Großenseebach
Mitbestimmung

Jugendkonferenz: Kein Zutritt für Erwachsene

Die erste Jugendkonferenz in Großenseebach fand ein großartiges Interesse. An mehreren Tischen erarbeiteten sich die jungen Menschen Wünsche und Ziele.
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Die Kinder schrieben auf die Tischdecken, was ihnen zu bestimmten Fragen einfiel.  Fotos: Richard Sänger
Die Kinder schrieben auf die Tischdecken, was ihnen zu bestimmten Fragen einfiel. Fotos: Richard Sänger
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So lebhaft geht es im Sitzungssaal des Großenseebacher Rathauses selten zu. Knapp 50 Kinder und Jugendliche folgten der Einladung zur ersten Jugendkonferenz der Gemeinde Großenseebach zum Workshop "World Café", und sogar einen DJ hatten die Jugendlichen mitgebracht.

Mit der Jugendkonferenz gibt es ein Instrument, um zum einen Jugendliche zu Wort kommen zu lassen, damit sie ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern können. Zum anderen wird eine Möglichkeit geboten, diese den politisch Verantwortlichen näher zu bringen. So fassten die Organisatoren die Zielsetzung zusammen. Denn wer kennt die Bedürfnisse der Jugendlichen besser als sie selbst?

"Viele junge Menschen haben Interesse an Politik. Aber ihnen wird nur selten die Chance gegeben, bei Entscheidungen mitzureden und mitzubestimmen", zeigte sich Moderatorin Carina Geist überzeugt.

Mit einem solchen Ansturm hatten Bürgermeister Bernhard Seeberger (FW) und Carina Geist, Gemeinderätin und Mitinitiatorin von MFG (Miteinander für Großenseebach), allerdings nicht gerechnet und es mussten weitere Stühle herangeschafft werden. "Nix los in Großenseebach?", hieß das Motto des Abends und die jungen Menschen konnten an drei Thementischen, mit jeweils einer Moderatorin oder einem Moderator, ihre Vorschläge und Wünsche zu Papier bringen. Auch war klar, dass es während des Workshops keinen Zutritt für Erwachsene gab, denn die Teilnehmer sollten sich ohne "Einflüsterung" äußern können.

Lange überfällig

Bürgermeister Bernhard Seeberger und Organisatorin Carina Geist ermutigten die jungen Teilnehmer, sich aktiv in ihre Gemeinde einzubringen und auch die vorhandenen Strukturen zu nutzen.

"Diese Jugendkonferenz war schon lange überfällig, schließlich soll die Jugend zu den Entscheidungen, die sie betreffen, gehört werden, mitreden und mitbestimmen dürfen", erklärte Carina Geist zu Beginn der Veranstaltung. "Heute dürft ihr mal das, was ihr sonst nicht dürft, nämlich auf der Tischdecke schreiben", meinte sie schmunzelnd und wies darauf hin, dass sie genügend solcher Tischdecken aus Papier vorrätig habe.

Eifrige Diskussionen

"Ich bin begeistert, wie lebendig Demokratie funktioniert und wie motiviert die jungen Teilnehmer sind", freute sich Bürgermeister Bernard Seeberger zur Begrüßung. Ihm sei wichtig, dass auch Erwachsene ihren Teil dazu beitragen müssen, dass Themen so aufbereitet werden, dass Jugendliche ein Interesse entwickeln und ihre Verantwortung wahrnehmen können.

Der Bürgermeister erinnerte an die Workshops zur Fortschreibung des Flächennutzungsplanes, wo sich die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde ebenfalls an Thementischen mit der Zukunft der Gemeinde beschäftigten und Wünsche sowie Vorschläge erarbeiteten. Der Bürgermeister versprach den Jugendlichen, dass das Ergebnis der Jugendkonferenz und deren Wünsche sowie Anregungen, auch wenn sich nicht alles erfüllen lassen werde, zu den Entscheidungsträgern, also in den Gemeinderat gelangen.

"Erst die Arbeit, dann das Vergnügen", erklärte die Moderatorin Carina Geist, denn nach der Auswertung gab es Pizza für alle und wer wollte, konnte der Freiwilligen Feuerwehr im Erdgeschoss noch einen Besuch abstatten. Ein Gong gab das Startzeichen für den Abend. "Ich finde es gut, dass wir gehört werden, auch wenn nicht alle Wünsche Gehör finden werden", kommentierte die zwölfjährige Lena den Abend im Sitzungssaal.

An den Tischen wurde eifrig diskutiert und bis zum Gong, also dem Tischwechsel, waren die Tischdecken beschriftet. An einem Tisch wurde die Frage gestellt, was Großenseebach braucht, am nächsten hieß es "Was können wir uns von anderen Orten abschauen" sowie wieder an einem anderen: "Wenn ich einen Tag lang Bürgermeister in Großenseebach wäre, würde ich ...". Zu allen Fragen wurden ganz konkrete Wünsche und Ideen geäußert: Diese reichten zum Beispiel von einer Dönerbude, einem Basketballkorb, freiem WLAN an der Bushaltestelle bis zu einem Jugendtreff und einer besseren Ausrüstung der Feuerwehr. Aber auch ein Bäcker und ein Café oder Eisdiele sowie ein Einkaufladen, Sitzbänke im Wald und eine Skaterbahn sowie besseres Internet stand auf den weißen Tischdecken geschrieben.

Es bleibt abzuwarten, welche Antworten dazu aus dem Gemeinderat kommen. Der Wunsch nach einem Freibad, Dirtpark, keine Schule, zweite Sporthalle und ein Pfad der Sinne dürfte wohl unerfüllt bleiben. Aber Carina Geist versprach, dass es eine zweite Jugendkonferenz geben werde und dann über die Entscheidungen des Gemeinderates diskutiert werden könne.

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