Weisendorf
Hilfe

In Nagaland kennt man Weisendorf

Seit zehn Jahren gibt es die Hilfe der "Zubzas" für Indien. Was klein anfing, hat heute viele Unterstützer. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.
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Ryan übergibt eine Spende vom Schulfest an Pater Samuel.  Foto: Richard Sänger
Ryan übergibt eine Spende vom Schulfest an Pater Samuel. Foto: Richard Sänger
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Das Zubza-Fieber infiziert in Weisendorf und Umgebung immer mehr Menschen und der Virus breitet sich immer mehr aus. "Die Idee, Kinder so weit entfernt im Nagaland zu unterstützen, hat nun, getragen vom Elan der Schüler in Weisendorf, die ganze Marktgemeinde und seit Neuestem auch mit Eschenbach eine kleine Stadt in der Oberpfalz erfasst", schrieb Erzbischof Ludwig Schick in seinem Grußwort zur großen Pressekonferenz der "Zubza-Familie" im Weisendorfer Rathaus.


Brücken gebaut

Vor zehn Jahren wurde auf Initiative von Ernst Klimek mit dem gemeinsamen Hilfsprojekt "Eine Brücke von Weisendorf ins Nagaland/Indien" der Marktgemeinde Weisendorf, der Grund- und Mittelschule, der katholischen Pfarrei St. Josef und der evangelischen Kirchengemeinde begonnen. Zum zehnten Jubiläum kam deshalb Pater Samuel Elow, Schulleiter und Pfarrer in Zubza, nach Weisendorf, um sich bei all den Spendern und Unterstützern sowie Schulpaten zu bedanken.

Bei einer Pressekonferenz im überfüllten Sitzungssaal begrüßte Schulleiterin Petra Pausch neben Pater Samuel, dem Zubza-Team und dem Weisendorfer Pfarrer Johannes Saffer auch Unterstützer aus dem Seebach- und Aurachgrund. Gekommen waren auch die beiden Oberpfälzer Entwicklungshelfer Hans Rupprecht und Walter Rinderer.


Briefe aus Zubza

"Begonnen wurde mit kleinen Mitteln und mit Brieffreundschaften der Kinder zwischen den beiden Schulen", erzählte Klimek vom bescheidenen Anfang, der sich in den vergangenen Jahren zu einem beachtenswerten Hilfsprojekt entwickelt hat. Durch die Briefe aus Zubza hatten die Weisendorfer Kinder von den schwierigen Lebensbedingungen sowie der Armut aus der vergessenen Bergregion im Nordosten von Indien erfahren.

Es brauchte keinerlei Überredungskunst - die Weisendorfer Schulkinder beschlossen zu helfen, und mit einer Solibrotaktion wurde der Grundstein für die Brücke von Weisendorf ins Nagaland gelegt. Mit einer Reihe von Aktionen wurden die Lebensbedingungen in Zubza verbessert und in Peducha eine Schule gebaut.


Ohne Schulgeld kein Schulbesuch

Allerdings können die Kinder im Nagaland die Schule nur besuchen, wenn das Schulgeld von umgerechnet 80 Euro im Jahr bezahlt werden kann. In vielen Fällen können die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen und Kinder müssen stattdessen auf den Feldern arbeiten. Tagelöhner-Familien haben Mühe, das Schulgeld aufzubringen oder schaffen es gar nicht.

Dennoch sehen sie ein, dass Bildung der einzige Weg ist für eine Chance auf ein besseres Leben. Sie hoffen, dass wenigstens die Kinder der Armut entkommen. Um die Schulbildung zu sichern, verschulden sich sogar manche Eltern. Für viele Kinder bleibt der Schulbesuch immer noch ein Traum, ebenso der Besuch einer höheren Schule oder eine Berufsausbildung.
Anita Klimek und die Zubzas werben deshalb um Schulpaten und inzwischen konnten bereits 68 Schulpatenschaften vermittelt werden. Bürgermeister Heinrich Süß übernahm zwei Patenschaften und berichtete von einem persönlichen Besuch, dass die Kinder sehr gerne zur Schule gingen und sich auch anstrengten.

Ähnlich äußerte sich Petra Pausch, die "ihr" Kind zu Hause in einer ärmlichen Behausung besuchte. "Die alleinerziehende Mutter hat sich ihrer Armut geschämt und konnte nicht glauben, dass das Schulgeld auch in den nächsten Jahren, nämlich so lange ich lebe, bezahlt wird", erzählte die Schulleiterin.

Ähnliches berichtete auch Hans Rupprecht, der nach einem mehrmonatigen Aufenthalt zusammen mit Pater Samuel nach Deutschland reiste. Spielplatz, Spielgeräte, Wasserfilter, Gemüseanbau, Kräutergarten und Decken: In all diesen Bereichen leisteten er und Rindersbacher Entwicklungshilfe in Zubza. So wurde landwirtschaftliche Aufbauhilfe ebenso geleistet, wie die Überbringung von Sach- und Geldspenden. Vor seiner Rückreise konnte er auch den "Children Park Eschenbach" fertigstellen, das Grundstück war vorher eine stinkende und qualmende Müllkippe.

"Die Kinder im Nagaland kennen keine Spielplätze wie bei uns, die kommen in Scharen schon bei Sonnenaufgang zum Spielen und Toben", erzählte Rupprecht. Vor dem Unterricht gehen sie nach Hause, ziehen die Schuluniform an und besuchen den Unterricht. Nach Schulschluss ist dann der Spielplatz bis Einbruch der Dunkelheit wieder dicht bevölkert.
Zu seinem letzten Aufenthalt hatte Rupprecht pädagogische Spielsachen mit nach Zubza genommen, Lehrmittel die weder die Kinder noch die Lehrkräfte jemals gesehen haben.


Gefüllte Taschen dabei

Auch Pater Samuel wird bei seiner Rückreise einiges an Gepäck dabei haben. So auch Teddybären und gefüllte Sanitätstaschen, die Brüne Soltau vom Roten Kreuz mit nach Weisendorf brachte. Bei der Pressekonferenz durften aber auch die Geburtstagstorten "10 Jahre Zubza" nicht fehlen, die von den Zubzas der ersten Stunde angeschnitten wurden. Am selben Nachmittag wurde auch eine große Bilderausstellung eröffnet, die demnächst in der Sparkasse in Herzogenaurach zu sehen sein wird.
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