Fetzelhofen
Landwirtschaft

Zukunft der Landwirtschaft: Roboter erobern Stall in Fetzelhofen in Mittelfranken

Kühe in Reihe, angehängt vorm Futter: Das ist die Vergangenheit in der Milchviehhaltung. Die Zukunft sieht man in einem neuen Stall in Fetzelhofen.
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Der Nachschieberoboter im Stall der Blankenbühlers in Fetzelhofen schiebt das Futter vollautomatisch an Ort und Stelle. Seinen Weg geben Sensoren im Stallboden vor.  Fotos: Christian Bauriedel
Der Nachschieberoboter im Stall der Blankenbühlers in Fetzelhofen schiebt das Futter vollautomatisch an Ort und Stelle. Seinen Weg geben Sensoren im Stallboden vor. Fotos: Christian Bauriedel
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Ums vorweg zu sagen: Es ist natürlich nicht direkt die Kuh, die anklingelt. Denn genauer gesagt ist es der Melkroboter, der Signal gibt. Etwa wenn es ein technisches Problem mit den Melkbechern gibt. Dann bimmelt bei Daniel Blankenbühler das Smartphone und der Junglandwirt weiß, er muss in den Stall, um nach dem Rechten zu sehen. Notfalls nachts.

Der Stall ist nicht mehr direkt neben dem Wohnhaus, sondern mittlerweile draußen am Ortsrand von Fetzelhofen. Hier hat die Familie Blankenbühler mit einem neuen Milchviehstall in die Zukunft investiert.

Rund 1,3 Millionen Euro haben der moderne Bau, die Güllegrube und die Fahrsilos nebenan gekostet. Er ist die kostspielige, aber notwendige Zukunftssicherung von Daniel Blankenbühler. Der 29-jährige ausgebildete Landwirt führt den Betrieb der Eltern weiter. In den heutigen Zeiten eine mutige Entscheidung. Nicht nur wegen des niedrigen Milchpreises. Auch wegen steigender Auflagen.

Kurz vor Beginn der Landwirtschaftsmesse "Grüne Woche" in Berlin hat am Mittwoch der örtliche Bauernverband zum "Stallgespräch" nach Fetzelhofen eingeladen. Man wolle zeigen, wie moderne Tierhaltung in der Landwirtschaft aussieht. Und, dass ein größerer Betrieb nicht schlechter fürs Tier sei.

Kühe in Reihe, angehängt vor dem Futter, also die von Tierschützern oft kritisierten sogenannten Anbindebetriebe, gebe es immer weniger, sagt Kreisbäuerin Evi Derrer. "Ein Auslaufmodell. Beim Generationenwechsel verschwinden die."

Mehr Platz für die Tiere

In Anbindehaltung steht eine Kuh auf etwa zwei Quadratmetern. In Blankenbühlers Stall hat jedes Tier zehn Quadratmeter. "Der Stall ist ein ideales Beispiel, wie Tierwohl ausschauen kann", sagt Gerhard Lang vom Bauernverband in Herzogenaurach.

Die Tiere stehen nicht an einem Platz, sondern verteilen sich im Raum oder gehen durch ein Tor ins Freie. Eine der Hallenseiten lässt sich öffnen. Im Sommer ist der Stall dann besser durchlüftet.

Jede Kuh trägt einen Responder am Bein. Sensoren an den Gattern entscheiden, welche Kuh wann Einlass zu welchem Bereich des Stalls bekommt. Auch in den zwei Boxen des Melkroboters geht alles automatisch. Ein Greifarm legt die Melkbecher an. Der Computer sammelt zu jeder Kuh Daten: Wann wurde sie das letzte Mal gemolken? Wie viel Milch hat sie gegeben? Passt der Leitwert der Milch? Blankenbühler kann dies alles auf dem Smartphone mitverfolgen.

Wegen des neuen Stalls habe es in Fetzelhofen keine Bedenken gegeben. Anders als in Kairlindach, wo sich gegen eine geplante Rindermastanlage Protest formiert. Allerdings ist Blankenbühlers Stall mit knapp 80 Kühen wesentlich kleiner. "60 Kühe sind momentan schon das Minimum", sagt Blankenbühler. Drunter sei ein reiner Milchviehbetrieb schwer zu halten.

Doch es geht auch noch deutlich größer. In Deutschland gibt es auch Betriebe mit 1000 Kühen. In Mittelfranken hat laut Bauernverband der größte Milchviehhalter 450 Kühe. Der Trend gehe absolut zu größeren Ställen. Das Problem seien niedrige Marktpreise und die steigenden Betriebskosten, vor allem bei der Technik, so Blankenbühler. 2010 habe er einen Traktor für 79.000 Euro gekauft. Heute koste das Modell mit gleicher Ausstattung schon 110.000 Euro. Die Teuerung sei enorm, doch die Lebensmittel im Supermarkt sollen immer gleich günstig sein. "Der Landwirt hat nur die Möglichkeit, mehr zu produzieren, um wirtschaftlich zu bleiben", sagt Blankenbühler.

Roboter bringen Zeitersparnis

Um rund 20 Kühe will er noch aufstocken. Zusätzlich zum Melkroboter gibt es noch andere technische Helfer. So etwa den Nachschieberoboter. Das Prinzip erinnert an Rasenmäh- oder Staubsaugerroboter. Der kugelige Apparat fährt vollautomatisch auf und ab und schiebt den Kühen das Futter unters Maul. Das Gerät sieht etwas aus wie die Landwirtschaftsvariante des Roboters "R2D2" im Film Star Wars. Auch beim Gülleschieber, der den Mist vom Boden entfernt, geht alles automatisch. Eine automatische Einstreuanlage ist geplant. Und es gibt vier Kameras im Stall. Der Landwirt hat so alles im Blick, auch wenn er gerade woanders beschäftigt ist.

Ohne Smartphone und schnelles Internet geht nichts mehr. Schnickschnack ist das nicht. Für ihn sei es eine geldwerte Zeitersparnis, sagt Blankenbühler. Denn ohne Wirtschaftlichkeit wäre wohl auch sein Betrieb wie viele andere nicht mehr zukunftsfähig.

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