Höchstadt a. d. Aisch
Tierschutz

Junge Grüne protestieren gegen Massentierhaltung

Mit einer Aktion gegen Massentierhaltung prangerten die Jungen Grünen am Mittwoch in Höchstadt die Massentierhaltung an. Sie fordern eine artgerechte Tierhaltung.
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Gegen Massentierhaltung: Der stellvertretende Landrat Manfred Bachmeyer verkleidete sich für die Aktion als Schwein.  Fotos: Sabine Herteux
Gegen Massentierhaltung: Der stellvertretende Landrat Manfred Bachmeyer verkleidete sich für die Aktion als Schwein. Fotos: Sabine Herteux
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Wer am Mittwochvormittag auf dem Marktplatz in Höchstadt unterwegs war, traute vielleicht seinen Augen nicht, als er direkt vor dem Rathaus plötzlich eine Kuh, ein Schwein und einen Hahn in trauter Einigkeit nebeneinander stehen sah. Eingepfercht hinter einem kleinen, engen Zaun. Bedroht von einer riesigen Spritze voller Antibiotika. Ein "Muh" oder ein "Oink oink" oder gar ein "Kikeriki" gaben die Tiere zwar nicht von sich. Etwas zu sagen hatten sie aber trotzdem. Auf Schildern machten sie ihrem Ärger Luft. Zu lesen waren darauf Forderungen wie "Tierfabriken abschalten" oder "Massentierhaltung ist Scheiße".

Die Jungen Grünen gaben den betroffenen Tieren am Mittwoch eine Stimme. Und ihren Körper. Verkleidet machten Larissa Bachmann, Moritz Zeising und Christian Zwanziger auf das Problem Massentierhaltung aufmerksam. Das beste Wetter hatten sie sich dazu allerdings nicht gerade ausgesucht. Nicht nur, weil kein Fell trocken blieb. Sondern vor allem, weil sich bei diesen Regen-Ergüssen kaum ein Mensch in der Innenstadt aufhielt. Seit drei Wochen sind die Jungen Grünen schon als Kuh, Schwein und Hahn unterwegs. Überall in Bayern. Auch bei uns in der Metropolregion. Nürnberg, Erlangen, aber genauso Ansbach und Rothenburg. "So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen", fordert Larissa Bachmann, während sie sich ihre schwarz-weißen Kuhohren auf den Kopf setzt.

Alternativen schaffen

Auch Manfred Bachmeyer (Die Grünen), stellvertretender Landrat und Kreisrat, stellte sich mit den jungen Kollegen in den Regen und stülpte sich - nicht nur wegen des Wetters - den Schweinekopf über. Er will mit einer ökologischen Landwirtschaft eine Alternative zur industriellen Massentierhaltung schaffen. "Großbetrieben, wie dem Schlachthof in Wachenroth, sollten die Subventionen entzogen werden. Damit könnten wir erreichen, dass sie aus dem Markt verdrängt werden", findet Bachmeyer. Eine Bio-Schweinezucht wie beispielsweise auf dem Landgut Schloss Hemhofen sollte stattdessen die Zukunft sein. "Hier werden die Schweine artgerecht gehalten und haben alle genug Platz", lobt Bachmeyer.

Nicht zu vergessen die Gesundheit von uns Menschen. Antibiotika, Wachstumshormone und andere Zusatzstoffe werden Tieren in Massentierhaltung ihr Leben lang verabreicht. "Wie viele Medikamente allein schon im Grundwasser gefunden wurden. Unser Körper kann sich daran gewöhnen und das kann gefährlich werden", warnt der Politiker.

Zu viele Karpfen im Gewässer

Der grüne Bundestagskandidat Ernst Rappold sieht die Tierhaltung auch bei dem einen oder anderen Karpfenzüchter als nicht ganz artgerecht an. Manche würden auf einem einzigen Hektar 100 Karpfen halten - obwohl nur 50 bis 60 der Tiere vom Gewässer ernährt werden könnten. Dazu kommt der Einsatz von Anitbiotika. "Das ist auch eine Form von Massentierhaltung", sagt Rappold.

Deswegen auf Fisch oder Fleisch zu verzichten, fordert der Kandidat allerdings nicht. Er isst selbst gerne Karpfen. Und er mag Fleisch, wenn auch nur Bio-Fleisch. Der von den Grünen geforderte "Veggie-Day" wurde in der Öffentlichkeit seiner Meinung nach völlig falsch verstanden. "Der Veggie-Day war von uns nicht als Zwang oder Muss gemeint, sondern ist lediglich eine Empfehlung", erklärt er. Vorstellen könnte er sich aber zumindest einen fleischfreien Tag pro Woche in öffentlichen Kantinen.

Doch bei aller Liebe für die Tiere - irgendwann wurde es auch den Jungen Grünen auf dem Marktplatz etwas zu feucht. Also schlüpften sie aus ihren inzwischen pitschnassen Tierkostümen wieder heraus, stiegen aus der kleinen Umzäunung und klappten sie zusammen. Das würden sich die betroffenen Tiere bestimmt auch manchmal wünschen.






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