Reuth
Jubiläum

Jubiläum in Reuth: Marienkapelle feiert Geburtstag

Die Marienkapelle in Reuth feierte am Sonntag ihr 20-jähriges Bestehen. Weihbischof Herwig Gössl kam eigens angereist, um den Gottesdienst mitzufeiern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Weihbischof Herwig Gössl (Zweiter von rechts) kam zum Jubiläum in die Marienkapelle, um gemeinsam mit Pfarrer Johannes Saffer einen Festgottesdienst abzuhalten.  Fotos: Manfred Welker
Weihbischof Herwig Gössl (Zweiter von rechts) kam zum Jubiläum in die Marienkapelle, um gemeinsam mit Pfarrer Johannes Saffer einen Festgottesdienst abzuhalten. Fotos: Manfred Welker
+1 Bild

Was macht ein Ort, wenn ihm die Mitte fehlt? Die Bewohner von Reuth bei Weisendorf entschlossen sich, eine Kapelle zu bauen, die am 1. August 1999 eingeweiht wurde. Zum 20-jährigen Jubiläum kam der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl, ehemals Pfarrer in Hannberg, nach Reuth, und feierte gemeinsam mit Pfarrer Johannes Saffer und vielen Reuthern einen Gottesdienst.

Die Anfänge des Kapellenbaus liegen aber noch weitere Jahre zurück. Bereits 1990 wurde in Reuth der Bau einer Kapelle ins Auge gefasst. Am 4. Dezember 1992 nahm das Vorhaben konkrete Formen an. Bei einer Versammlung beschlossen aus diesem Grund 30 Einwohner in der ehemaligen Gastwirtschaft Kreiner die Gründung eines Vereins. Hauptziel war der Bau einer Kapelle, in deren Untergeschoß gemeinschaftliche Zusammenkünfte möglich sein sollten.

Zu den Vorsitzenden wurden Georg Seitz und Georg Mayer gewählt, als Schriftführer fungierte Peter Nowak, der Kassier war Gerhard Kreiner. Der Verein wurde am 3. November 1993 in das Vereinsregister eingetragen. Als geeigneter Standort kristallisierte sich der Rand des Dorfweihers heraus. Die Baupläne für die Kapelle wurden 1998 eingereicht, im gleichen Jahr erfolgte die Genehmigung.

Der Bau beginnt

Am 29. Mai 1998 begannen die Reuther mit den Erdarbeiten, die Grundplatte konnte am 10. Juni betoniert werden, sodass am 15. Juli die Maurerarbeiten begannen. Am 8. August wurde der Dachstuhl aufgerichtet und das Richtfest gefeiert. Die Rohbauarbeiten schlossen die Reuther im gleichen Jahr ab. Im Frühjahr des Jahres 1999 erfolgten die Installations- und Putzarbeiten, der Einbau des Bodens und der Decke. Zahlreiche Bewohner von Reuth waren dabei, als am 18. Juni 1999 in Heilbronn die Glocke für die Kapelle gegossen wurde.

Im Sommer 1999 gestalteten sie die Außenanlagen, außerdem wurden die Fenster, die Kirchenbänke und der Altar eingebaut. Für ihre Kapelle leisteten die Reuther 2.800 freiwillige Arbeitsstunden und unterstützten das Bauvorhaben mit Sachmitteln und finanziellen Spenden.

Ihre Kapelle widmeten die Ortsbewohner der Gottesmutter Maria. Am 1. August 1999 wurde die Kapelle durch Prälat Klemens Fink feierlich eingeweiht. Unterstützt wurde er dabei von den Pfarrern Herwig Gössl, Leo Mayer, Franz Noppenberger und Reverend James Nangachiveettil. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Kirchenchor der Pfarrei St. Josef in Weisendorf und der evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Dieter Schmerler. Im Anschluss an die Weihe feierten die Reuther gemeinsam mit ihren Gästen den Kapellenbau. Durch die Gottesdienste und die Möglichkeit zum gemeinschaftliche Treffen ist die Marienkapelle inzwischen ein fester Bestandteil von Reuth geworden.

Das 20-jährige Jubiläum feierten die Bewohner von Reuth am ersten Augustsonntag des Jahres 2019 mit einem Gottesdienst. Da die Kapelle nicht alle Gläubigen aufnehmen konnte, verfolgten viele die Feier im Festzelt oder davor. Denn neben den Einwohnern von Reuth waren auch zahlreiche Gäste aus den Gemeinden des Seelsorgebereichs gekommen.

Ein Ort des Gebetes

Für Herwig Gössl ist die Kapelle kaum gealtert, wie er in seiner Begrüßung feststellte. Die Reuther wollten damals einen Ort des Gebetes und der Einkehr, um die Verbindung mit Gott aufnehmen zu können.

In seiner Predigt thematisierte Gössl, dass Kinder häufig "Haben wollen!" sagen. Handle es sich bei Kindern noch um ein kleines Schatzkästlein, so wären es bei den erwachsenen "Jägern und Sammlern" eher Bankkonten oder Fonds, um der Unsicherheit, wie es weiter geht, gegenzusteuern. Diese Vorsorge könne allerdings auch krankhafte Züge annehmen, ein "Haben wollen und immer mehr haben wollen!"

Vorsorge sei wichtig, stellte Gössl fest, genauso wie Rücklagen zur Abfederung einer wirtschaftlichen Rezession. Das Gegenteil sei dagegen zwanghaft und nehme uns gefangen, es sei Selbstbetrug, denn das Hamsterrad drehe sich immer schneller. Außerdem komme der Bezug zu Gott abhanden. "Niemand kann ein erfülltes Leben führen ohne Gott!" zeigte sich Gössl überzeugt. "Ohne Gott wird das Leben zur Hölle des Luxus!"

Die hervorstechendsten Gebäude unserer Zeit seien die Konsumtempel, dagegen sei die Kapelle in Reuth Stein gewordenes Gebet und weise nach oben zu Gott. Mit der Aussage: "Tröstlich, dass die ersten Worte von Kindern Mama und Papa sind, auf dieser Basis können wir später wieder aufbauen!", schloss Gössl seine Predigt.

Nach dem Gottesdienst konnten die Anwesenden zum Frühschoppen in Reuth verweilen, auch für das Mittagessen war gesorgt.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren