Geiselwind
Gottesdiensttest

In Geiselwind gibt es eine Anleitung für das ganz normale Leben

Wir sind zu Besuch in der Pfarrei St. Burkhard in Geiselwind. Beeindruckend: die Predigt von Diakon Hans Scherbaum.
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Die Kirche St. Burkhard in GeiselwindWaltraud Enkert
Die Kirche St. Burkhard in GeiselwindWaltraud Enkert

Das Urteil unseres Testers: Ein harmonischer Gottesdienst mit einer Predigt, die nicht befehlen will, sondern Unterstützung für das tägliche Leben auf der Erde bereithält: Das ist ein Geschenk für die Gläubigen. Dazu kommen noch Kleinigkeiten, die diesen Gottesdienst liebenswert machen: Gleich zu Beginn stehen Pfarrer, Diakon und Ministranten auf einer Höhe - sie vermitteln damit ein Gefühl von Offenheit, von Bereitstehen, von "Wir sind alle gleich, wir wollen heute gemeinsam Gottesdienst feiern". Liebenswert ist die kleine Ministrantin, die beim Friedensgruß durch den Gang läuft und den Außensitzenden an den Bänken die kleine Hand reicht. Schön, dass Senioren auch mit Behinderungen willkommen sind, dass Pfarrer, Diakon und zwei Ministranten vor dem Altar warten, bis das Schlusslied zu Ende gesungen ist und dann erst in die Sakristei gehen. Die Anwesenheit von Diakon Hans Scherbaum hat den Gottesdienst zusätzlich bereichert. Er ist immer mal wieder bei Gottesdiensten in den verschiedenen Kirchen der Umgebung dabei.

Die Beurteilung im Einzelnen:

1. Einstieg

Pfarrer Joseph Kollathuparampil kommt zusammen mit Diakon Hans Scherbaum und vier Ministranten (drei Mädchen und ein Junge) aus der Sakristei. Zwei der Ministranten nehmen im Altarbereich auf einer Bank Platz. Die anderen beiden stehen in einer Reihe mit Pfarrer Joseph und dem Diakon, während die Gläubigen das Lied zum Gottesdienstauftakt singen. Die vorderen Reihen der Kirchenbänke bieten noch großzügig Platz an diesem Sonntag. Die Gläubigen in Geiselwind ziehen offensichtlich hintere Bänke vor.

2. Musik

Erfrischende Orgelklänge erfüllen das Gotteshaus. Das passt gut zu den warmen Temperaturen draußen und der angenehmen Kühle in der Kirche. Temperamentvoll spielt der Organist bekannte Lieder aus dem Gotteslob. Er spielt zügig, fordert regelrecht dazu auf, dem Takt entsprechend zu singen, um auf keinen Fall das Lied zur Leier werden zu lassen.

3. Lesung

Aus dem ersten Buch der Könige kommt die Lesung. Es geht um den Propheten Elija. Der Herr sprach zu ihm, dass er Elischa, den Sohn Schafats, zum Propheten an seiner Seite salben solle. Elischa folgte Elija nach, nachdem er noch seine zwei Rinder geschlachtet hatte. Die Lektorin ist eine junge Frau. Sie liest in angenehmer Geschwindigkeit laut und deutlich und trotz der beiden ähnlich klingenden Namen fehlerfrei. Die Lautsprecher übertragen die Worte in bester Qualität.

4. Predigt

Diakon Hans Scherbaum hält die Predigt. Mit dem Wort Entscheidungen überschreibt er die Predigt. Entscheidungen müssten tagtäglich getroffen werden, wenn auch in unterschiedlicher Qualität: Was kaufe ich ein? Wo gehen wir zum Essen hin? Scherbaum knüpft an das Evangelium an. An die drei unterschiedlichen Menschen, die Jesus nachfolgen wollen. Die Worte Jesu übersetzt er in unsere heutige Zeit. So sollten wir immer in Bewegung bleiben, nicht ein Leben lang in Trauer verharren und Entscheidungen, die wir einmal getroffen haben, annehmen anstatt in Frage zu stellen. Er spricht deutlich, bringt seine Botschaft auf den Punkt.

5. Kommunion/Abendmahl

Diakon Scherbaum und ein Kommunionhelfer verteilen den Leib Christi. Die Kirche ist so angelegt, dass die Kirchenbänke von beiden Seiten begehbar sind. So kann die Kommunion ruhig und geordnet vonstatten gehen. Auffällig ist, dass auch ältere Menschen mit leichten Gehbehinderungen sich wagen, zur Kommunion zu gehen. Die anderen Gläubigen verhalten sich äußerst rücksichtsvoll - der Kommunionhelfer kommt sogar einer älteren Dame auf halbem Weg entgegen. Der Organist spielt währenddessen ein Melodiestück ohne Gesang.

6. Segen

Pfarrer Joseph spricht den Segen, nachdem er vorher noch ein paar organisatorische Informationen bekanntgegeben hat. "Ich danke euch allen, dass ihr zu diesem Gottesdienst gekommen seid", sagt er, und dankt auch Hans Scherbaum für die interessante Predigt. Obwohl Pfarrer Joseph aus Indien kommt, spricht er deutlich Deutsch, so dass man dem Gottesdienst gut folgen kann.

7. Ambiente

Wer nur durch die Kirchentür ins Gotteshaus St. Burkhard schaut, wird angenehm überrascht sein. Ins Auge sticht ein einladender Altarraum, dominiert von den Farben Weiß (die Wände), Terrakotta (farbig abgesetzt) und Gold (edle Verzierungen). An der Decke findet man die farbliche Harmonie noch einmal, ergänzt um ein sanftes Orange. Die beiden Seitenaltäre, Bilder an den Wänden und der Hauptaltar wirken insgesamt nicht zu wuchtig, sondern angenehm und einladend.

8. Kirchenbänke

Die Kirchenbänke sind aus Holz und dunkelbraun gestrichen. An den Sitzflächen befindet sich eine elektrische Heizung, die an diesem warmen Sonntag aber bestimmt nicht nötig ist. Dunkelbraune Polster machen das Sitzen und Knien angenehmer. Für Handtasche und Regenschirm sind entsprechende Haken an den Bänken angebracht.

9. Beleuchtung

Die Mesnerin hat vor dem Gottesdienst zahlreiche Kerzen angezündet. Nicht nur am Hauptaltar, sondern auch an den Seitenaltären brennt Kerzenlicht. Der linke Seitenaltar wird zusätzlich von elektrischem Licht angestrahlt. Die Lampen an der Decke sind schlicht und aus durchsichtigem Glas. Bei der Eucharistiefeier um 10.30 Uhr und herrlichstem Sonnenschein vor der Tür werden sie natürlich nicht benötigt.

10. Sinne

Kirchen vermitteln häufig ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Das kann man von der St.Burkhard-Kirche in Geiselwind ebenfalls behaupten. Insbesondere der Altarbereich in den erdigen Farben Gold und Terrakotta vermittelt Wohlfühlatmosphäre. Trotz der dunklen Kirchenbänke macht das Gotteshaus einen hellen Eindruck.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest unter www.infranken.de/gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Informationen.

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