Gleichberechtigung

Inklusion in Sportvereinen im Landkreis Erlangen-Höchstadt: Bewegung ist für alle da

Der sechsjährige Bastian aus Schwarzenbach möchte gerne bei einem Sportverein Mitglied werden, Johanna möchte tanzen. Beide Kinder sind besonders, sie haben einen Gendefekt. Einen geeigneten Sportverein zu finden, ist deshalb für sie schwieriger.
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Der sechsjährige Bastian aus Schwarzenbach (Lkr. Erlangen-Höchstadt) möchte sich gerne in einem Sportverein austoben. Foto: Franziska Rieger
Der sechsjährige Bastian aus Schwarzenbach (Lkr. Erlangen-Höchstadt) möchte sich gerne in einem Sportverein austoben. Foto: Franziska Rieger

Wenn Bastian mit seinen Geschwistern Kimberly und Lukas durch die Schwarzenbacher Hauptstraße tobt, dann muss es schnell gehen. In Sekundenschnelle flitzt der Sechsjährige mit seinem Laufrad die Straße entlang. Kristin Brendel, die Mutter der drei Geschwister, hat dann ein ganz besonders wachsames Auge auf die Rasselbande.

Bastian hat das Down-Syndrom. Wie viele andere Jungs in seinem Alter spielt er gerne im Freien, am liebsten kickt er mit dem Fußball. "Bastian braucht das Auspowern", sagt seine Mutter. Bei der Feuerwehr Schwarzenbach ist der Junge bereits Mitglied. Jetzt, mit sechs Jahren, möchte er endlich in einem Sportverein mitmachen. Das Problem: Öffentliche Vereine hätten oft keine Erfahrung mit dem Down-Syndrom.

Probetraining bei drei Vereinen

Auf einen Facebook-Aufruf von Kristin Brendel haben sich drei Vereine für ein Probetraining bereit erklärt: der Schützenverein Adelsdorf, der Höchstadter Eishockey-Club und die SpVgg Etzelskirchen. "Wir sind da offen, Kinder zu inkludieren, wenn es möglich ist", sagt Edgar Litz, Vorsitzender der SpVgg Etzelskirchen. Erfahrungen mit Mitgliedern mit Behinderung habe man im Verein, unter anderem durch ein Mitglied, das Epilepsie hat.

Vor einem Jahr habe der Verein einen Kurs zu Inklusion im Fußball abgehalten. Was oft ein Problem für die Vereine sei: Einen Trainer mit entsprechendem Einsatz für eine Inklusionsmannschaft zu finden, meint Litz. Wenn ein Kind mit Behinderung in einem herkömmlichen Verein aufgenommen wird, sei es wichtig, vorab die anderen Mitglieder zu informieren und zu erklären, in wie weit die Leistung des neuen Mitgliedes eingeschränkt ist.

Litz ist jedoch bewusst: Je größer die Kinder werden, desto größer werde auch der Leistungsgedanke. Benachteiligte Kinder können dann nicht mehr mithalten. Dafür gebe es aber Lösungen, beispielsweise könnte das Kind bei Bedarf in einen jüngeren Jahrgang zurückgestellt werden. "Ganz am Anfang geht es erst einmal um die Freude am Ball, dass Kinder Spaß daran haben", so der Vorsitzende.

Keine Angst vor negativen Reaktionen

So sieht es auch Kristin Brendel. "Bastian wird nie Hochleistungssportler werden, das wäre utopisch." Angst, dass Bastian sich in einem neuen Verein nicht einlebt, hat sie nicht. Auch negative Reaktionen befürchtet sie nicht. "Wir suchen etwas, wo alle Beteiligten miteinander klar kommen", sagt die Schwarzenbacherin.

Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Menschen mit Einschränkung in einem herkömmlichen Sportverein Mitglied sind. Lediglich zwölf Prozent der Sportarten üben Menschen mit Behinderung in einem Verein aus. Das ergibt eine Befragung über Sport und Bewegung für Menschen mit Behinderung in Erlangen und Umgebung mit dem Titel "Sport für Alle - Bewegung ohne Grenzen", die das Netzwerk "Bewegung ohne Grenzen" mit der städtischen Fachstelle für Statistik 2018 veröffentlicht hat.

Trainer muss geeignet sein

Insgesamt geben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass sie mit Menschen ohne Behinderung Sport machen würden, wenn sie so angenommen werden, wie sie sind. Ebenso ist für zwei Drittel Voraussetzung, dass der Trainer auf die Belange von Menschen mit Behinderung

eingeht.

Und daran mangele es den Vereinen oft. "Es müssten mehr Sozialarbeiter in die Vereine kommen, um das zu fördern", findet Sandra Gehr. So könnte den Vereinen die Berührungsangst genommen werden. Sandra Gehr weiß, wie wichtig es ist, dass Kinder mit Behinderung mit anderen gleichaltrigen Kindern in Kontakt kommen.

Ihre zwölfjährige Tochter Johanna möchte gerne in einem Verein tanzen. "Sie will tanzen, weil ihre Freundinnen auch alle tanzen", sagt Sandra Gehr. Weil Johanna einen Gendefekt, ähnlich dem Down-Syndrom hat, könnte sie nicht in einer Ballettklasse mithalten. Deshalb ist Sandra Gehr auf der Suche nach einem Verein, in dem ihre Tochter tanzen kann.

Die Höchstadter Ballettschule würde gerne Unterricht für eine Inklusionsgruppe geben. Dafür müssten sich aber noch einige Interessierte finden. In anderen Vereinen ist Johanna bereits aktiv, nur ein Sportverein hat sich bisher nicht gefunden. Sandra Gehr hofft nun, dass Johannas Traum vom Tanzen bald in Erfüllung geht.

Umfrage: Sport für Alle - Bewegung ohne Grenzen

Anzahl 194 Personen nahmen an der Umfrage teil. 23 Prozent der Befragten sind allein körperlich behindert und 22 Prozent allein geistig behindert.

Sportarten Fahrradfahren steht bei Menschen mit Behinderung an erster Stelle, gefolgt von Schwimmen, Fußball und Wandern, Walken und Laufen. Sportarten, die mehr geistig Behinderte als körperlich Behinderte ausüben, sind Schwimmen, Wandern, Walken, Laufen sowie Tischtennis und Fußball.fr



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