Lonnerstadt
Ernte

In der Frische liegt die Würze

Am Sonntagnachmittag hat der Heimatverein zum zehnten Mal das sogenannte Hopfnbloodn-Fest veranstaltet, das Tradition und Geselligkeit vereint.
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Die Helfer haben die meterlangen Stängel des Hopfens zunächst  zerkleinert und dann die Dolden abgezupft.  Tina Meier
Die Helfer haben die meterlangen Stängel des Hopfens zunächst zerkleinert und dann die Dolden abgezupft. Tina Meier
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Ein Flechtkorb nach dem anderen füllt sich mit den zartgrünen Hopfenblüten. In sorgfältiger Handarbeit trennen die Helfer die federleichten Dolden von der Pflanze und Hilde Haberkamm weiß, worauf dabei zu achten ist. "Man sollte immer ein kleines Stück vom Stiel mit abtrennen, damit die Blüte nicht auseinanderfällt", erklärt die Lonnerstadterin.

Das Verarbeiten des Hopfens kennt die 84-Jährige noch aus ihrer Kindheit, nun zeigt sie auch ihren Enkelkindern die richtigen Handgriffe. Seit zehn Jahren lässt der Lonnerstadter Heimatverein die Tradition des sogenannten "Hopfnbloodns" wieder aufleben und verarbeitet die Ernte aus dem eigenen Anbaugebiet sowie aus örtlichen Privatgärten.

Der Begriff des "Hopfnbloodns" könnte sich von dem Wort "Hopfenblüte" ableiten, vermutet Regina Bruckmann und nimmt einen der bereits gefüllten Körbe entgegen. Die Vorsitzende des Lonnerstadter Heimatvereins hat am Sonntagnachmittag Mitglieder und Interessierte zu einem Fest mit Kaffee und Kuchen in ihre Kunstmühle eingeladen. Jeder, der wollte, konnte das Hopfnbloodn selbst ausprobieren und sich in den Kreis rund um die frisch geernteten Schlingpflanzen eingliedern.

Intensiver Geschmack

"Das Besondere ist, dass wir die Hopfenblüten direkt einfrieren und erst kurz vor dem Brauen wieder auftauen", berichtete Bruckmann und erläuterte, dass das Bier dadurch intensiver nach Hopfen schmecke als beim konventionellen Verfahren mit getrockneten und gepressten Blüten. Wie schon in den letzten Jahren wird das Festbier aus den frischen Blüten auf der Lonnerstadter Kerwa ausgeschenkt werden.

"Dieses Jahr sind die Blüten durch die Hitze und Trockenheit eher klein", sagte Bruckmann und erklärte, dass der Verein deshalb das Hopfnbloodn-Fest um eine Woche nach vorne verschoben hat: "Ein paar der Blüten werden schon braun und das ist das Zeichen, dass man nicht mehr länger warten sollte."

Den Besuchern des Fests stand außerdem die Tür zur alten Mühle offen und Paul Bruckmann führte sie durch sein Herzensprojekt. "Als wir die Mühle vor zehn Jahren gekauft haben, war sie marode und zum Teil vom Fluss unterspült. Es war klar, dass sie nicht mehr lange steht, wenn nichts getan wird", erinnerte sich Bruckmann. Seitdem hat er unzählige Arbeitsstunden und viel Liebe zum Detail in das mehrstöckige Gebäude investiert.

Ein Ort voller Leben

Die alten Geräte und Utensilien lassen erahnen, wie die Arbeit in der Mühle aussah. Mittlerweile dient das Mühlrad der Stromgewinnung und treibt gelegentlich einen Mühlstein aus Lavabasalt im Erdgeschoss an. Mühlen dieser Art sind heutzutage eine Seltenheit geworden und einigen großen Industriemühlen gewichen. Bruckmann berichtete von der Bedeutung der kleinen Mühlen in früheren Zeiten: "Die Bauern haben das Getreide gebracht, die Bäcker und Frauen haben das Mehl geholt. Eine Mühle war immer ein Ort voller Leben."

Und auch am vergangenen Sonntag hat die alte Mühle Menschen zusammengebracht, um Traditionen zu pflegen, voneinander zu lernen und in geselliger Runde beisammen zu sein.

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