Etzelskirchen
Inklusion

Inklusion in der Arbeitswelt im Landkreis Erlangen-Höchstadt: "Ich gehe gerne auf die Arbeit"

Zwei Beschäftigte der Barmherzigen Brüder Gremsdorf haben eine Ausbildung gemacht und arbeiten nun als Assistenten im BRK-Altenheim Etzelskirchen. So sollen sie, trotzt Beeinträchtigung, in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden.
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Thomas Welz arbeitet beim BRK Altenheim als Servicekraft, Ursula Fischkal ist in einer Wohngruppe beschäftigt.   Fotos: Franziska Rieger
Thomas Welz arbeitet beim BRK Altenheim als Servicekraft, Ursula Fischkal ist in einer Wohngruppe beschäftigt. Fotos: Franziska Rieger
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Während Thomas Welz im Speisesaal des BRK-Alten- und Pflegeheims in Etzelskirchen die Tische für das Mittagessen deckt, schenkt Ursula Fischkal eine Etage weiter oben einer Bewohnerin ein Glas Wasser ein. Welz und Fischkal unterhalten sich mit den Bewohnern, scherzen mit den Kollegen. Und doch unterscheiden sich die beiden von den anderen Mitarbeitern im Altenheim: Welz und Fischkal haben eine Beeinträchtigung.

Bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf sind sie extern an einem sogenannten Außenarbeitsplatz beschäftigt. Das heißt, die beiden arbeiten nicht in der Benedikt-Menni-Werkstatt in Gremsdorf, sondern in einem externen Unternehmen wie im BRK-Altenheim.

Persönliche Entwicklung stärken

"Es macht mir Spaß, mich mit den Bewohnern zu unterhalten, Getränke und Essen auszuteilen", sagt Welz. Die Ausbildung und die Arbeit im Altenheim haben das Selbstvertrauen der beiden gestärkt, ihre persönliche Entwicklung unterstützt. "Hier bin ich viel besser aufgehoben. Hier bin ich angekommen", sagt Fischkal. Früher sei sie morgens manchmal mürrisch gewesen - das ist jetzt anders. "Ich gehe morgens gerne auf die Arbeit", sagt sie.

Um sich für ihren externen Arbeitsplatz weiter zu qualifizieren, haben Fischkal und Welz eine Ausbildung zum Assistenten in einem Seniorenheim abgelegt. Im Juli 2018 haben sie mit der Ausbildung begonnen. Jede Woche haben sie mit ihrem Ausbildungsleiter Lutz Tamaschke, der bei den Barmherzigen Brüdern Inklusionsbegleiter ist, Fächer wie Aufbau und Organisation im Betrieb, Sicherheit und Hygiene gelernt.

Weitere Lehrinhalte waren das persönliche Erscheinungsbild oder wichtige Umgangsregeln. 120 Unterrichtsstunden sind so zusammengekommen. Im Juni dieses Jahres haben sie dann ihre Prüfung in Bamberg abgelegt.

Welz musste in seiner praktischen Abschlussprüfung einen Geburtstagstisch für vier Personen eindecken, Fischkal hat Betten bezogen. Die Mühe hat sich gelohnt: Beide haben mit Note 1 bestanden. Konzipiert haben diese Zertifikatslehrgänge "integra Mensch", die Bamberger Lebenshilfe-Werkstätten. Das Ziel dabei: Menschen mit Behinderung sollen in reguläre Aus- und Weiterbildungen einbezogen werden. Außer zum Assistenten in Seniorenheimen gibt es noch weitere Lehrgänge, darunter Assistent für Fahrzeugreinigung oder Gehilfen im Baugewerbe.

Finanziert wurde die Ausbildung von den Barmherzigen Brüdern. 8000 Euro hat die Ausbildung für zwei Personen gekostet. "Das ist es uns wert", sagt Johannes Salomon. Es sei schließlich eine Investition in die Beschäftigten auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt. In Gremsdorf war das ein Pilotprojekt, jetzt sollen weitere Interessierte gesucht werden. Der Lohn für die Beschäftigten komme weiterhin von der Werkstatt, das BRK zahlt einen Zuschlag an die Einrichtung.

Neben Welz und Fischkal arbeiten noch zwei weitere Menschen mit Handicap im Altenheim. "Ein solcher Arbeitsplatz motiviert die Menschen, eine ganz andere Arbeitsleistung zu erbringen", sagt Jan Pyschny, Personalleiter beim BRK Kreisverband Erlangen-Höchstadt. In den Personalschlüssel werden die Mitarbeiter mit Beeinträchtigung nicht eingerechnet.

Weil das BRK die Beschäftigten nicht über Entgelte refinanzieren kann, ist das zwar ein zusätzlicher finanzieller Aufwand. Dafür überwiege aber der Nutzen, sowohl für die Bewohner des Altenheims, als auch für die Beschäftigten, betont er.

Die Entgelt- und Einkommenssituation von Werkstattbeschäftigten

Grundbetrag Der Grundbetrag ist ein Mindestentgelt, das jeder Beschäftigte unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit erhält und liegt derzeit bei 80 Euro im Monat.

Steigerungsbetrag Zu dem leistungsunabhängigen Grundbetrag kommt ein leistungsabhängiger Steigerungsbetrag, der sich stark nach der individuellen Beeinträchtigung und der Arbeitsleistung richtet, insbesondere unter Berücksichtigung von Arbeitsmenge und Arbeitsgüte.

Arbeitsförderungsgeld Neben dem Grund- und Steigerungsbetrag, die aus dem Arbeitsergebnis der Werkstatt gezahlt werden, bekommen Werkstattbeschäftigte ein AFöG, das aktuell bei 52 Euro liegt. AFöG erhalten Beschäftigte nur, wenn deren Arbeitsentgelt zusammen mit dem Arbeitsförderungsgeld den Betrag von 351 Euro nicht übersteigt.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen.red

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