Höchstadt a. d. Aisch

In Höchstadt bald Bürgerbüro statt Briefmarken

Die alte Post in Höchstadt ist seit Jahren ungenutzt. Doch bald tut sich was in der Immobilie am Marktplatz.
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Früher befand sich in dem Haus am Marktplatz die Post. Fotos: Christian Bauriedel
Früher befand sich in dem Haus am Marktplatz die Post. Fotos: Christian Bauriedel
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Strahlendes Postgelb ist es nicht mehr. Die Farbe auf dem Putz ist schon etwas ergraut. Die Fenster sind mit schweren Eisengittern gesichert. In Verbindung mit der roten Lampe der Alarmanlage sieht es fast wie eine Justizvollzugsanstalt aus.

Nur am hölzernen Tor des Haupteingangs zum Gebäude am Markt erinnert noch ein eingelassener Adler daran, dass sich hier einmal die - ganz früher noch bundeseigne - Post befand.

Es war keine gute Nachricht für Höchstadt, als 2016 die Deutsche Post und die Postbank angekündigt haben, den Standort am Marktplatz zu verlassen.

Am 1. Juli 2016 war es dann soweit: Die Post schloss ihre Filiale in dem Gebäude im Herzen der Stadt, in dem sie jahrzehntelang Brief- und Paketverkehr abgewickelt hat. In HöchstadtSüd eröffnete übergangsweise im leerstehenden Supermarkt in der Inastraße eine Poststelle. Diese befindet sich nun im Rewe im Aischpark-Center. In Süd gibt es noch im Getränkemarkt Kistner eine Poststelle. In der Innenstadt hat seit damals das Zigarrenhaus Riegler eine Paket- und Posttheke.

Das alte Postgebäude am Marktplatz war 2016 noch im Eigentum der Sparkasse. Diese vermietete die Räume an die Post. Nach deren Auszug nutzte die Sparkasse die Flächen noch eine kurze Zeit.

Immobiliendeal: Stadt greift zu

Dann kam es vor eineinhalb Jahren zum Deal mit der Stadt Höchstadt. Diese kaufte die Immobilie. Und sie kaufte sie gerne, denn das Objekt liegt günstig. Nur das Haus mit der Bäckerei Der Beck im Erdgeschoss trennt die alte Post vom Rathaus. Es sei aus heutiger Sicht - auch preislich - ein lohnenswertes Geschäft gewesen, sagt Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Auf Bitte des FT hat er die alte Post einmal für einen kleinen Rundgang aufgesperrt.

"Sie bietet die Möglichkeit, endlich ein ebenerdiges und barrierefreies Bürgerbüro einzurichten", sagt Brehm. Im ehemaligen Schalterraum der Post lugen EDV-Kabel aus dem Boden. In der Ecke ist mit Glaswänden ein Séparée abgetrennt.

Noch sind es grobe Pläne. Doch ziemlich sicher ist, dass hier im Erdgeschoss einmal ein Serviceschalter des Rathauses existieren soll. Bürger sollen dann alle ihre Anliegen hier bearbeitet bekommen. Brehm hebt vor allem die rollstuhlgerechte Rampe am Eingang hervor.

Platz für viele Schreibtische

Weiter geht's, durchs Treppenhaus in die beiden Obergeschosse. Die leeren Räume bieten einigen Platz für Schreibtische. Vorstellbar wäre, dass hier einmal das Bauamt und die Bauleitplanung sowie die städtische IT-Abteilung einziehen.

"Das Raumproblem ist sehr groß", sagt der Bürgermeister. In den letzten Jahren sei die Verwaltung enorm aufgestockt worden. Insgesamt arbeiten bei der Stadt 228 Menschen (inklusive Musikschule, Bauhof und Kläranlage). Rund 45 davon sind im Rathaus tätig. "Früher waren es mal 30", sagt Brehm. Man liege personalmäßig aber noch immer im bayerischen Mittel, was eine Analyse des Kommunalen Prüfungsverbands ergeben habe.

Die Aufgabenflut für die Kommunen steige und steige. Juristisches, Buchhalterisches und Datentechnisches werde immer komplexer. Dafür brauche es Fachpersonal - und das braucht Platz. Das Personalbüro, das Sachgebiet Feuerwehrwesen sowie Stadtmarketing und Tourismusbüro sind in angemietete Räumen ausgelagert. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, es brauche einen Neubau im Rathausinnenhof. "Aber jetzt haben wir in der alten Post genügend Räume, um uns zukunftsträchtig zu entwickeln", sagt Brehm.

Stadt muss noch investieren

Die Substanz des Gebäudes wirkt in Ordnung. "Ein paar hunderttausend Euro werden wir aber wohl noch reinstecken müssen", schätzt Brehm.

Auch bei der CSU ist man froh darüber, dass die Stadt die Immobilie in Filetlage erwerben konnte. "Wir brauchen dringend neue Räumlichkeiten. Die momentanen Zustände im Bauamt und in der Bauleitplanung sind sehr beengt", sagt Fraktionschef Alexander Schulz. Es wäre ein Fehler gewesen, es nicht zu kaufen. Das sage er, obwohl er sonst bei städtischen Immobilienkäufen eher zu den Kritikern gehöre, sagt Schulz.

CSU will Tempo machen

Er betont, die CSU habe sich gewünscht, die ganze Sache würde etwas schneller gehen. Als die Stadt neue Eigentümerin wurde, übernahm sie den Mietvertrag mit der Post, die noch bis Mitte dieses Jahres monatlich ihren vertraglichen Beitrag für die leeren Räume überwies. Das Argument des Bürgermeisters, es sei dumm, den Mietvertrag zu kündigen, sei nur so halb zündend, sagt Schulz. Er fragt: Wer hätte die Stadt daran gehindert bereits die oberen Etagen auszubauen? Denn laut Schulz galt der Mietvertrag nur fürs Erdgeschoss.

Nun hoffe er, dass es bald mit dem Ausbau losgehen kann. Brehm sagt, er wolle bewusst noch das Ergebnis der Kommunalwahl im März abwarten: "Schließlich hat jeder, der Bürgermeister wird, seine eigene Personalpolitik."

Auf Seiten der SPD wartet man auch auf eine Lösung des Raumproblems. Fraktionschef Andreas Hänjes hebt den Nutzen für den Bürger hervor: "Uns als SPD-Fraktion würde es am besten gefallen, wenn die barrierefreie Örtlichkeit ein Bürgerempfangszentrum wird." Die jetzige Situation im Rathaus sei "nicht zufriedenstellend". Es sei "einfach nicht bürgerfreundlich, wenn ich erst mühsam am Monitor ablesen muss, wohin ich mit meinem Anliegen muss." Das gehöre in eine Hand an einen Serviceschalter - so wie früher bei der Post.

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