Gremsdorf
Planung

"Jede Ortsumgehung hat immer 50 Prozent Gegner"

Die B-470-Umgehung für Gremsdorf ist beschlossen. Jetzt wird über die beiden möglichen Trassenführungen diskutiert. Die Süd-Variante ist favorisiert.
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In der Hauptstraße in Gremsdorf herrscht fast rund um die Uhr dichter Verkehr. Für die Anwohner inzwischen eine unerträgliche Belastung.  Foto: Andreas Dorsch
In der Hauptstraße in Gremsdorf herrscht fast rund um die Uhr dichter Verkehr. Für die Anwohner inzwischen eine unerträgliche Belastung. Foto: Andreas Dorsch
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Dass Gremsdorf seine seit Jahren geforderte Ortsumgehung bekommt, ist inzwischen so gut wie sicher. Die Frage ist nur, ob die B 470 künftig im Süden oder im Norden um den Ort herumgeführt wird. Aus der derzeit laufenden Grundlagenermittlung lässt sich für Andreas Eisgruber, den stellvertretenden Leiter des Staatlichen Bauamts in Nürnberg, schon eine Tendenz erkennen. Danach hätte die Südumgehung leichte Vorteile. Entschieden ist aber noch lange nichts.

"Jede Ortsumgehung hat immer 50 Prozent Gegner", berichtet Eisgruber aus seiner langjährigen Erfahrung. Ein Gegner der Gremsdorfer Süd-Variante ist Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Die Südumgehung sei für Höchstadt keine Alternative, stellt Brehm fest. Die Stadt Höchstadt möchte ihren Flächennutzungsplan ausweiten und plant am Galgenberg eine Erweiterung des Wohngebietes und im unteren Bereich an der B 470 Gewerbe. Würde die Südumgehung zwischen dem Gremsdorfer Gebiet Hausäcker und dem Höchstadter Galgenberg hindurchführen, ließen sich die Pläne der Stadt Höchstadt wohl kaum realisieren.

Brehm erinnert daran, dass alle drei Varianten - neben der Nord- und Südumgehung auch eine Untertunnelung - "auf Augenhöhe" untersucht werden sollten. Mit großer Verwunderung habe er jetzt erfahren, dass in der Bundesverkehrswegeplanung genau diese Süd-Variante favorisiert wird. So habe sich das die Stadt Höchstadt nicht vorgestellt, klagt Brehm.

Ihm wäre viel lieber eine Nordumgehung durchs Aischtal. Eine solche Variante brächte einen weiteren Aischübergang und es wäre eine direkte Anbindung des Gewerbegebietes Aischpark und des neuen Einkaufszentrums möglich, für das allein bis zu 6000 Fahrzeuge am Tag erwartet werden. Im Juni soll der Höchstadter Stadtrat zur Gremsdorfer Ortsumgehung Stellung beziehen.

Gremsdorfs Bürgermeister Norbert Walter (CSU) möchte für seine Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt beide Varianten offen halten. Mit Blick auf die gewünschte Änderung des Höchstadter Flächennutzungsplanes im Gebiet Galgenberg sagt Walter: "Wir können jetzt keinem Hemmschuh zustimmen, der eine Variante blockiert." Allerdings wolle man Höchstadt auch nicht auf Dauer Steine in den Weg legen.

Die Nord- und Südvariante seien jetzt nach Berlin gemeldet und würden untersucht. Eine Untertunnelung der Hauptstraße ist für Gremsdorfs Bürgermeister kein Thema: "Die würde nur den Durchgangsverkehr wegbringen." Ansonsten brächte sie für den Ort keine Entlastung, im Gegensatz zu den beiden Umgehungsvarianten. Nun laufe erst einmal die Vorplanung mit der Grundlagenermittlung und der Berechnung der Verkehrsströme. Walter erinnert aber auch daran, dass die Regionalplanung die Süd-Variante enthält. Für das spätere Raumordnungs- und das Planfeststellungsverfahren brauche man ohnehin eine Alternative.

Der Bundestag habe den Bedarfsplan beschlossen und der enthält eine Ortsumgehung für Gremsdorf. Dabei greife der Bund aber nicht den weiteren Planungsschritten vor, sagt Andreas Eisgruber. Seine Behörde habe jetzt den Auftrag, eine genehmigungsfähige Planung zu schaffen. Zur Bewertung seien mit der Nord- und Südumgehung zwei Varianten angemeldet.

Der stellvertretende Amtsleiter sieht die Ortsumgehung Gremsdorf am Anfang des Planungsstadiums. Dabei müsse die Flächennutzungsplanung aber auch die Bundesplanung beachten, sagt Eisgruber. Es soll ein Weg gefunden werden, mit dem alle leben können.

Die Tendenz zur Süd-Variante leitet Eisgruber aus der Tatsache ab, dass die Nord-Variante übers Aischtal durch ein von Europarecht geschütztes Gebiet führen würde. Eisgruber: "Im Süden habe ich diese Probleme nicht." Entschieden sei aber noch lange nichts. Der Natur- und Umweltschutz sei einer von vielen Belangen, der ebenso mit abgewogen werden müsse wie die Anbindung des Höchstadter Aischparks an eine mögliche Nordumgehung.

Wer glaubt, dass die Ortsumgehung jetzt bald kommt, wird enttäuscht sein. Für Planungszeiten, Genehmigungsverfahren und Bau rechnet Eisgruber mit 15 bis 20 Jahren. Durch Klagen gegen das Projekt könnte dieser Zeitraum noch länger werden.
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