Adelsdorf
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Keine DNA-Kartei für Hunde in Adelsdorf

Adelsdorfs Bürgermeister folgt rechtlichen Bedenken und will darauf verzichten, Umweltsünder über die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner zu verfolgen.
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Die eindeutigen Schilder reichen in Adelsdorf offensichtlich nicht. Um vor allem die Kinder vor den Hinterlassenschaften der Hunde zu schützen, ist nicht nur dieser Spielplatz an der Oesdorfer Straße auch noch eingezäunt.  Foto: Andreas Dorsch
Die eindeutigen Schilder reichen in Adelsdorf offensichtlich nicht. Um vor allem die Kinder vor den Hinterlassenschaften der Hunde zu schützen, ist nicht nur dieser Spielplatz an der Oesdorfer Straße auch noch eingezäunt. Foto: Andreas Dorsch
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Technisch wäre es kein Problem, den Vorschlag von Grünen-Gemeinderätin Sabine König umzusetzen und eine DNA-Datenbank von den Adelsdorfer Hunden einzurichten. Dann könnten auf öffentlichem Grund liegende Hinterlassenschaften der Vierbeiner schnell einem Hund zugeordnet und dessen Halter zur Kasse gebeten werden. Allerdings spielt der Datenschutz bei solchen Überlegungen nicht mit.

Adelsdorf ist nicht die erste Gemeinde, die die Einrichtung einer Hunde-DNA-Datenbank in Erwägung zieht, um dieses leidige Problem zu bekämpfen. Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) hatte sich mit einer Anfrage an den Bayerischen Gemeindetag gewandt und der meldet rechtliche Bedenken an.

Identifizierung nicht erlaubt

Die Rechtsexperten des Gemeindetags verweisen auf ein Schreiben des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz. Der hat beispielsweise im vergangenen Jahr dem Landratsamt Kitzingen mitgeteilt, dass die Hunde-DNA selbst zwar kein personenbezogenes Datum darstelle. Allerdings reiche es "für die Annahme eines personenbezogenen Datums aus, wen durch eine Hunde-DNA eine natürliche Person direkt oder indirekt identifiziert werden kann". Diese Identifizierbarkeit sei gegeben, wenn die ermittelte Hunde-DNA einem in der Datenbank gespeicherten Hund und der wiederum einem bestimmten Halter zugeordnet werden kann.

Den Experten des Gemeindetages erscheint es zudem fragwürdig, "ob der mit einer solchen Datenbank verbundene Aufwand, mit Blick auf den durch einige ignorante Hundehalter und den Hinterlassenschaften derer Hunde verursachten Schaden, tatsächlich verhältnismäßig ist".

Teil des täglichen Betriebs

Die Erstellung eines DNA-Profils für einen Hund gehört beispielsweise für den Molekularbiologen Hubert Bauer zum fast "täglichen Betrieb". Der Biologe arbeitet in der Genetik-Abteilung der Firma Laboklin, einem Labor für klinische Diagnostik in Bad Kissingen. Für die Erstellung eines DNA-Profils müssen Kunden hier 42 Euro bezahlen. Soll dieses Profil mit einem zweiten abgeglichen werden, wären um die hundert Euro fällig. Würde eine ganze Gemeinde ihre Hunde bestimmen lassen, wären die Sätze natürlich günstiger. Würde eine Gemeinde eine solche Hunde-DNA-Datenbank anlegen wollen, sollte die im Labor geführt werden, schlägt Bauer vor. Dann habe man zu Vergleichsproben gleich die Referenzdaten. Bei Proben und Daten könnte man mit Nummern arbeiten.

In Deutschland sind dem Biologen bisher noch keine Hunde-DNA-Datenbanken ganzer Gemeinden untergekommen. Allerdings kenne man in der Branche Referenzprojekte aus Spanien. Bauer verhehlt nicht, dass eine solche Datenbank einen logistischen Aufwand bedeuten würde. Dann gäbe es noch Hunde aus dem Nachbarort, deren DNA nicht erfasst ist.

Bürgermeister Fischkal hat jetzt erst einmal entschieden, die Sache für Adelsdorf nicht weiter zu verfolgen. Neben den rechtlichen Bedenken gegenüber einer DNA-Erfassung stehe für ihn auch der Verwaltungsaufwand nicht im Verhältnis. In bestimmten Bereichen im Ort, besonders auf kleinen Grünflächen, sollen jetzt stachelige Bodendecker angepflanzt werden.

Ansonsten appelliert Fischkal an die Vernunft der Hundehalter. Die Gemeinde habe bereits Schilder aufgestellt und Kinderspielplätze eingezäunt. Und schließlich gibt es noch die speziellen Plastiktüten, die gefüllt als Restmüll entsorgt werden können. Wer Plastik ablehnt, könne ja auch Papiertüten verwenden, sagt der Bürgermeister.

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