Schlüsselfeld
Waldpädagogik

In Schlüsselfeld wird der Wald zum Klassenzimmer

Schlüsselfelder Schüler pflanzen 60 Bäume, um die sie sich auch in Zukunft kümmern werden.
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Bevor die Tannen ausgesät werden, müssen die Kinder Saatrinnen ziehen.    Foto: Evi Seeger
Bevor die Tannen ausgesät werden, müssen die Kinder Saatrinnen ziehen. Foto: Evi Seeger
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"Die Kinder sollen nicht nur die Theorie kennenlernen, sondern auch ein Gefühl für den Wald bekommen", sagt Manfred Klann, der frühere Förster in Schlüsselfeld. Dies war vor zehn Jahren auch seine Intention für die Schaffung eines Walderlebnispfades. Auch für seinen Nachfolger, Revierleiter Benjamin Göbel, hat die Waldpädagogik einen hohen Stellenwert.

Jetzt wurde im Auftrag der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Schlüsselfelder "Grabengrund" ein Schulwald gepflanzt. Im Beisein von Landrat Hans Kalb (CSU), der die Schirmherrschaft innehatte, sowie Gästen aus der Forstverwaltung, der Schutzgemeinschaft und der Schule wurde der neue Schulwald eröffnet.

Zusammen waren es rund 100 Schüler der zweiten, dritten und sechsten Klassen, die zusammen mit Lehrkräften und Rektor Reinhold Hofmann den Wald zum Unterrichtsraum machten. Sie zogen Saatrinnen, streuten Tannensamen, setzten Pflanzen, brachten Verbiss-Schutzzäune an und hängten Nistkästen auf. "Tannen sind die Schokolade fürs Rehwild", erklärte Manfred Klann. Die Zäune schützen die jungen Bäume auch davor, dass die Rehböcke sie mit ihrem Geweih "verfegen".

"Es macht sehr viel Spaß", sagte Katharina aus der dritten Klasse. Dafür nahm sie an diesem kühlen Morgen selbst klamme Finger in Kauf. Sie will ihren Baum auf jeden Fall auch später besuchen und wachsen sehen.

Für warmes Klima geeignet

50 Weißtannen und zehn Edelkastanien wurden an der lichten Stelle im Staatswald gesetzt. Mit wechselnden Baumarten werde dafür gesorgt, dass der Wald widerstandsfähiger werde. Tannen würden tiefe Pfahlwurzeln ausbilden, erklärte Klann. Damit könnten sie Wasser aus tiefen Schichten erschließen. Sie wären daher für die Klimaerwärmung optimal geeignet. Ganz ähnlich die Edelkastanie, die in Weinbauregionen zuhause sei. Man könne sie übrigens braten und essen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre sei ein Klima wie in Weingegenden zunehmend auch hier zu erwarten.

Die Schüler sollen die Bäume künftig auch betreuen. Die Brombeeren werden nach den Worten des Försters wieder bis an die jungen Bäumchen heranwuchern. Bis sie groß genug ist, müsse die Pflanze daher immer wieder frei gestellt werden, eine Pflegemaßnahme, die möglichst auch von den Schülern übernommen werden soll.

"Bereits jetzt sind die Klassen mit Förster Göbel regelmäßig im Wald", berichtet Rektor Reinhold Hofmann. So gehe es mit dem Förster zur "Waldweihnacht" oder auf die Suche nach "Spuren im Schnee" in den Wald. Jeweils im Mai gebe es einen Walderlebnistag.

Im Werkunterricht hatten die Kinder auch die Nistkästen gebaut, die jetzt an geeigneten Stellen aufgehängt wurden. Auf die Vogelarten oder Fledermäuse abgestimmt, hatten die Häuschen unterschiedliche Formen und Anfluglöcher.



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