Untermembach
Brauchtum

Johann Heilmann hat die Maienruten der Untermembacher Kerwa im Griff

Ein handwerklich begabter Untermembacher sorgt seit 30 Jahren dafür, dass beim Raustanzen die Maienrute den Kerwaburschen gut in der Hand liegt. Fast alles, was er dafür braucht, kommt aus der Natur.
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Johann Heilmanns Frau Johanna hilft ihm beim Flechten. Foto: Manfred Welker
Johann Heilmanns Frau Johanna hilft ihm beim Flechten. Foto: Manfred Welker
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Herbstzeit ist in unserer Region Kerwazeit. Einer, der dafür sorgt, dass auf der Kerwa in Untermembach die Bräuche gepflegt werden können, ist Johann Heilmann. Er stellt jedes Jahr die Maienrute für das Raustanzen her.

Denn bei vielen fränkischen Kerwas ist die Maienrute beim Raustanzen ein unentbehrliches Utensil. Damit sie aber auch annehmbar aussieht, muss sie einen schönen, geflochtenen Griff haben. Johann Heilmann ist in Untermembach dafür zuständig. Bereits 30 Mal stellte er sein handwerkliches Geschick zur Verfügung, seit in Untermembach im Jahr 1984 die Kerwa neuerer Zählung wieder anfing.

Zuvor hatte Christof Nagel aus Untermembach, der auch Bürgermeister in Heßdorf war, das Griffstück der Rute für die Kerwaburschen geflochten. Als die erste Kirchweih neuerer Zählung anlief, war Benno, der Sohn von Johann Heilmann dabei.
Gemeinsam mit den anderen Kerwaburschen suchte er jemanden, der diese Aufgabe übernehmen konnte, und animierte seinen Vater dazu. Wie der Griff aussehen soll, hatte er sich auf einem alten Bild abgeschaut.

Hilfe von der Ehefrau

Am Morgen des Kerwamontags holt Heilmann im Waldstück Hegenig einen Birkenzweig. Schön gerade gewachsen und gut belaubt muss er sein. "Er soll ja wos gleichseng", meint er nur, und seine Frau nickt. Denn ganz allein geht es nicht, beim Flechten wird er von ihr unterstützt.

Heilmann ist für die Unterstützung seiner Frau Johanna, einer geborenen Linsenmeyer aus Heßdorf, beim Flechten dankbar. Beide haben in ihrer Jugend zwei Mal miteinander bei der Kerwa in Untermembach rausgetanzt. "Die Ehe hat gehalten", sagen beide fränkisch lapidar.

Zuerst werden die Äste bis auf eine schöne Krone entfernt und der Schaft der Rute geglättet. Alles, was übersteht, wird mit dem Messer beseitigt. Danach müssen die gelben Blätter abgezupft werden, und dann umrollt Heilmann den Stiel mit Zeitung, damit der Griff eine schöne Wölbung erhält.

Weiden in der Nähe des Hauses

Als Werkzeug benötigt der Untermembacher eine Gartenschere, ein scharfes Messer und einen Pfriem. Zum Befestigen werden die Weidenruten per Druckluft mit Klammern befestigt, was aber am fertigen Stück nicht mehr zu sehen ist. Das ist das einzige Zugeständnis an moderne Technik. Genauso wichtig und gefragt sind die Geschicklichkeit und das Augenmaß von Heilmann.

Für seinen ersten Versuch nahm er vor 30 Jahren Weidenruten und spaltete sie auf Viertel, um aus diesen dann den Griff zu flechten. Die Weiden wachsen auch heute noch nahe des Hauses an einem Graben. Diese muss er alljährlich im Herbst "köpfen", damit sie im Frühjahr schlanke Ruten austreiben.

Weiden verwendet Heilmann auch jetzt noch für die Längsrippen, die aber inzwischen mit Peddigrohr umflochten werden. Das Peddigrohr, ein Produkt der Rattanpalme, wird für mindestens eine halbe Stunde in Wasser eingeweicht und dadurch weich und elastisch zum Flechten. Das Material holt sich Heilmann in Michelau bei Lichtenfels, wo sich ein Auslieferungslager für die Korbflechter in dieser Region befindet.

Lage über Lage

Wichtig ist auch eine ungerade Zahl der Längsrippen aus Weiden, damit die Windungen beim Flechten versetzt angeordnet sind. "Man kommt selber drauf, wenn man es macht", erklärt er. Die Stücke aus Peddigrohr sind gut zwei Meter lang und müssen daher beim Flechten des Griffs gestückelt werden. Eine Kunst ist das Ansetzen der neuen Stücke, damit man es nicht sieht. Lage über Lage wird eingeflochten, und langsam beginnt sich der Griff herauszubilden.

Zum Schluss flicht Heilmann einen Draht mit einer Öse ein, zum Durchziehen des Peddigrohrendes in den Griff, damit man das Ende nicht mehr sieht. Ein mit eingeflochtenes Stück Weide sorgt für den nötigen Durchlass. Wenn alles fertig ist, geben die grünen Weidenruten in Längsrichtung und das Peddigrohr dem Griff einen guten Kontrast.

So gerüstet konnten die Burschen an der Kerwa in Untermembach auch heuer wieder einen schönen Griff an der Maienrute haben. Denn Ehefrau Johanna schmückt den Schaft der Rute mit Blumen aus dem Garten, bevor die beiden das gute Stücke zum Platz bringen. Auch für Heßdorf hat Heilmann schon einmal mit einem Griff für die Maienrute ausgeholfen. Aber zuständig fühlt er sich eigentlich für Untermembach.
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