negativbeispiel war der Bundestagswahlkampf 2002, CDU und SPD hatten sehr ähnliche Plakate, vor allem das gleiche Blau als Hintergrund, so dass die Zuordnung zur richtigen Partei in Frage gestellt war. Negativbeispiele sind auch die Kandidatenplakate, die in den Wahlkreisen eingesetzt werden, mit immer gleichen Bildern oder gelegentlich auch sehr ungünstigen Porträts.

Und Positivbeispiele?

Joschka Fischer: "Außen Minister. Innen grün" zur Bundestagswahl 2002. Ein interessanter positiver und zugleich negativer Fall: Plakate der SPD zur Europawahl 2009 (mit Hai, mit Föhn, mit Cent-Münze). Mit dem direkten Angriff auf die anderen Parteien handelt es sich um Negativwerbung, die in Deutschland auf Wahlplakaten in dieser Form eher ungewöhnlich ist und kam deshalb in die Kritik. Allerdings waren die Motive auffällig, was zur Gewinnung von Aufmerksamkeit gut geeignet ist.

Was ist der größte Fehler, den Sie bei Wahlplakaten beobachten?

Immer wieder tauchen auch textlastige Plakate auf, um die zu lesen, müsste man stehen bleiben.

In Zeiten von Facebook, Twitter und Co.: Braucht es für einen gelungenen Wahlkampf überhaupt noch Wahlplakate?

Wahlplakate sprechen die breite Öffentlichkeit an, haben vor allem die Funktion, auf die bevorstehende Wahl hinzuweisen, Kandidatinnen und Kandidaten bekannt zu machen. Wahlplakaten auf der Straße ist kaum auszuweichen; wer sich im öffentlichen Raum bewegt, sieht auch Wahlplakate.

Dabei stößt man auch auf Plakate von Parteien, die man nicht kennt. Außerdem sind Wahlplakate das letzte Werbemittel, das man auf dem Weg ins Wahllokal sieht. Die sozialen Netzwerke werden für personalisierte Werbung eingesetzt. Damit entzieht sich diese auch der öffentlichen Diskussion und gegebenenfalls einer Kontrolle bei falschen Behauptungen.

Die Fragen stellte Franziska Rieger.

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