Höchstadt a. d. Aisch
Zuversicht

Keine Angst vorm Aischpark-Center

Geschäftsfrauen sehen mit Service, Fachkompetenz und Kundennähe für ihre Läden in der Höchstadter Innenstadt trotz des Einkaufszentrums eine Zukunft.
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Josée Spénard erwartet für ihr Fachgeschäft in der Innenstadt positive Impulse durch das Einkaufszentrum am Stadtrand.  Foto: Andreas Dorsch
Josée Spénard erwartet für ihr Fachgeschäft in der Innenstadt positive Impulse durch das Einkaufszentrum am Stadtrand. Foto: Andreas Dorsch
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Wer weiß eigentlich, dass es bei BHs über 90 verschiedene Größen gibt? Die Stammkunden von Josée Spénard dürften davon eine Ahnung haben. Die seit 18 Jahren in Höchstadt lebende Kanadierin betreibt in der Innenstadt das Dessous-Fachgeschäft "klein & fein" und hat keine Angst vor Umsatzeinbruch, wenn im Herbst das Aischpark-Center eröffnet.

Das künftige Einkaufszentrum am Stadtrand mit 25 Fachmärkten sieht Spénard nicht als Konkurrenz für die von ihren Inhabern geführten Fachgeschäfte in der Innenstadt. "Die Kunden kommen wegen mir und meiner Ware", sagt die in Kanada zur Bekleidungstechnikerin ausgebildete Geschäftsfrau. Viele Kundinnen seien dankbar, dass sie nicht mehr nach Erlangen oder Nürnberg fahren müssen, um sich passende Dessous zu kaufen.


Gebummelt wird in Höchstadt

Am 6. Juni feiert Spénard Fünfjähriges in ihrem kleinen Fachgeschäft. Von Jahr zu Jahr ist der Umsatz gestiegen. Als "sehr positiver Mensch, der auch positiv denkt", ist sie überzeugt, dass es weiter aufwärts geht. Früher sind die Frauen zum Bummeln in die nahen Großstädte gefahren, mit dem Aischpark-Center werden sie auch in der Höchstadter Innenstadt bummeln.

Auf persönliche Ansprechpartner, Individualität und guten Service setzt auch Ute Schmidhuber in ihrem Zigarrenhaus Riegler. Vor dem neuen Einkaufszentrum ist auch ihr nicht bange: "Angst und Pessimismus sind für Selbstständige ein schlechter Ratgeber."

Schmidhuber engagiert sich schon seit Jahren für mehr Leben in der Höchstadter Innenstadt. Zusammen mit Ehemann Thomas hat sie das Sortiment des früheren Tabak- und Zeitschriftenladens kräftig erweitert und viele neue Stammkunden gewonnen. Einen Teil auch über das Online-Geschäft, dem sich einerseits Geschäftsleute heute nicht mehr verschließen können, das aber auch seine kritischen Seiten hat.

"Die Bürger wünschen sich in der Höchstadter Innenstadt viele kleine Geschäfte. Dann müssen sie diese aber auch nutzen und dürfen nicht den bequemen Weg über den Online-Einkauf wählen", sagt die Geschäftsfrau. Die Leute sollten sich vorher überlegen, was sie für eine Innenstadt haben möchten und wo ihr Einkaufsverhalten hinführt. Das sei besser, als erst dann zu klagen, wenn die Läden nicht mehr da sind.

Ute Schmidhuber verhehlt aber auch einen Punkt nicht, der für jeden aufmerksamen Passanten in Höchstadts Innenstadt offensichtlich ist: "Viele Hauseigentümer sind seit Jahren nicht bereit, in ihre Läden zu investieren." So manche Ladenflächen genügen längst nicht mehr modernen Anforderungen und Ausstattungen. "Sehr schade" findet das Schmidhuber.

Sie selbst hat erst jetzt wieder kräftig in eine neue Fassade an ihrem Geschäftshaus investiert. Auch in der Nachbarschaft werden Häuser herausgeputzt. In die leeren Läden müsse wieder Leben einziehen. Dabei sei "alles besser als Leerstand".


Nur ein mulmiges Gefühl

Zu ihrem Standort am Vogelseck steht auch Christine Lettenmeier. Die Inhaberin des Biomarktes Biolett hat dieser Tage erst 5000 Euro in eine neue Kaffeemaschine aus Italien investiert. Sie möchte ihren Kunden immer etwas Besonderes bieten, wie jetzt die Kaffeespezialitäten aus einer Siebträgermaschine.

Angst davor, dass ihr das neue Einkaufszentrum Kunden abziehen könnte, hat sie "eigentlich nicht". Sie hätte nur ein mulmiges Gefühl, wenn aus der Innenstadt ein Laden nach dem anderen weggehen würde. Denn mit jedem Laden würden die verbleibenden Geschäfte potenzielle Kunden verlieren.

Vier Jahre betreibt Lettenmeier inzwischen ihren Biomarkt am Vogelseck und die Entwicklung geht weiter kontinuierlich nach oben. Positiv haben sich dabei die durch die Umgestaltung neu geschaffenen Parkplätze vor der Ladentür ausgewirkt.
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