Stadtentwicklung

Kinder erobern ihre Stadt

Seit gestern hat Höchstadt einen Kinderstadtplan. An der Entstehung haben Kinder mit Wort und Tat mitgewirkt. Nun wird er an alle Haushalte verteilt.
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Alle sind stolz auf den neuen Kinderstadtplan: Die Sieger des Malwettbewerbs ebenso wie die Sponsoren und Verantwortlichen. Karina Brock
Alle sind stolz auf den neuen Kinderstadtplan: Die Sieger des Malwettbewerbs ebenso wie die Sponsoren und Verantwortlichen. Karina Brock
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Das aufgeregte Gemurmel legte sich, als Bürgermeister Gerald Brehm (JL) zu sprechen anfing. Der lobte dann auch gleich das "vielversprechende Projekt", an dem die Höchstadter Viertklässler maßgeblich beteiligt waren. Die Rede ist vom Kinderstadtplan, der gestern in der Fortuna Kulturfabrik vorgestellt wurde. Mit dabei natürlich Initiatoren, Sponsoren, Mitwirkende und - nicht zuletzt - die 4. Klassen der Anton-Wölker-Grundschule, der Grundschule Höchstadt Süd sowie der Don-Bosco-Schule. Denn ihnen ist es zu verdanken, dass der Plan mit umfangreichen Einträgen rund um Bewegungs-, Spiel- und Erlebnisorten im Stadtgebiet überhaupt entstehen konnte.


Spannende Streifzüge

Vergangenen Herbst haben die Kinder zusammen mit Bernhard Tessari von Kobra-Kinderpläne Streifzüge durch das komplette Stadtgebiet unternommen. Sie entdeckten Kletterbäume, Wiesen zum Bolzen, Tiere zum Anschauen, Plätze zum Rodeln, Freiflächen zum Drachensteigen lassen und besuchten natürlich auch sämtliche ausgewiesenen Spielplätze. Damit und durch einen zuvor ausgefüllten Familienfragebogen trugen die Kinder gemeinsam mit dem Fachmann viele Informationen zusammen über die "Kinderinfrastruktur" in Höchstadt, die nun in einem Kinderstadtplan zusammengefasst wurden. "Besonders gefallen haben mir - und den Kindern - die vielen Spielstraßen und vor allem die Kletterbäume, die es gibt", berichtete Tessari. In manchen Gemeinden werden gerade solche Bäume gefällt oder zurechtgestutzt - es könnte ja jemand herunterfallen. "Aber das ist doch traurig, eine Kindheit ohne Kletterbäume!" Es dürfe nicht die Angst regieren, vielmehr sei wichtig, dass sich Kinder im Freien bewegen und Lust haben, raus zu gehen. Dazu soll der neue Stadtplan animieren.


QR-Code als Schnittstelle

Auf die Frage, wie viele der Viertklässler bereits ein Smartphone besitzen, gingen gut drei Viertel der Hände im Saal nach oben. "Das hätte ich jetzt nicht gedacht", zeigte sich der Fachmann erstaunt - sah sich aber darin bestätigt, dass man die jungen Leute auch mal von den digitalen Medien weglocken muss. "Trotzdem muss man der Digitalisierung natürlich Rechnung tragen", weshalb der Stadtplan auch im Internet zu finden ist und einen QR-Code trägt. Was ein QR-Code ist, wissen die Kinder ganz genau: "Das sieht aus wie ein Labyrinth und man kann es scannen, um auf eine Homepage zu kommen", erklärte ein Mädchen.


Beteiligung der Kinder ist wichtig

Initiatorin des Projekts war Luitgard Kern vom Gesundheitsamt in Erlangen. "Es ist wichtig, Projekte für die Kindergesundheit zu fördern - am besten mit der Beteiligung der Kinder." Bisher gibt es im Landkreis in Baiersdorf, Eckental und Heroldsberg solche Kinderstadtpläne, mit denen man neue Orte und spannende Spielplätze entdecken kann, die vielleicht auch Alteingesessenen noch nicht bekannt sind. "Wir wollen die Wege zur Bewegung vereinfachen."

Mit eingebunden war natürlich auch die Jugendpflege der Stadt in der Person von Juila Weiland. Sie fand es interessant, die Stadt einmal aus Kindersicht zu betrachten. "Ich selbst habe die Erwachsenensicht und da ich viel mit Jugendlichen zusammen bin auch ein bisschen deren Brille auf. Die Kindersicht war etwas neues für mich."


Mängelliste für den Bürgermeister

Der Stadtplan war aber nicht das Einzige, das bei dem Projekt entstand. Bernhard Tessari überreichte dem Bürgermeister auch ein Bericht, eine Art Mängelliste. "Denn bei all den positiven Dingen, die wir gefunden haben, gab es auch Kritik von den Kindern." Aufgeführt sind zum Beispiel fehlende Fußgängerüberwege, Gefahrenpunkte oder zu wenige Spielmöglichkeiten auf dem Marktplatz. Außerdem wurden Wünsche geäußert nach einer Fußgängerzone in der Innenstadt, nach dem Erhalt frei bespielbarer Grünflächen sowie nach einem schlüssigen Radwegekonzept. "Alles in allem kann man aber sagen, dass wir eine kinderfreundliche Stadt vorgefunden haben - mit einigen Dingen, die man noch optimieren kann", so Tessari. Er ermunterte die Kinder dazu, sich auch weiterhin für ihre Interessen einzusetzen und in ihrer Gemeinde aktiv zu bleiben.


8500 Exemplare

Der Plan, der zunächst mit einer Auflage von 8500 Exemplaren gedruckt wurde, wird nun mit dem Amtsblatt an alle Haushalte verteilt. Auf dass er viele Kinder ermuntert, sich mit Freunden an der frischen Luft zum Toben, Rennen und Klettern zu treffen.


Weitere Infos

Malwettbewerb: Zur Gestaltung des Deckblattes wurde ein Malwettbewerb ausgelobt. Aus den rund 30 Einsendungen wurde die Zeichnung von Maite Gorka (10 Jahre, 4b, GS Süd, "Stadtturm") ausgewählt. Innen im Stadtplan zu sehen sind zudem die Bilder von Leonie Pilsl (10 Jahre, 4b, GS Süd, "Alte Aischbrücke"), Marcel Brown (10 Jahre, 4.1, Don Bosco, "Meine Fantasiestadt"), Amy Pleier (11 Jahre, 4.1 Don-Bosco, "Höchstadt") und Mariella Götze (10 Jahre,4b, GS Süd, "Rathaus").

Sponsoren: Landratsamt mit Gesundheitsregion plus, Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach, AOK, Stadt Höchstadt
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