Höchstadt a. d. Aisch
Wahlmöglichkeit

Ist am Gymnasium Höchstadt bald das Abitur mit Klavier und Geige möglich?

Der Schulausschuss des Landkreises Erlangen-Höchstadt hat am Donnerstag die Forderung des Höchstadter Gymnasiums für einen musischen Zweig unterstützt.
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Georg Schlee ist einer von drei Musiklehrern, die am Gymnasium in Höchstadt unterrichten.  Foto: Mirjam Stumpf
Georg Schlee ist einer von drei Musiklehrern, die am Gymnasium in Höchstadt unterrichten. Foto: Mirjam Stumpf
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Auf welche Schule schicke ich mein Kind? Diese Frage stellen sich jährlich viele Eltern, wenn der Nachwuchs die Grundschule beendet. Fällt die Wahl auf ein Gymnasium, ist oft die Ausrichtung der Schule ausschlaggebend.

Dass es am Gymnasium Höchstadt bald einen musischen und damit zusätzlichen dritten Zweig geben könnte, wie von Rektor Roland Deinzer gewünscht, wurde am Donnerstag im Schulausschuss einstimmig befürwortet. "Alles was unsere Schulen attraktiver macht, können wir nur unterstützen", sagte Landrat Alexander Tritthart (CSU) vor der Entscheidung.

"In Bayern gibt es verschiedene Ausrichtungen der Gymnasien. Unsere Schule ist naturwissenschaftlich-technologisch und sprachlich ausgerichtet", sagt Deinzer. Die Einführung eines musischen Zweiges würde bedeuten, dass in diesem der künstlerische Bereich zum Schwerpunkt würde.

In Bayern gibt es zurzeit 56 musische Gymnasien, wie aus Zahlen vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus hervorgeht. Von Höchstadt aus ist die nächste Schule mit diesem Wahlbereich erst das Christian-Ernst-Gymnasium in Erlangen. Das könnte sich nun für einige zukünftige Gymnasiasten, die im Landkreis wohnen, ändern. "In den letzten Jahren haben wir viele Anfragen von Eltern bekommen, ob ein musischer Zweig möglich wäre", sagt Georg Schlee, Fachbereichsleiter für Musik am Gymnasium Höchstadt. Er ist einer von drei festen Musiklehrern an der Schule und begrüßt die neue Ausrichtung, auch im Hinblick auf die Interessen und Neigungen der einzelnen Schüler: "Durch einen musischen Zweig können sie sich noch einmal anders entfalten."

Musik als Hauptfach

Doch wer den musischen Zweig wählt, übt nicht nur permanent Tonleitern oder Harmonielehren. "Den Zweig zeichnet aus, dass das Fach Musik von der fünften Klasse an ein Vorrückungsfach ist", sagt Rektor Deinzer. Es trete dann in eine Reihe mit den anderen Hauptfächern wie Mathe oder Englisch, in denen Schulaufgaben geschrieben werden. "Der Zweig richtet sich vor allem an junge Menschen, die sich aktiv mit Musik beschäftigen wollen."

Auch das Lernen eines Instruments von der fünften bis einschließlich der elften Jahrgangsstufe im G9 an, sei dann verpflichtend, ergänzt Musiklehrer Georg Schlee. "Man braucht dafür aber keine instrumentale Voraussetzung." Lediglich die Note Zwei im Übertrittszeugnis in dem Fach sei erforderlich.

Möchte ein Schüler bereits jetzt ein Instrument lernen, dann könne er sich aktuell zwischen den Instrumenten Querflöte, Klarinette, Geige, Cello, Kontrabass, Klavier und Gitarre entscheiden. Belegt wird der Unterricht dann als zusätzliches Wahlfach. Wenn der musische Zweig eingeführt würde, könne dann aber auch mit der Musikschule Höchstadt kooperiert werden. "Der Unterricht kann über die Schule oder extern genommen werden", sagt Schlee. Denn einmal im Jahr muss jeder mit seinem Instrument benotet vorspielen.

Keine Nachteile ersichtlich

Von Seiten der Ausschussmitglieder in der Sitzung gab es aber auch Bedenken. Beispielsweise, dass die Bereichsleiter des naturwissenschaftlichen Zweiges zurückstecken müssen oder der Französischunterricht geschwächt werden könnte. "Ich bin mir aber sicher, dass das Profil unserer Schule keine Nachteile erfahren wird", versicherte Rektor Deinzer. Belastbare Zahlen, wie sich die Schüleranzahl durch den neuen Zweig entwickeln werde, gebe es aber nicht.

Vielmehr könne der musische Zweig auch ein Ausgleich für die sportliche Ausrichtung des Gymnasiums in Herzogenaurach sein, bemerkte Renate Schroff, Kreisrätin und Zweite Bürgermeisterin von Herzogenaurach (SPD). "Ich könnte mir vorstellen, dass auch Herzogenauracher nach Höchstadt kommen." Michael Schwägerl, Kreisrat (CSU) und zugleich Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, sprach noch ein weiteres Thema an: "Ich kann das nur unterstützen. Es ist klar, dass auch eine finanzielle Unterstützung nötig sein wird." Ein musisches Gymnasium sei - den Etat betreffend - teurer.

Musiklehrer Schlee wird an diesem Wochenende mit den Schülern aus Chor und Orchester zu einem intensiven Probenwochenende fahren. "Auch die Ensembles würden durch den musischen Zweig gestützt werden." Ob das Gymnasium den neuen Zweig auch wirklich bekommt, hängt nun noch an den Verantwortlichen im Kultusministerium.

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