Herzogenaurach
Wandern in Franken

Kein Wald vor lauter Schildern

Jeder Wanderer sieht und kennt sie. Aber was die kleinen Schilder an Wanderstrecken wirklich bedeuten, ist nicht immer bekannt.
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Nicht immer sind die Zeichen gut lesbar für den Wanderer, das Gefühl einer Schnitzeljagd beginnt.  Foto: Michael Busch
Nicht immer sind die Zeichen gut lesbar für den Wanderer, das Gefühl einer Schnitzeljagd beginnt. Foto: Michael Busch
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"Wir laufen heute Japan!" Der sechsjährige Niklas erfährt ein zustimmendes Nicken seiner Eltern. Keine Verbesserung, dass ein "nach" oder "in Richtung" vor Japan fehlt, kein Hinweis darauf, dass es vielleicht ein wenig weit ist. "Wir laufen heute Japan", bestätigt auch Ralph Schneider, Vater des mit Wanderschuhen ausgerüsteten Buben. Mit einem Fingerzeig auf ein weißes Schild mit einem roten Punkt in der Mitte erfolgt die Erklärung. Die Erklärung warum die Familie "Japan" läuft und an einem Parkplatz zwischen Nürnberger Flughafen und Kalchreuth, mitten im Wald, startet.

Wanderschildchen sind dem aufmerksamen Wanderer durchaus bekannt. In der Regel im Umfeld von Weggabelungen oder Kreuzungen sind sie angebracht, manchmal an Wegen, die sich endlos ziehen, um den Hinweis zu geben: Wanderer, du bist noch richtig! In der Regel sind es kleine spielkartengroße Schilder, auf denen eine simple geometrische Figur einen Weg kennzeichnet.

Ringe und Balken als Hinweis

Der Deutsche Wanderverein kann mit diesen Schildern leben, wünscht sich aber eine Vereinheitlichung. Denn: Derzeit gibt es keine bundesweite Regelung zur Beschilderung von Wanderwegen in Deutschland. Das führe, so der Verein, zu einer unüberschaubaren Vielfalt an Kennzeichnungen und Wegweisern unterschiedlicher Qualität. Es finden sich besagte Schilder ebenso wie Holzpfeile mit Ziel und Kilometerangaben, es finden sich unterschiedliche Farbgebungen und es finden sich aufwendig gestaltete, wenn es sich letztlich um Werbetafeln handelt.

Am häufigsten werden die Schilder benutzt, auf denen farbige Punkte oder Striche - Balken - den Weg kennzeichnen. Nils erfährt auf dem Weg nach Japan Erstaunliches: "Die mit Kreisen gekennzeichneten Strecken sind in der Regel Rundwege, die Balken sind in der Regel Touren, die nicht unbedingt am Ausgangspunkt enden müssen."

Geheimzeichen der Waldler

Nicht verwechseln darf man die Zeichen der Forstwirtschaft mit den Wegweisern. Striche, Punkte, Pfeile, Zahlen - was aussieht wie eine großangelegte Schnitzeljagd, sind Zeichen der Forstwirtschaft. Die Bepflanzung wird auf diese Weise mitgeteilt. Ein grünes "Bu" mit Pfeilen nach rechts und links heißt, dass hier die Buche gepflanzt werden soll. Ein buntes Bändchen oder ein Farbtupfer weisen darauf hin, dass dieser Baum gefällt werden soll, meist um einen Baum, der weiter wachsen soll, den entsprechenden Raum zu schaffen. Ein schräger Strich und ein "R" weisen auf die Rückegasse hin. Denn einfach nur Bäume umhauen und das Holz aus dem Wald ziehen, funktioniert nicht. Eine systematische Anlage der sogenannten Rückegassen ist wichtig. Andere Zeichen weisen auf den nächsten Hochsitz hin, auf einen Biotopbaum, auf den Jagdtrakt und auf Bestands-, Abteilungs- oder Besitzgrenzen.

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